Auf den Gletscher, fertig, los: Auftakt der Alpinen

Ski alpin  In Sölden wird am Wochenende die Olympia-Saison eröffnet. Felix Neureuther hat eine Grundsatzdiskussion angestoßen.

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Ihm geht es um die Glaubwürdigkeit seines Sports: Felix Neureuther.

Foto: dpa

Der Berg ruft - zumindest macht uns die Wintersportindustrie das glauben: Am Wochenende beginnt in den österreichischen Alpen, hoch oben auf dem Gletscher von Sölden, der Ski-Weltcup der Alpinen. Es geht in den Riesenslaloms der Frauen am Samstag und Männer am Sonntag (jeweils 9.50 Uhr/Eurosport und 13.05/13.20 Uhr/ARD und Eurosport) um einen guten ersten Eindruck und darum, trotz Pandemie zur Normalität zurückzufinden. Natürlich ist auch die Qualifikation für die im Februar anstehenden Olympischen Spiele schon ein Thema - ein anderes hat Ski-Ikone Felix Neureuther gesetzt.

Die Gletscher und die Glaubwürdigkeit

"Es ist wie jedes Jahr: Sölden kommt immer ein bisschen zu früh", sagt Alexander Schmid. Nicht nur daher ist der Auftakt Ende Oktober für Schmids Ex-Teamkollege Felix Neureuther nicht mehr zeitgemäß; gleiches gelte für das Sommertraining auf den schmelzenden Gletschern. Der 37-jährige Familienvater hat im Frühjahr das Buch "Für die Helden von morgen" zur Bedeutung seines Sports veröffentlicht und jüngst in diversen Interviews gesagt: "Wie willst du glaubwürdig sein, wenn du im Sommer auf Gletschern Ski fährst, die es bald nicht mehr geben wird?"

Thomas Dreßen nickt bei den Aussagen einerseits, wackelt andererseits taxierend mit dem Kopf: Über das Sommer-Training könne man sich generell Gedanken machen, da stimme er voll zu. Andererseits "kann ich mir nicht vorstellen, dass Sölden einen Weltcup ausrichtet, der dem eigenen Gletscher - ihrem eigenen Kapital - schadet", hat der Kitzbühel-Sieger von 2018, der auf seinem Kopf für den Ort wirbt, vergangene Woche in Schwäbisch Hall gesagt. Wie auch immer, Wolfgang Maier, Sportvorstand Alpin im Deutschen Skiverband (DSV) versichert: "Wir haben sensationelle Bedingungen. Es hat geschneit, es ist hammermäßig."

Was ist der WM-Schub im neuen Winter wert?

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"Es hat geschneit, es ist hammermäßig": Wolfgang Maier, Sportvorstand Alpin im Deutschen Skiverband, freut sich auf die Saison, auf die sich die Sportler seit Tagen auch auf dem Rennhang von Sölden vorbereiten.

Foto: imago images/GEPA pictures

Hammermäßig war auch das Abschneiden der DSV-Athleten bei der WM im Februar in Cortina d"Ampezzo mit vier Medaillen. Wolfgang Maier sagt: "Das gibt dem Team ein gewisses Selbstvertrauen." Das habe man den Sommer über in der Vorbereitung wahrnehmen können. Doch alles ist relativ. Zum einen, weil es wie immer viele Verletzte im Kader gibt: Sebastian Holzmann und Manuel Schmid fallen mit Knieverletzungen den gesamten Winter aus, Thomas Dreßen wird noch seiner "Knorpelaufhackung und -anbohrung" (Maier) im Frühjahr nun zumindest den Auftakt der Speed-Saison verpassen. "Mein Plan ist, dass wir Anfang Dezember mit dem Skifahren anfangen", sagt Dreßen, der dann schaue, "wie belastungsresistent das Knie ist".

Am Montag zog sich Josef Ferstl einen Faszienriss im Oberschenkel zu - "drei bis vier Wochen Pause". Bei den Frauen ist nur Abfahrerin Kira Weidle eine Siegkandidatin. "Es wird eine One-Woman-Show", woran man erst einmal nichts ändern könne, sagt Jürgen Graller, Bundestrainer der Frauen. Vor einem Jahr starteten vier seiner Athletinnen in Sölden, diesmal sind es zwei. Und von Julian Rauchfuß, Stefan Luitz und Alexander Schmid sollte nicht zu viel erwartet werden - Sölden kommt ja immer zu früh.

Überseerennen zurück im Kalender, Rekordpreisgeld in Kitzbühel

Auf den Gletscher, fertig, los: Auftakt der Alpinen

Pausiert nach einer Knorpelaufhackung vorerst noch: Thomas Dreßen.

Foto: lm

Die Überseerennen sind nach der Pandemie-Pause wieder dabei. US-Star Mikaela Shiffrin freut sich vor allem auf die Technikrennen in Killington: "Es ist einfach eine unbeschreibliche Atmosphäre, zu Hause zu fahren. Das habe ich letztes Jahr sehr vermisst." Vor einem Jahr waren Zuschauer in Sölden nicht erlaubt, es galt das Vier-Blasen-Modell (Sportler/Betreuer, Organisation/Helfer, Medienvertreter, geladene Gäste). Heute sind nur noch die Sportler/Betreuer in einer Blase, für Zuschauer gilt die 3G-Regel. Auch die deutschen Rennen Ende Januar und Ende Februar in Garmisch-Partenkirchen sollen vor Fans stattfinden. Finanzieller Saisonhöhepunkt werden die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel sein. Dort wird im Januar in zwei Abfahrten und einem Slalom das Rekord-Preisgeld von insgesamt einer Millionen Euro ausgezahlt, wie der Veranstalter am Dienstag mitteilte.

Kontakt zum BND wegen der Olympischen Spiele in China

"Zu den Spielen in Peking kann ich gar nichts sagen, weil wir nichts wissen. Es war ja noch keiner dort", sagt Wolfgang Maier, der sich wegen des außergewöhnlichen Sportfestes in China (4. bis 20. Februar) beim Bundesnachrichtendienst (BND) erkundigt hat: Alles, was Forschung und Datenbanken zu Wachs und Ski betrifft, werde man zu Hause lassen. "Sonst wird alles sichtbar gemacht." So ist der Chinese. Klar sind auch die Spielregeln für die Athleten: Das Olympia-Ticket gibt es für eine Platzierung unter den Top acht oder zwei unter den Top 15. Auf den Gletscher, fertig, los!

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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