Als sich der VfB Eppingen gegen ein brasilianisches Topteam besser schlug als die Bayern

Sport  Blick zurück in die Kalenderwoche 24 der Jahre 1975, 1993 und 2013. Als Weltstars im Kraichgau gastierten, Vorfreude auf ein Intermezzo herrschte und es in Sachen DFB-Pokal eine Rolle rückwärts gab.

Email

Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen nahezu unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 24. Kalenderwoche vor 46, 28 und acht Jahren?

Weltstars zu Gast in Eppingen

1975: Zwei Tage vor dem Gastspiel im Kraichgau hatte Fluminense Rio de Janeiro in Paris gegen Sporting Lissabon mit 3:0 gewonnen. Kurz zuvor hatte Bayern München durch ein Eigentor (!) von Gerd Müller mit 0:1 in Rio verloren. Dem frisch gekürten nordbadischen Meister VfB Eppingen ging es am 21. Juni im heimischen Stadion daher lediglich darum, gegen die Top-Mannschaft um die Weltstars Carlos Alberto, Paulo Cesar und Roberto Rivelino nicht unterzugehen.

Doch davon konnte keine Rede sein, wie die Stimme-Schlagzeile vom 23. Juni verriet: "Der jüngste Coup des HSV-Killers Eppingen: 2:2 Remis gegen Fluminenses Ballzauberer". Knapp ein Jahr zuvor hatte der VfB sensationell den damaligen Bundesliga-Tabellenführer Hamburger SV aus dem DFB-Pokal geschmissen. Dieser Coup hatte sogar in Brasilien für Schlagzeilen gesorgt und der umtriebige zweite Vorsitzende des VfB, Wolfgang Düll, hatte es fertiggebracht, Fluminense für 15.000 US-Dollar in den Kraichgau zu lotsen. 

Die Südamerikaner taten sich vor 3500 Zuschauern gegen die kampfstarken Eppinger ähnlich schwer. "Worin die Gäste überlegen waren, das waren die Spielübersicht, der oft blitzschnelle Antritt und das teilweise blinde Zusammenspiel", schrieb Stimme-Autor Manfred Müller. Allerdings: "Wenn die Weltstars nur selten ihre fußballerische Trickkiste öffneten, so lag das bestimmt zum großen Teil daran, dass die VfB-Elf eine hervorragende kämpferische Leistung bot."

Weltmeister und Weltstar Paulo Cesar (re.) beim Gastspiel von Fluminense beim VfB Eppingen. Foto: Archiv/Krüger

Die wurde durch den späten Ausgleich belohnt. Arthur Wirth lupfte einen Freistoß zu Rudi Welz, der "mit einem herrlichen Schrägschuss" das 2:2 erzielte.

Die Brasilianer revanchierten sich knapp einen Monat später in Petropolis. Im Rahmen der Eppinger Saison-Abschlussreise kam es zum "wenig freundschaftlichen" Wiedersehen. Fluminense siegte mit 4:1, den einzigen Eppinger Treffer auf südamerikanischen Boden erzielte Ewald Pahr.

Die Feier des Horkheimer Aufstiegscoup

1993: Vor 28 Jahren gelang dem TSB Horkheim, was dem Verein anno 2021 misslang: der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Der triumphale 20:16-Sieg im Final-Rückspiel in Schwetzingen war zwar schon vier Wochen her. Doch zur offiziellen Meisterfeier im Autohaus Stadel warfen sich die Handballer mal richtig in Schale und feierten mit 450 Fans bei Freibier und -sekt. In offenen Cabrios rollten die Lokalhelden zu den Klängen von "We are the champions" ein", wie die HSt am 14. Juni berichtete. "Der Aufstieg war etwas so Außergewöhnliches, da mussten wir uns einfach auf diesem Weg noch einmal bei unseren Fans bedanken", sagte Abteilungsleiter Günter Schnarr.

Kurzer Rückblick: Der 13:12-Sieg im Final-Hinspiel schien eigentlich zu wenig, um beim favorisierten TV Schwetzingen zu bestehen. Eher trotzig als überzeugt äußerten sich hernach die Protagonisten. "Warum soll ich sauer sein, wir haben doch gewonnen", sagte Trainer Horst Keilwerth, räumte aber ein: "Es ist sicher nicht mein Wunschresultat."

Als der VfB Eppingen sich besser schlug als die Bayern

Die TSB-Spieler schauen zwar größtenteils drein, als ob sie abgestiegen seien, dabei feierten sie 1993 im Autohaus Stadel den Zweitliga-Aufstieg.

Foto: Archiv/Krüger

Das war eine Woche später ganz sicher auch nicht der zwischenzeitliche 7:11-Rückstand im Rückspiel, als zu Beginn der zweiten Hälfte der Aufstiegszug ohne die Horkheimer abzufahren schien. "Aber das Unmögliche trat doch noch ein: Die Unterländer legten im entscheidenden Moment noch einige Kohlen nach und feierten eine geradezu sensationelle Auferstehung", wie Stimme-Redakteur Uwe Ralf Heer schrieb.

Die Hoffnung, "in der 2. Liga eine gute Rolle zu spielen", wie sie Abteilungsleiter Schnarr äußerte, erfüllte sich jedoch nicht. Es blieb ein einjähriges und sehr teures Intermezzo in der TSB-Vereinsgeschichte.

Erst will Heilbronn nicht, dann doch

2013: Die regionale Sport-Woche war von einer Rolle rückwärts geprägt. Am 15. Juni titelte die HSt: "Kein DFB-Pokalspiel in Heilbronn." Die Neckarsulmer Sport-Union hatte sich sensationell für den prestigeträchtigen und finanziell lukrativen Wettbewerb qualifiziert und suchte noch ohne Kenntnis des Erstrunden-Gegners einen adäquaten Austragungsort. Vom großen Nachbarn gab es zunächst eine Abfuhr. "Die Tartanbahn wird ausgetauscht. Das Frankenstadion ist gesperrt", erklärte Bürgermeister Harry Mergel knapp. "Das passt ins schwache Bild der Sportstadt Heilbronn" kommentierte Stimme-Redakteur Florian Huber unter dem Titel "Chance verpasst".

Als der VfB Eppingen sich besser schlug als die Bayern
DFB-Pokal im Frankenstadion 2013: Plötzlich war es möglich. Foto: Archiv/Veigel

Ob es die klaren öffentlichen Worte waren, oder die Auslosung, die der Sport-Union am 16. Juni den 1. FC Kaiserslautern bescherte, in jedem Fall ging plötzlich doch, was fünf Tage zuvor noch kategorisch ausgeschlossen wurde. "Ein teuflischer Tag in Heilbronn - Neckarsulmer DFB-Pokalspiel gegen Kaiserslautern findet im Frankenstadion statt", titelte die HSt am 20. Juni.


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen