Aus der Hochzeitsnacht ins Tischtennis-Match: Jens Schabacker gastiert in Berlin

Tischtennis  Jens Schabacker heiratet am Freitag und gastiert am Samstag mit seiner Neckarsulmer Sport-Union trotzdem in Berlin zum Zweitliga-Spiel.

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Jens Schabacker gibt seiner Stefanie erst das Ja-Wort, dann steht er nur wenige Stunden später mit der Neckarsulmer Sport-Union in der zweiten Bundesliga in Berlin am Tisch.

Foto: Alexander Bertok

Ausschlafen am Tag nach der Hochzeit ist nicht wirklich drin. Um 8.45 Uhr steigt Jens Schabacker am Samstag in Frankfurt in den ICE nach Berlin. Um kurz nach 13 Uhr soll die Zugfahrt dann in Berlin enden, wo um 16 Uhr das Zweitligaspiel der Neckarsulmer Sport-Union bei Hertha BSC auf dem Plan steht.

Kein passender Nachholtermin gefunden

Aus der Hochzeitsnacht ins Zweitligaspiel, das kommt auch eher selten vor und war anders geplant. Das Spiel sollte eigentlich verlegt werden, mangels passendem Nachholtermin klappte das nicht. Mal hatten die Berliner keine Halle zur Verfügung, mal nicht alle Spieler. Eine kurzfristige Verlegung, weil der Spielort in Berlin-Mitte zu den Corona-Hotspots in Deutschland zählt, kam für die Neckarsulmer nach internen Beratungen nicht infrage. Ein Tausch des Heimrechts war auch keine Option, die Hertha-Spieler reisen auch von weit her an. Beispielsweise Ex-Nationalspieler Torben Wosik, der von Stuttgart nach Berlin fliegt und am Sonntag als Zuschauer in der Ballei verkündete, dass Flug und Hotel in Berlin längst gebucht seien.

Es wird ein stressiges Wochenende für Jens Schabacker. An diesem Freitag gibt der 26-Jährige seiner Stefanie das Ja-Wort, gefeiert wird im allerengsten Kreis. "Wir wollten groß feiern, aber das fällt ja jetzt ins Wasser", sagt er. Seine Teamkameraden am Tag nach der Hochzeit im Stich lassen? "Für mich stand es außer Frage, dass ich dabei bin", sagt Jens Schabacker.

Für den Sieg gibt es ein Hochzeitsgeschenk

Folgt auf die Hochzeit für ihn mal wieder eine sportliche Hoch-Zeit? Es läuft noch nicht so recht, der Hesse hat als Nummer drei erst eines von acht Einzeln gewonnen. Schabacker hatte zuletzt viel um die Ohren. Ein neuer Job, die Hochzeit, das erste Kind kommt bald zu Welt. "Er steckt am Tisch mental ein bisschen in einem Loch", hat Freund und Teamkollege Julian Mohr erkannt. Der hat den passenden Deal fürs Wochenende parat: "Jens beschenkt uns mit einem Sieg, dann kriegt er auch ein schönes Hochzeits-Geschenk von uns." Das sollte doch Motivation genug sein, oder?

Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) lässt den Vereinen offen, ob sie in Risikogebieten antreten möchten. Eine Herangehensweise, die in Neckarsulm auf Kritik stößt. "Wenn überall Risikogebiet ist, dann beginnen die ersten Teams zu taktieren, dass es zu einem Saisonabbruch kommt. Das widerspricht doch dem Sportsgeist", sagt Julian Mohr.

Tabellen krumm wie Igel-Beine

Für Neckarsulm ist es bereits das fünfte Saisonspiel, für Berlin erst das zweite. Viele Tabellen im Tischtennis sind jetzt schon so krumm wie Igel-Beine. Die Freiheitsgrade in Sachen Terminfindung sind hingegen sehr klein.

Julian Mohr reist mit dem Rest des Teams bereits am Freitag nach Berlin. "Sind wir rechtzeitig da, können wir vielleicht noch abends trainieren", sagt Julian Mohr: "Wir fahren hin, spielen Tischtennis und wieder heim. Wir kommen da mit niemand in Kontakt."

Selbst das Essen am Freitagabend wollen sie sich aufs Hotelzimmer liefern lassen. Sicher ist sicher. Gar nicht sicher ist, wie lange der Spielbetrieb noch aufrecht erhalten werden kann. "Ich bin zuversichtlich, wenn sich alle an die Regeln halten. Mein Sportlerherz sagt: Ich will spielen, wir haben genug Pause gehabt", sagt Julian Mohr. Die hatte zum Beispiel auch Torben Wosik, EM-Zweiter von 2003 im Einzel und WM-Zweiter mit dem deutschen Team 2004. Am Samstag spielt er für Berlin gegen Neckarsulm.

Als Aufsteiger gut gestartet

Die Berliner verloren ihr einziges Saisonspiel mit 3:5 gegen Passau, Neckarsulm gewann in der Drei-Flüsse-Stadt zuletzt überraschend mit 5:3. "Wir rechnen uns schon etwas aus in Berlin", sagt Julian Mohr vor dem Trip in die Bundeshauptstadt. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen ist der Aufsteiger wesentlich besser als erwartet in die Spielzeit gestartet.

 

Spielen, bis es nicht mehr erlaubt ist

Torben Wosik betreibt in Böblingen eine Tischtennis-Schule. Zweieinhalb Monate war diese im Frühjahr geschlossen. "Wenn man mir die wieder zumacht, weil Leute irgendwo in Deutschland Party machen und Hochzeit feiern müssen, dann nehme ich mir einen Anwalt", sagt der 47-Jährige und verweist auf ein funktionierendes Hygienekonzept in seiner Trainingshalle. "Es kam seit Anfang Juni bei uns zu keinen einzigen Corona-Fall", sagt Wosik. Sein Motto in Sachen Liga-Betrieb: "Wir sollten spielen, bis die Politik sagt, es geht nicht mehr." Das Berliner Zweitliga-Spiel in Dortmund fiel zuletzt aus, weil in beiden Teams einige Spieler erkältet waren. Eine Vorsichtsmaßnahme. 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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