Neckar-Cup: Ausrufezeichen in Zeiten der Fragezeichen

Tennis  Der Heilbronner Neckar-Cup mit seinem 300.000-Euro-Etat soll wie geplant in drei Wochen stattfinden. Doch es gibt noch viele Fragezeichen, wie das Challenger-Turnier in drei Wochen am Trappensee ablaufen wird.

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Lang, lang ist"s her: Am 19. Mai 2019 nahm der Serbe Filip Krajinovic bei der sechsten Turnierauflage zum zweiten Mal den Siegerpokal entgegen.

Foto: Archiv/Mugler

Klar ist, dass der Heilbronner Neckar-Cup 2021 stattfinden soll und zwar wie geplant von 9. bis 15. Mai. Doch es gibt noch viele Fragezeichen, wie das Challenger-Turnier mit Tennisprofis aus aller Welt in drei Wochen am Trappensee ablaufen wird. Das ist die Ausgangslage des dreimal als bestes Challenger der Welt ausgezeichneten Sandplatz-Turniers, das selbst in Pandemiezeiten einen stattlichen Etat von 300.000 Euro benötigt:

Die Macher hoffen auf das Beste

Zuschauer: "Ich gehe davon aus, dass wir keine Zuschauer auf der Anlage haben werden", sagt Metehan Cebeci. Der Turnierdirektor seufzt. Nach der coronabedingten Absage im Vorjahr soll es diesmal endlich wieder klappen - am 19. Mai 2019 verwandelte der Serbe Filip Krajinovic bei der sechsten Turnierausgabe den Matchball, lang, lang ist"s her. Die Vorgaben der Spielerorganisation ATP sind klar und strikt, doch die staatlichen Spielregeln sind noch vage. "Am Wochenende gibt es die neue Landesverordnung in Baden-Württemberg", sagt Turnier-Organisator Tom Bucher. Kommt auch für den Profisport ein kompletter Lockdown? Die drei Macher Mine und Metehan Cebeci sowie Tom Bucher hoffen das Beste. "Wir sind guter Dinge", sagt Metehan Cebeci. "Die Spieler melden und melden."

Am Montag steht fest, wer alles kommt

Spieler: Die Änderung der Änderung ist nichtig, sprich es wird wie früher ein 32er-Feld im Einzel mit nun wieder einem 16er-Feld in der Qualifikation geben. Im Doppel werden ebenfalls 16 Paare aufschlagen. Der Sieger des mit 88 520 Euro dotierten Turniers bekommt 12 250 Euro und 100 Punkte für die Weltrangliste. Aber wer kommt? Das steht am Montag fest, wenn die Meldefrist endet; am Mittwoch wird die Meldeliste bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Für Unruhe bei Spielern und Turnierorganisatoren hat die Nachricht gesorgt, dass die French Open eine Woche nach hinten verschoben werden. "Die ATP hätte es gerne gesehen, wenn wir auch verschoben hätten", sagt Metehan Cebeci. "Aber das wollten wir nicht, weil wir sonst parallel zu zwei ATP-Turnieren gespielt hätten und nicht wie gehabt zu dem einen in Rom." Immerhin der Termin des 7. beziehungsweise 8. Neckar-Cups ist also klar.

Klar ist auch: Die ersten beiden Neckar-Cup-Sieger Jan-Lennard Struff (2014) und Alexander Zverev (2015) werden nicht dabei sein. "Ich gehe aber davon aus, dass alle anderen deutschen Profis froh sind, dass es in Deutschland ein Turnier gibt, und kommen", sagt Metehan Cebeci. Also ist womöglich erstmals Philipp Kohlschreiber dabei? "Ich gehe zumindest davon aus, dass er nicht in Rom reinkommt", sagt Cebeci diplomatisch. Ob es mit dem Reinkommen in ein Turnier klappt, hängt in Corona-Zeiten übrigens von zwei Faktoren ab: zum einen von der Weltranglistenposition, zum anderen vom Corona-Test.

Ohne negatives Test-Ergebnis geht nichts

Testung: Ohne negatives Test-Ergebnis kein Match mit womöglich positivem Spiel-Ergebnis - Corona-Tests gehören für die Profis zum täglichen Programm. Sprichwörtlich. "Egal wie die Vorgaben letztlich sein werden: Bevor jemand auf die Anlage kann, wird die Temperatur gemessen und ein Schnelltest gemacht", sagt Metehan Cebeci. Seine Frau Mine ergänzt: "Wir gehen von 200 Tests am Tag für Spieler, Schiedsrichter und Helfer aus." Zudem gibt es PCR-Testungen.

Der Etat beläuft sich auf 300.000 Euro

Kosten: Durch den Verzicht auf Tribünen, Zelte, die Nightsession und das Rahmenprogramm mit dem Neckar-Cup-Festival wird Geld gespart. Auf der anderen Seite steigen die Kosten durch das Hygienekonzept. Nicht zu vergessen: "2020 hatten wir null Einnahmen, aber Ausgaben im fünfstelligen Bereich", sagt Tom Bucher. Der Etat liege diesmal 25 Prozent unter dem von 2019, belaufe sich auf etwa 300 000 Euro. Es gebe Sponsoren, die diesmal nicht dabei sein können oder auch nicht wollen, weil sie keine Gegenleistung sehen, so Bucher. "Wir haben aber viele überzeugen können, uns trotzdem zu unterstützen." Und was wäre, wenn die Politik auch für den Neckar-Cup die Notbremse ziehen würde? "Dann müssten wir uns schon fragen, ob es sinnvoll ist, so etwas überhaupt noch zu organisieren", sagt Tom Bucher. Doch die Neckar-Cup-Macher setzen in Zeiten der Fragezeichen ein Ausrufezeichen: Das Turnier soll stattfinden!

So viele Helfer wie sonst auch

Wenn beim Neckar-Cup am Trappensee keine Zuschauer dabei sein können, braucht es nicht so viele Helfer, oder? "Nein, es sind wie sonst auch etwa 100 bis 120, inklusive Ballkinder", sagt Organisatorin Mine Cebeci. Sobald die Vorgaben der Behörden vorliegen, geht es in die Detailplanung. Klar ist, dass es Helfer im Corona-Testzelt vor dem Eingang braucht, auch mehr Personal bei der Versorgung der Spieler. Die Anzahl der Linienrichter und Ballkinder auf dem Platz wird halbiert: Es werden nur jeweils drei statt wie sonst sechs die Matches begleiten - selbstverständlich mit Maske. 

 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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