Auch ohne Zuschauer eine ekelige Gummiwand

Volleyball  Der SV Sinsheim liefert sich beim Geisterspiel mit Aufsteiger USC Konstanz einen wahren Krimi. Erst im Tiebreak gelingt dem Vorjahresdritten der Sieg. Für die Spielerinnen war es ein ungewohntes Spiel.

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Hoch die Hände: Hanna Baumann (Nummer 9) und Marie-Christin Werner steigen gemeinsam hoch, um den Schlag von Felicitas Piossek zu blocken.

Foto: Klaus Krüger

Wie viele Zuschauer die Heimpremiere des SV Sinsheim verdient gehabt hätte, vermochte Trainer Peter Lember nicht sagen. In einem aber war er sicher: "Alle wären ausgerastet." Das knappe 3:2 (23:25, 25:16, 31:29, 14:25, 15:9) gegen Aufsteiger USC Konstanz wäre, so Lember, "sensationell für Zuschauer" gewesen. "Aber nicht für Trainer, mein Puls lag bei 380", sagte Lember nach dem Geisterspiel. Der Vorstand hatte entschieden, die Partie wegen des unverhältnismäßig hohen Aufwands ohne Zuschauer auszutragen.

Vielleicht auch mit ein Grund dafür, dass Sinsheim nur schwer reingekommen ist ins Spiel. "Es hat was gefehlt, absolut", sagte Chrissi Werner. Hinzu kam, dass beim Einschlagen auch noch Anika Schwager verletzt ausfiel und stattdessen die gerade aus dem Urlaub zurückgekehrte Angelina Schatz in die Startformation rückte.

Es lag aber auch am starken Aufsteiger, der Sinsheim durchaus überraschte. Die fehlende Kulissen jedenfalls störte die Konstanzerinnen wenig. "Wir sind Geisterspiele von der Regionalliga ja gewöhnt", scherzte Trainer Philipp Röhl.

Konstanz wird die Liga aufmischen

Sein Team trat mit einer Serie von zweieinhalb Jahren ohne Niederlage sehr selbstbewusst auf, setzte Sinsheim unter Druck und holte sich den ersten Satz. "Wir fahren nirgendwo hin, um zu verlieren", sagte Röhl, der um eine Truppe weiß, "die entspannt in der dritten Liga mithalten kann". In den Augen von Peter Lember sogar mehr: "Gegen Konstanz werden sich noch andere schwer tun, die werden die Liga aufmischen - und oben mitmischen.".

Auch Sinsheim lief der Musik erst einmal hinterher. Erst im zweiten Satz gelang beim Stand von 7:6 die erste Führung, die aber eben so schnell dahin war, wie sie gekommen war. Erst eine starke Aufschlagserie von Werner brachte die Gastgeberinnen entscheidend nach vorne. "Wir haben viel aggressiver aufgeschlagen, waren insgesamt durchschlagskräftiger", sagte Lember. Im dritten Satz wurde es richtig dramatisch, mit 31:29 ging jedoch auch der an den SV Sinsheim. "Nach so einem Satz muss es im Kopf doch explodieren, da darf man sich danach nicht ausruhen", sagte Sinsheims Trainer mit Blick auf das, was dann folgte.

Der Trainer reagiert im vierten Satz vorausblickend

Satz vier schenkten die Gastgeberinnen sang- und klanglos ab, unterlagen mit 14:25. "Da haben wir Sinsheim auseinander genommen", fand Röhl. "Der Satz hätte nicht sein müssen", gestand auch Werner. Lember konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal einen Satz so klar verloren hatte. Aber er reagierte clever, ließ seine Schlüsselspielerinnen mal durchschnaufen, um Kraft zu sparen für den drohenden Tiebreak, den alles entscheidenden fünften Satz.

"Ich habe spekuliert", sagte Peter Lember. Aber seine Rechnung ging am Ende auf. Seine Mädchen ließen nichts mehr anbrennen, spielten die letzten Minuten mit aller Routine zu Ende und sicherten sich damit den zweiten Punkt. "Sinsheim hat so viele Bälle verteidigt, das war eine ekelige Gummiwand", attestierte Gästetrainer Röhl. Ein Kompliment. "Wir wollten es dann einfach mehr", sagte Chrissi Werner.

Die Sinsheimerinnen glichen mit Leidenschaft und Kampf aus, was ihnen bei der Saisonpremiere an Durchschlagskraft fehlte. "Der Sieg ist gut fürs Selbstvertrauen, wir wissen aber auch, voran wir noch arbeiten müssen", sagte Lember. Werner fand es zudem bemerkenswert, dass dem Team ein solcher Kraftakt ohne Zuschauer gelungen war.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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