Bundestrainer buhlen um Leichtathletik-Talent Müller

Leichtathletik  Die 16-jährige Verrenbergerin Laura Raquel Müller steigt in den Nachwuchskader 1 Sprint auf und trainiert nun mehr in Stuttgart und Mannheim.

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Augen zu − und fertig zur Jubelpose: Nach zweimal Gold bei den nationalen Titelkämpfen in Heilbronn, hat es Gespräche über die Zukunft gegeben. Foto: Matthias Heibel

Reden liebt Laura Raquel Müller. Die 16-Jährige ist ein erfrischend offenes, kommunikatives Wesen. Über sich selbst sagt sie lachend: "Ich bin eine Laberbacke." Auch daher macht ihr Sport super viel Spaß. Hier trifft sie Menschen, mit denen sie ihre Leidenschaft für die Leichtathletik teilen darf.

Während des Teil-Lockdowns aber verbringt die Athletin der ULG/TSG Öhringen notgedrungen viel Zeit wieder allein mit ihrem Vater im Stadion. "Natürlich sehe ich ein, dass manches nicht mehr geht", sagt die Gymnasiastin, "doch ich freue ich mich schon, wenn das Training in Öhringen irgendwann wieder in Kleingruppen erlaubt ist."

Mehr Rechte als Kaderathletin

Die Verrenbergerin darf die Anlage nutzen, weil sie Kaderathletin ist. Nach der Corona-Saison mit den zwei deutschen U18-Meistertiteln über die 100 Meter und im Weitsprung Anfang September in Heilbronn, Bestleistungen von 11,63 Sekunden und 6,25 Meter ist sie vom Nachwuchskader 2 aufgestiegen in den Nachwuchskader 1 Sprint.

Eine Beförderung in jene Auswahl, die tabellarisch der U20 vorbehalten ist. Ein weiterer Karriereschritt - mit Luxusproblem. Denn das Talent hat nicht nur auf der Liste von Thomas Kremer, dem Nachwuchs-Bundestrainer Sprint gestanden, sondern auch auf jener von Peter Rouhi, der sich seit Frühjahr als Nachfolger von Annett Stein um den Weitsprung-Nachwuchs kümmert.

Am Rande der DM hat es im Heilbronner Frankenstadion ein Gespräch gegeben, in denen beide Coaches ihr Interesse bekundet und um die Hohenloherin gebuhlt haben. Das Motto von Trainer Wolfgang Müller dabei: "Laura sagt, was sie will." Als Papa hat er stets auch das Wohl der Tochter im Auge.

Zweigleisig trainieren

Deren Entscheidung ist primär einmal gegen den Mehrkampf gefallen. Auch in diesem Bereich hätte die Vielfältige ein großes Potenzial gehabt, doch Laura Raquel Müller sagt: "Wir versuchen zweigleisig zu fahren. Mir macht ja beides Spaß und ich bin in beiden Disziplinen gut dabei." Um sich jedoch kontinuierlich weiter zu entwickeln, braucht es Zeit für Detailarbeit. "Das nehmen wir auf uns", sagt Wolfgang Müller - und fährt nun samt Tochter einen Samstag nach Mannheim, damit diese Einheiten bei Sprint-Coach Valerij Bauer absolviert. Am nächsten Samstag nach Stuttgart, um mit Tamas Kiss, dem Trainer von Vizeeuropameister Fabian Heinle, an Feinheiten im Weitsprung zu feilen.

Beide sind Persönlichkeiten in der Branche und haben bei Laura Raquel Müller Eindruck hinterlassen. Kiss, weil er sich nicht nur nach sportlichen Dingen erkundigt hat, sondern auch seine Hilfe bei schulischen Angelegenheiten oder der Jobsuche angeboten hat. "Das ist das erste Mal gewesen, dass sich ein Trainer so vorgestellt hat", sagt die Hohenloherin. Und Valerij Bauer? Ihn hat Müller zu Beginn als "etwas einschüchternd empfunden, doch der Eindruck des russischen Bären täuscht, er kann auch lächeln."

Spannende Termine 2021

Dazwischen liegen die Alltagsarbeit daheim oder Fahrten wie jene am Montag an den Olympiastützpunkt nach Heidelberg, wo Kraft-Diagnostik auf dem Programm gestanden hat. Während zwei Kadermaßnahmen im Weitsprung Corona-bedingt abgesagt worden sind, ist für Anfang Dezember eine Tiefstart-Diagnostik in Dortmund geplant. Aufregende und spannende Termine.

Über ihre Ziele hat Laura Raquel Müller noch nicht eingehend nachgedacht. Auf Wettkämpfe aber hat die 16-Jährige "schon wieder richtig Lust", wie sie sagt. Ob es eine Hallensaison geben kann, weiß derzeit niemand. Prinzipiell gilt für die Sprinterin: je kürzer, umso besser. Sie drückt es auf ihre Weise aus: "Bei den 60 Metern heißt es gleich am Start volle Rotze rennen. Bei 100 Metern habe ich mehr Zeit, um Geschwindigkeit aufzubauen."

Unter freiem Himmel sind in 2021 Ziele wie die auf August verschobene U18-EM in Rieti oder die noch nicht neu terminierte U20-Weltmeisterschaft in Nairobi denkbar.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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