Schwimmerin Bruhn knackt zweite Olympia-Einzelnorm

Schwimmen  Nach ihrem perfekten Freitag mit gleich fünf gelösten Tickets für die Olympischen Spiele in Tokio legen die Schwimmer aus Neckarsulm beim Qualifikations-Wochenende in Berlin nach. Annika Bruhn sichert sich dabei ihr zweites Einzelstartrecht.

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Daumen hoch: Annika Bruhn startet bei den Olympischen Spielen über 100 und 200 Meter Freistil sowie in gleich vier Staffeln.

Foto: screenshot

Annika Bruhn, Celine Rieder, Marie Pietruschka, Fabian Schwingenschlögl und Henning Mühlleitner - gleich fünf Neckarsulmer Schwimm-Asse sicherten sich am Freitag in Berlin das Ticket für Tokio. Das war natürlich in den verbleibenden Wettbewerben beim finalen Qualifikations-Wochenende zu den Olympischen Spielen in Japan und der EM in Ungarn nicht mehr zu toppen.

NSU-Trainer Christian Hirschmann ("wir haben noch zwei spannende Tage vor uns") versprach aber in seiner weiteren Prognose nicht zu viel. Annika Bruhn verbesserte nach den 200 Metern Freistil auch über die halbe Distanz ihre Bestzeit, blieb unter der Olympia-Norm und sicherte sich ihr zweites Einzelstartrecht. In ihrem Sog festigte Marie Pietruschka ihren zweiten Staffelplatz. Auf Bruhn warten nunmehr bis zu vier Staffeleinsätze. Zur EM dürfen Nadine Laemmler und Bente Fischer.

Nur Nadine Laemmler bleibt hinter den Erwartungen zurück

Einzig Laemmler ist hinter den Erwartungen geblieben, ansonsten "hätte es nicht besser laufen können", zieht Hirschmann ein positives Fazit und lobt Annika Bruhn. "Allergrößten Respekt, dass sie solche geile Zeiten rausgehauen hat. Sie überrascht uns immer wieder."

"Es macht Spaß zu sehen, wie sie stetig an den eigenen Herausforderungen wächst", lobt auch Bundestrainer Hannes Vitense die Darbietungen der 28-Jährigen, die vor ihren dritten Olympischen Spielen steht. "Sie ist weiterhin in der Lage, von Jahr zu Jahr schneller, abgezockter und souveräner zu werden."

Der DSV hat über die 4 x 400 Meter ein Luxusproblem

Bei der Frage, ob der Deutsche Schwimm-Verband den Antrag auf eine 4 x 400 Meter Freistillstaffel stellt, lacht Vitense und sagt: "Darüber haben wir es auch schon gehabt, das ist inzwischen ein Running-Gag." Auf dieser Strecke hat der DSV mit Florian Wellbrock (Weltranglisten-Erster), Lukas Märtens (6.) und Henning Mühlleitner (7.) bei nur zwei Startplätzen für Tokio ein Luxus-Problem.

Der Neckarsulmer Mühlleitner, EM-Dritter von 2018 (3:47,18 Min.), steigerte seinen Bestwert auf den 400 Metern Freistil auf 3:45,36, blieb nach dem Qualifikations-Wettkampf in den Niederlanden nun erneut unter der Olympia-Norm, ist aber nur drittschnellster Deutscher. "Letzte Woche in Eindhoven war ich mehr oder weniger alleine im Becken und bin mein eigenes Ding geschwommen. Heute hatte ich die beiden Jungs neben mir, da hat man sich nochmal schön nach vorne gepeitscht", teilt Mühlleitner auf der Verbands-Homepage des DSV mit.

Für Henning Mühlleitner gibt es vielleicht ein Hintertürchen

Bruhn knackt zweite Olympia-Einzelnorm

Bente Fischer verbesserte sich in den vergangenen Wochen über die 200 Meter Brust deutlich und ist bei der EM dabei.

Foto: dpa

"Henning ist froh, diese Leistungen jetzt immer abrufen zu können und dass seine Zeit in Eindhoven kein Zufall war", erzählt Vitense. "Er zeigt, dass er zur Weltspitze auf dieser Strecke zählt, und das ist toll für diesen jungen Mann." Aber für Mühlleitner gibt es eventuell noch ein Hintertürchen, um nach der 200 Meter Freistilstaffel in Tokio auch über 400 Meter starten zu dürfen. Denn Wellbrock überlegt, bei Olympia diese Strecke nicht zu belegen und sich auf die 1500 Meter zu konzentrieren sowie im Freiwasser auf die zehn Kilometer.

Mit einer deutlichen Leistungssteigerung schwamm sich Bente Fischer zur EM nach Ungarn. Anfang des Jahres stand sie über 200 Meter Brust noch bei 2:28,64 Minuten, verbesserte sich auf einem Wettkampf außerhalb der Qualifikationsphase in Zürich auf 2:26,51 und steigerte sich jetzt in Berlin auf 2:25,90. Damit blieb sie klar unter der EM-Norm (2:27,80) und rückt zudem in den Nationalmannschaftskader auf. "Sie war näher an Olympia dran, als wir das erwartet hatten", ist Fischer für Hirschmann schon jetzt eine Anwärterin auf die Spiele 2024 in Paris.

Lediglich Nadine Laemmler wird an diesem Montag enttäuscht die Heimreise antreten. Nachdem sie bereits über 100 Meter Rücken gescheitert war, verpasste sie als deutsche Meisterin (2:10,97 Min.) über 200 Meter in 2:13,69 die Olympia- wie auch die EM-Norm, wird in Budapest aber in der Lagenstaffel eingesetzt. "Das ist nur ein Trostpflaster, denn sie hat deutlich mehr drauf", bedauert Hirschmann.

Umweg über Heidelberg vergebens

Da ihre bisherigen Zeiten nicht für eine Teilnahme in Berlin reichten, versuchten Daniel Pinnecker und Marlene Hüther, sich auf dem Umweg Nikar-Cup in Heidelberg für die EM zu qualifizieren. Letztlich vergeblich. Pinnecker fehlten über 100 Meter Schmetterling aber lediglich 16 Hundertstel. tok

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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