Anne Götter ist beim Heimturnier auf Heimatbesuch

Reitsport  Großes Hallo auf dem Eppinger Birkenhof, wo am Wochenende viel los sein wird. Ab 1. August sind Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen möglich.

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Hoch konzentriert beim Turnier in Leingarten 2019: Anne Götter und Cheyenne − die zwölfjährige Württemberger-Stute gehört ihrem Onkel Patrick Blösch − haben schon etliche Erfolge auf S-Niveau gefeiert.

Foto: Archiv/Bertok

Auf dem Birkenhof in Eppingen passieren am Wochenende außergewöhnliche Dinge: Zum einen findet auf der Anlage ein Reitturnier mit bis zu 500 Personen statt. Zum anderen sattelt Anne Götter. Das einst Gewöhnliche ist plötzlich besonders: Wegen der Corona-Pandemie - und weil Anne Götter, die auf dem Hof ihres Onkels Patrick Blösch aufgewachsen und Pferdewirtin geworden ist, seit Jahresbeginn im hohen Norden lebt und arbeitet.

In Lemwerder bei Bremen ist vieles anders als im Kraichgau: Dort gebe es viel mehr Pferde und viel weniger Corona, sagt die 20-jährige Springreiterin: "Wir haben hier oben schon seit etwa drei Monaten fast jedes Wochenende wieder Turniere - unter Corona-Bedingungen." Klar, dass Götter beim ersten Corona-Turnier auf dem Birkenhof dabei ist.

Etwa sechseinhalb Autostunden sind es mit dem Anhänger vom großen Ausbildungs- und Zuchtstall Sosath nach Hause. Und nicht etwa acht oder zehn Stunden mit dem Flugzeug: Ursprünglich wollte Anne Götter für ein paar Monate in die USA zum Reiten. "Ich bin froh, dass ich nicht rüber bin - wegen Corona", sagt die Bereiterin, die hauptsächlich junge Pferde reitet und bei Turnieren vorstellt. Sie ist mehr als zufrieden.

Das neue Zuhause ist der Stall Sosath in Lemwerder

300 Pferde leben im Stall Sosath - etwa 60 sind es auf dem Birkenhof. "Das ist hier was komplett anderes", erzählt sie fernmündlich in der Mittagspause. "Das ist ein großer bekannter Hof mit einer guten Zucht. Hier sind sehr viele Fohlen und Jährlinge." Und Cheyenne, "mein Erfolgspferd". Die zwölfjährige Württemberger-Stute gehört ihrem Onkel, "er hat sie mir mitgegeben". Cheyenne ist das Bindeglied der S-Springerin zur Heimat, zur Vergangenheit und zur Zukunft.

Anne Götter hat viel hinter sich gelassen. So war es auch gedacht. Das neue Umfeld "tut mir richtig gut, hilft mir, selbstständiger zu werden. Und ich habe das Gefühl, dass ich das kann." Vor ein paar Tagen wurde sie aus dem baden-württembergischen Landeskader Springen der Jungen Reiter gestrichen. "Das war klar", sagt Anne Götter, die jetzt zu einem anderen Landesverband gehört, nicht mehr für die Fahr- und Pferdefreunde Birkenhof Eppingen startet, sondern für den Reit- und Fahrverein Sturmvogel Berne. Klar war auch, dass jetzt der Beruf im Vordergrund steht - ohne das Sportliche aus den Augen zu lassen.

Der Beruf steht derzeit im Vordergrund

Anne Götter tut sich schwer, derzeit sportliche Ziele zu definieren. "Grundsätzlich möchte ich ein paar schöne S-Erfolge mit Cheyenne haben, gerne auch mit ihr gewinnen." Aber bei ihrer Arbeit geht es um die Ausbildung junger Pferde - und die sind noch nichts für schwere Springen. Obwohl die Eppingerin ihr Pferd nur außerhalb der Arbeitszeit reiten und trainieren darf, "kommt Cheyenne auf keinen Fall zu kurz". Es sei völlig okay, dass die beiden eben in der Mittagspause oder nach Feierabend zusammen arbeiten.

Auf dem Hof, wo Anne Götter wie die meisten Angestellten auch wohnt, habe sie nicht so viel von Corona mitbekommen: "Wir haben Kontakt gemieden, uns aber frei bewegen können." Die seit einem Jahr ausgelernte Berufsreiterin lebt gerade in einer eigenen Welt. Die sie aber wieder Richtung Süden verlassen wird, das ist klar: "Der Plan ist, dass ich mich eines Tages daheim selbstständig mache, junge Pferde ausbilde und im Sport erfolgreich bin." Den Birkenhof mit dem Onkel zu führen, das wär"s. "Patrick ist mega wichtig als Person für mich", sagt Götter. "Seine Worte gehen mir immer durch den Kopf, wenn ich einen Parcours abgehe. Ich weiß nicht, was ohne ihn wäre."

Götter wird auch Captain Norbert vorstellen

Na klar, gehen ständig Anrufe hin und her. Gerade jetzt vor dem Turnier: Anne Götter hat viel Corona-Erfahrung. "Aber die Vorgaben hier in Baden-Württemberg sind viel strenger als in Niedersachsen", sagt Patrick Blösch. Seine Nichte hat am Dienstag jedenfalls Cheyenne und ein weiteres Pferd aus Lemwerder mitgebracht, wird außerdem beim zweitägigen Turnier Captain Norbert satteln. Den sechsjährigen Schimmel stellte sie im September beim Bundeschampionat vor, er stammt aus der Zucht von Onkel Patrick. Es wird außergewöhnlich am Wochenende auf dem Birkenhof.

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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