Bundesliga-Wettkämpfe der Schützen abgesagt

Schießen  Für die Luftpistolen-Schützen der SGi Waldenburg gibt es dieses Jahr keine Saison. Die Sicherheit hat Vorrang. Bei allem Bedauern: Auch die Waldenburger halten eine Absage für die vernünftigste Lösung.

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Diese Saison werden die Luftpistolen-Schützen der SGi Waldenburg in der Bundesliga nicht an den Anschlag gehen.

Foto: Marc Schmerbeck

Es war eine Vernunfts-Entscheidung. Die Termine und Hygienekonzepte standen bereits, dann wurde die Saison in der ersten Bundesliga der Schützen abgesagt. "Es gab eine Abfrage aller Vertreter der Vereine", sagt Claudia Odermatt, Trainerin der SGi Waldenburg. Ein 15-köpfiges Gremium votierte schließlich mit 10:5 für die Absage aufgrund der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage.

Absage betrifft beide Ligen

Die 1. und 2. Bundesliga Luftgewehr wären am 10. Oktober gestartet, die 1. und 2. Bundesliga Luftpistole mit den Waldenburgern am kommenden Wochenende. Die Absage betrifft die 1. und 2. Bundesliga, die darunter startenden Ligen finden unter Verantwortung der Landesverbände statt. "Die 1. und 2. Bundesliga ist quasi eingefroren, das heißt, es gibt keinen Auf- und Abstieg. Und das wirkt sich natürlich auch auf die darunter liegenden Ligen aus, bei denen die Aufstiegsregelung ebenfalls ausgesetzt ist", wird Gerhard Furnier, Vizepräsident Sport und Ligaausschuss-Vorsitzender des Deutschen Schützen Bundes, auf der Internetseite des DSB, zu den Auswirkungen zitiert.

Odermatt hält die Absage für vernünftig

Vor allem folgende Aspekte rückten bei der Entscheidung in den Vordergrund: Die Vereine hatten Bedenken, dass ihre Schützen nach Auswärtsfahrten in eine längere Quarantäne müssten und dies negative Auswirkungen auf den beruflichen Alltag der Sportler hätte. Zudem wogen auch Reisebeschränkungen und Probleme von Unterbringungsmöglichkeiten schwer. Furniers Angebot und Idee, einen Fernwettkampf durchzuführen, wurde abgelehnt.

"Es wäre einfach sehr schwierig und kompliziert gewesen. Gerade durch die ausländischen Schützen und die unterschiedlichen Vorgaben in den Bundesländern", sagt auch Odermatt, die die Absage einerseits zwar bedauert, aber andererseits für vernünftig hält. Auch mit den ständig wechselnden innerdeutschen Risikogebieten und dem Beherbergungsverbot hätten einige Schwierigkeiten auf die Mannschaften zukommen können. "Der Vernunft willen müssen wir es sein lassen. So schwer es auch fällt", sagt Odermatt.

Die Absage hat keine längerfristigen Auswirkungen

Waldenburgs portugiesischer Spitzenschütze Joao Costa hatte auch leichte Bedenken angemeldet. In Portugal sind die Corona-Fallzahlen gering, er hatte befürchtet, bei einer Rückkehr aus Deutschland, falls er zu Wettkämpfen anreist, mit Schwierigkeiten rechnen zu müssen. Spitzen-Athleten anderer Vereine hätten teilweise aus Risikogebieten einreisen müssen. Die Absage dieser Saison hat aber keine längerfristigen Auswirkungen. 2021 soll es wieder eine Bundesliga-Saison geben. Mit Waldenburg. "Wir machen nächstes Jahr mit alter Frische weiter", sagt Odermatt.

Die Schützengilde hätte dieses Jahr sogar ihren Heim-Wettkampf nach Rhein-Gönnheim verlegt. "Dort wäre es einfacher gewesen, das Hygiene-Konzept umzusetzen", sagt Odermatt. Mindestens 1,50 Meter muss zwischen den Schützen Platz sein.

Auch die Vorbereitung auf Olympia ist betroffen

"Wir haben eine super schöne Halle in Waldenburg, unser Problem wären aber in erster Linie die Laufwege der Zuschauer gewesen. Es wäre ein Riesenaufwand geworden", sagt Odermatt. Einige andere Vereine wären mit ihren Hallen ganz an ihre Grenzen gestoßen. Diese Problematik stellt sich aber jetzt nicht mehr. "Die Absage kommt uns vielleicht sogar entgegen", sagt die Trainerin.

Bei Philipp Käfer steht noch eine Operation an und Jens Klossek laboriert an einer Schulterverletzung. "Insgesamt ist die Absage aber schon schade, da sie auch als Vorbereitung für die Olympischen Spiele gedacht waren", sagt Odermatt. Für die Waldenburgerin Doreen Vennekamp also beispielsweise, die zu den Kandidaten für Olympia gehört.

Risiko für die Arbeitsstelle 

Die Schützen sind zwar Leistungssportler aber eben auch Amateure. "Es wäre zu gefährlich, zu riskant gewesen, da wir ja auch alle Arbeitgeber haben", sagt Claudia Odermatt. "Und da ist sicher keine begeistert, wenn der eine oder andere nach einem Wettkampf eventuell in die Quarantäne müssen hätte. Wir haben ja alle zwei Wochen Kontakt zu Schützen, die möglicherweise aus Risikogebieten anreisen. Wir wären da alle in heller Panik gewesen. Es wäre einfach zu risikobehaftet gewesen."


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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