Als die Squadra Azzurra in Heilbronn siegte

Sportgeschichte  Sepp Herberger war vom Amateur-Länderspiel 1965 zwischen Deutschland und Italien nur wenig begeistert. Deutsch-deutsche Duelle gab es bei der WM 1985 auf dem Eis.

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Nein, der Ball landet nicht im Tor: Die deutsche Amateur-Nationalmannschaft verlor am 2. Mai 1965 gegen Italien mit 0:1. Ein Mann namens Scarfo schoss das goldene Tor.

Foto: Abfotografie vom Originalbericht

Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte also das Sportgeschehen in der 17. Kalenderwoche vor 15, vor 35 und vor 55 Jahren?

1965: Die "Squadra Azzura im Heilbronner Stadion" titelte die Stimme am 30. April und kündigte vollmundig "Heilbronns bislang größten Fußballtag an". Am 2. Mai kam es im Frankenstadion zum Länderspiel-Klassiker Deutschland gegen Italien. Mit einer kleinen Einschränkung allerdings: nicht die A-Nationalmannschaften standen sich gegenüber, sondern die Amateur-Auswahlen beider Länder.

Dieses Team nichtprofessioneller Spieler existierte in Deutschland von 1952 bis 1979 und nahm an drei Olympischen Spielen teil, zu denen Profis damals nicht zugelassen waren. Auf der Bank der deutschen Elf in Heilbronn saß allerdings "Bundestrainer Helmut Schön höchstpersönlich", da Amateur-Coach Dettmar Cramer im Fifa-Auftrag in Japan weilte.

Schöns Vorgänger Sepp Herberger war einer der Ehrengäste unter den 10.000 Zuschauern. Im Gegensatz zu den 3000 "italienischen Gastarbeitern" (so heißt es im Stimme-Artikel) im Stadion, war der Weltmeistercoach von 1954 wenig begeistert von der 0:1-Niederlage des deutschen Teams: "Beiden Mannschaften fehlte eine hervorstechende Spielerpersönlichkeit", monierte der Alt-Bundestrainer. Helmut Schön ärgerte sich über den italienischen Catenaccio: "Das Tor passt haargenau zu den Sturmleistungen - beiderseits. Die Italiener verteidigten mehr mit Quantität als mit Qualität."

Und der große Heilbronner Pädagoge Alfred Finkbeiner, damals Vorsitzender des DFB-Schulfußball-Ausschusses, fand eine einfache Erklärung für die eher mäßige Kulisse: "Das Wetter war zu schön, um Rekordbesuch zu erreichen."

1985: Vier Jahre vor der Wende kam es bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Prag zu den letzten deutsch-deutschen Duellen. Zum "Schicksalsspiel" um den Klassenerhalt war die letzte Vorrundenpartie am 26. April deklariert worden. Durch einen klaren 6:0-Sieg vertrieb die West-Auswahl "erst einmal die größten Ängste vor einer Reise zur Tulpenblüte bei der B-WM 1986 in Amsterdam", wie die Stimme blumig fabulierte. "Mein Team hat sich hundertprozentig an meine Taktik gehalten und dadurch den Sieg verdient an Land gezogen", frohlockte Bundestrainer Xaver Unsinn.

Typisch Boxen: Zwei Boxkämpfe kündigte die Stimme am 28. April 1965 an. Norbert Grupe, alias Prinz Wilhelm von Homburg (das ist der Typ aus dem legendären "Sportstudio"-Interview, der einfach nicht mehr antwortet), gegen den Spanier Benito Carnal. Und Albert Westphal gegen den "unbekannten Trinidad-Neger Phil Dubossin" - die Ausdrucksweise verdeutlicht schon, es war eine andere Zeit. Was aber damals wie heute typisch fürs Profiboxen ist: Tatsächlich standen am 29. April in Hannover zwei ganz andere Gegner im Ring. 

In der Abstiegsrunde spielten beide Teams am 2. Mai ein allerletztes Mal gegeneinander. Das Duell war sportlich bedeutungslos, da die DDR bereits als Absteiger feststand. Die BRD-Auswahl gewann mit 4:1. Von den insgesamt 20 deutsch-deutschen Duellen ging der Westen damit zwölf Mal als Sieger vom Eis.

Die größeren Schlagzeilen produzierten die WM-Gastgeber. Die Tschecheslowakei bezwang am 29. April in der Meisterrunde die übermächtige UdSSR mit 2:1 und holte sich später auch den Titel. Für die Sowjets riss damit eine Serie von 52 WM-Spielen ohne Niederlage. "Als die Roboter weinten und Trainer Tichonow brüllte", titele die Stimme am 3. Mai, nachdem die UdSSR auch noch mit 1:3 gegen Kanada patzte.

Als die Squadra Azzurra in Heilbronn siegte

Wojeciech Honisch stieg 2005 mit dem TSB Horkheim aus der Regionalliga ab und wechselte nach Bietigheim.

Foto: Archiv/Veigel

2005: Es war ganz schön Feuer unterm Dach beim TSB Horkheim. Nach einer 29:33-Niederlage beim TV Hemsbach war am 17. April der Abstieg aus der Handball-Regionalliga besiegelt worden. Zwei Wochen später war die Aufarbeitung in vollem Gange. "Von einigen Spielern bin ich persönlich enttäuscht", sagte Michael Löbich im Stimme-Interview. Der für die erste Mannschaft zuständige TSB-Funktionär zählte auf: "Markus Bögner ist kein Führungsspieler. Marc Altmann war plötzlich 60 Prozent schlechter." Auch Torhüter Wojciech Honisch ("Wenn der nur die Hälfte der Einstellung hätte, die sein Vater mal hatte") bekam sein Fett weg. "Zum damaligen Zeitpunkt war die Kritik berechtigt", sagt Löbich heute schmunzelnd. "Als Sportlicher Leiter muss man das auch mal öffentlich sagen dürfen."

Als neuer Trainer mit dem Ziel direkter Wiederaufstieg wurde laut Stimme "ein mit allen Wassern gewaschener Mann" gefunden: Traian Dumitru. Der Rumäne verfehlte das Ziel in der Folgesaison knapp, erst unter Volker Blumenschein gelang 2008 die Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse.

 

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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