Auch im Hellen jubelt am Ende Heinsheim

Gewichtheben  Zweitliga-Team des TEV Heinsheim lässt sich von frühem Wettkampf-Beginn nicht aus der Ruhe bringen. Beim 3:0-Erfolg gegen den TB Roding erlebt Simon Schneider eine besondere Premiere.

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Noch während die Hantel fiel, sprang Robin Künzel, bejubelt von Abteilungsleiterin Martina Dosquet, in die Luft: Mit 123 Kilo im Reißen stellte er eine Saisonbestleistung auf und erinnerte an frühere Zeiten.

Foto: Klaus Krüger

Von seinem Glück erfuhr Simon Schneider am Vormittag am Telefon. Er müsse am Abend doch bitteschön ein wenig mehr heben, bat ihn Martina Dosquet, die Abteilungsleiterin der Heinsheimer Gewichtheber. Sabine Zartmann hatte abgesagt - eine Blockade im Nacken. Da ging nichts mehr. Und so erlebte der 33-Jährige, der ansonsten für die zweite Garnitur der Kraichgauer in der Landesliga an die Hantel geht, im Zweitliga-Duell mit dem TB Roding eine Premiere: Zum ersten Mal trat er auf der Ebene in beiden Teildisziplinen an.

"Eine Ehre", sagte Schneider. Ein Wahnsinn für ihn, "auch wenn keine Zuschauer da sind". Die fehlten einmal mehr, als die Heinsheimer ihren zweiten Heimwettkampf dieser verkürzten und ungewöhnlichen Saison bestritten. 3:0 (484,4:337,2) hieß es am Ende des Duells, bei dem auch die Teamkollegen von Schneider eine Premiere erlebten: Im Hellen hatten auch sie noch keinen Bundesliga-Wettkampf über die Bühne gebracht. "Ich kann mich daran jedenfalls nicht erinnern", sagte Dosquet, als sie in der warmen Abendsonne den Heimweg antrat.

Trotz langer Anreise: Roding kommt gerne nach Heinsheim

Die Heinsheimer waren mit der frühen Uhrzeit dem Gegner entgegengekommen. Die Heber aus dem bayrischen Roding hatten noch gut drei Stunden Rückfahrt vor sich, was in normalen Zeiten weniger problematisch ist. Da hätten die Gäste in Heinsheim noch ganz in Ruhe gegessen und wären in die Nacht reingefahren. Zwar wäre auch ein Fernwettkampf möglich gewesen - doch das wollten die Rodinger zumindest mehrheitlich nicht. "Es ist ein anderes Gefühl, wenn man sich in die Augen schauen kann", fand Rodings Julia Kellermeier in der ersten von insgesamt drei Pausen. Die Gäste führten nach dem Reißen der ersten Gruppe noch. "Mal sehen, wie lange noch", sagte Kellermeier und ahnte, dass das bald vorbei sein würde.

Bis zur nächsten Pause waren die Heinsheimer in der Tat vorbeigezogen und vergrößerten den Abstand kontinuierlich. Schneider trug dazu mit seinen sechs gültigen Versuchen bei - und fühlte sich von den ungewohnten Lichtverhältnissen nicht groß irritiert. Im Gegenteil. "Ich fand es im Hellen ganz angenehm." Und ohnehin müsse man in diesen Zeiten maximal flexibel sein. Heinsheims einmal mehr Bester, Aleksander Dimitrov, können die äußeren Umstände scheinbar ohnehin nichts anhaben: Er inspizierte die Hantel zwar bei jedem seiner Versuche grimmig - hob dann aber alles weg, als wäre es das Leichteste der Welt.

Bei Christian Martens ist der Kopf nicht frei

Ganz so beschwingt wirkte das bei Christian Martens an diesem Abend nicht: Sowohl im Reißen als auch im Stoßen scheiterte er im dritten Versuch. "Mein Kopf hat heute nicht so mitgespielt", ärgerte sich der Schüler. Am Freitag hatte er noch seine erste Abiturprüfung geschrieben. "Dieser ganze Prüfungsstress zerrt an ihm - ist doch klar", zeigte Trainer Ferdinand Wittmann Verständnis. "Ich wollte ihn auch gar nicht so hoch schicken. Aber er wollte." 117 Kilo (Reißen) und 150 (Stoßen) wären mal wieder Bestleistung gewesen von Martens.

Heinsheim konnte es sich leisten, an der einen oder anderen Stelle ins Risiko zu gehen - der Vorsprung auf Roding war groß. "Wir haben ja gewusst, dass unser Gegner nicht 400 Punkte macht", sagte Wittmann. Da waren gerade die zwei Fehlversuche von Martens zu verschmerzen. Eine Saisonbestleistung indes stellte Robin Künzel noch auf, der vor Freude über die Bühne hüpfte. "Es ist eine Weile her, dass ich 123 Kilo gerissen habe", sagte der 30-jährige. Mit Publikum und am Abend im Licht der Scheinwerfer, wäre es jedoch "noch cooler" gewesen.

TSV Heinsheim: Aleksandar Dimitrov (Körpergewicht: 80,4 kg) 109,2 Relativpunkte (Reißen 120 kg/Stoßen 150 kg), Christian Martens (82,1 kg) 93,8 (113 kg/145 kg), Maike Fischer (67,9) 82,0 (65 kg/85 kg), Robin Künzel (94,3) 77,4 (123 kg/143 kg), Amelie Burkert (84,0) 66,0 (70 kg/85 kg), Simon Schneider (70,6) 56,0 (82 kg/110 kg).

Lars Wittmann hat seine Karriere beendet

Mächtig ins Schwitzen gekommen ist am Samstag auch Lars Wittmann. Zwar stand der 30-Jährige auch gegen den TB 03 Roding nicht im Kader der Heinsheimer, auf der Bühne war er dennoch: als Scheibenschieber. Ein schwieriger Job, wie er in der Pause zugab. "Das ständige switchen zwischen Frauen- und Männerhantel schlaucht unheimlich", sagte der jüngere Sohn von Trainer Ferdinand Wittmann am Rande des Wettkampfs. Als Athlet wird er auch nicht mehr auf die Heber-Bühne zurückkehren: Er hat seine Karriere beendet. "Ich musste zuletzt immer mehr trainieren, um dieselbe Leistung zu erreichen." Geht aber nicht, sagt der Altenpfleger, der in Dauernachtschicht arbeitet. "Irgendwann ist eben eine Grenze erreicht." Blöd sei nur, dass er sich nicht vom Publikum verabschieden konnte. 


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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