Bronzener Formcheck für die Neckarsulmer Schwimmer in Berlin

Schwimmen  Neckarsulmer Olympia-Asse um Annika Bruhn nutzen die nationalen Titelkämpfe auf dem Weg nach Tokio zur Überprüfung der eigenen Fertigkeiten. Deutscher Meister Ramon Klenz wechselt zur Sport-Union.

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Ohne Zuschauer, aber unter strengen Hygieneregeln tragen die Schwimmer ihre nationalen Titelkämpfe im Rahmen der Finals im SSE in Berlin aus.

Foto: Stefanie Wahl

Es ist keine ungehörige Marotte der jungen Generation, schon kurz vor Sieben am Morgen vor der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark hektisch auf ihren Smartphones herumzutippen oder gebannt auf die Oberfläche zu starren. Während die einen noch ihre Dokumente für die digitalen Einlasssäulen im Bauch des SSE hochladen, warten die anderen Athleten auf das Ergebnis ihres Lolli-Tests. Corona-Schnelltests sind täglicher Sicherheitsstandard und Selbstverständlichkeit bei den deutschen Meisterschaften, die noch bis zum Sonntag andauern. Auch die neun gemeldeten Schwimmerinnen und Schwimmer der Neckarsulmer Sport-Union akzeptieren das Prozedere ohne zu murren.

Olympia-Tickets sind bereits vergeben

Sportlich haben die nationalen Titelkämpfe bei den Schwimmern - im Gegensatz zu anderen Sportarten im Rahmen der Finals 2021 in Berlin und Rhein-Ruhr - keinen Einfluss mehr auf die Vergabe der Tickets für die Olympischen Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August). Das nutzt mancher Star der Szene - darunter Doppel-Weltmeister Florian Wellbrock oder seine Verlobte, Vizeweltmeisterin Sarah Köhler -, um sich in Ruhe in der Sierra Nevada auf das Highlight in Japan vorzubereiten.

Auch die in Neckarsulm trainierende Leipzigerin Marie Pietruschka fehlt in Berlin. Die Freistilspezialistin, die in der olympischen Staffel zum Einsatz kommen wird, schindet sich wie ihre Kollegin und Langstrecklerin Celine Rieder derzeit ebenfalls im Süden Spaniens. Ein letzter Trip in der Höhe für die 20-Jährige aus dem Sporthilfe-Perspektivteam vor ihrem Debüt bei Olympia.

Bewusst für Starts in der Hauptstadt hat sich Poul Zellmann entschieden. Der Essener hat gleich für alle fünf Freistil-Distanzen gemeldet. "Es gilt, Reize zu setzen. Die Rennen sollen Spaß machen, um Energie zu sammeln Richtung Tokio", sagt der 25-Jährige.

Pinneker muss sich mit der Holzmedaille zufrieden geben

Einen undankbaren Einstieg hat Daniel Pinneker erlebt. Der Neckarsulmer hat am Donnerstagabend im Finale über 100 Meter Schmetterling ohne eine spezifische Vorbereitung nach 53,64 Sekunden als Vierter angeschlagen. "Schade", sagt NSU-Vorstand Christian Hirschmann, "die Holzmedaille ist stets mit Enttäuschung verbunden, aber Daniel nimmt es sportlich."

Meisterlich präsentiert sich Ramon Klenz (52,88). Das freut auch Hirschmann, denn der Mann von der SG Neukölln ist künftig Pinnekers Trainingspartner. Der Berliner, bis April Rekordhalter über 200 Meter Schmetterling, hat sich nach verpasster Olympia-Qualikation und einer Probewoche in Neckarsulm für einen Wechsel ins Unterland entschieden.

Bronzemedaille für Annika Bruhn auf einer ihrer Nebenstrecken

Einen Formcheck aus dem Training heraus etwas mehr als eineinhalb Monate vor den Spielen planen Henning Mühlleitner, Fabian Schwingenschlögl und Annika Bruhn. Die Freistil-Könnerin sorgt am Donnerstag als Dritte über 100 Meter Schmetterling (1:00,16) für lauten Jubel unter ihren Vereinskameraden und beweist wie 2018, dass sie auch Spaß an anderen Lagen hat. "Bei ihr dreht sich viel um Olympia, aber sie zeigt, dass sie auch auf Nebenstrecken konkurrenzfähig ist", sagt Christian Hirschmann.

Über 800 Meter Freistil steigt am Freitag Henning Mühlleitner ein. "Die Rennen sind wichtig, um in die richtige Geschwindigkeit reinzukommen", sagt der Unterländer Sportler des Jahres von 2018.

Bei Brust-Ass Fabian Schwingenschlögl wirkt nach der Qualifikation für Tokio nicht nur der Deutsche Rekord über 100 Meter nach. Besonders schön hört sich für den 29-Jährigen an, als erster Deutscher unter der 59-Sekunden-Marke geblieben zu sein - ein Fakt für die Ewigkeit. Doch die Saison ist längst noch nicht gelaufen, in Berlin geht der Fertigungsplaner erstmals am Samstag ins Wasser.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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