Alles ein bisschen anders bei den Gewichthebern

Gewichtheben  Der TSV Heinsheim startet in eine verkürzte Zweitliga-Saison. Der sportliche Wert ist gering, aber die Motivation hoch.

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Nach 14 Monaten Pause haben Robin Künzel und seine Zweitliga-Teamkollegen vom TSV Heinsheim am Samstag erstmal wieder einen Wettkampf.

Foto: Archiv/Klaus Krüger

Anders wird es sein. Gewöhnungsbedürftig. Nach 14 Monaten des Trainings starten die Gewichtheber des TSV Heinsheim diesen Samstag (20 Uhr) gegen den AC St. Ilgen in eine verkürzte Zweitliga-Saison. Im Frühjahr statt im Herbst. In leerer Halle. "Wir hätten ja Zuschauer gehabt", sagt Abteilungsleiterin Martina Dosquet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Standorten ist Heinsheim für sein begeistertes Publikum bekannt, in der Regel ist die Josef-Müller Halle immer voll, wenn der Stolz des Rappenauer Teilorts auf die Bühne tritt. Diesmal aber wird es ungewohnt ruhig.

Die Abteilungsleiterin als Hygienebeauftragte

Bis auf ein paar Ausnahmen wird kaum jemand in der Halle sein. "Nur Leute im Amt", sagt Dosquet, die zu der Auswahl gehört. Sie ist Hygienebeauftragte und sorgt dafür, dass die in einem Konzept vorgeschriebenen Vorgaben eingehalten werden. "Ich eigne mich hervorragend für diesen Posten, weil ich das Konzept ja geschrieben habe", sagt sie. Dokumentation, Einweisung, Umkleide-Zuteilung, Ablauf der Veranstaltung: Martina Dosquet ist das wachsame Auge des Duells. "Eine Rolle, mit der man sich unbeliebt macht", sagt sie. Immerhin: Durchführung und Kontrolle der Corona-Schnelltests erledigen alle in Eigenverantwortung.

Hantel muss nach jedem Versuch desinfiziert werden

Am Wettkampfort wäre das nicht gegangen. Bereits vor der Halle: unmöglich. In der Halle: eventuell zu spät. Im Fall eines positiven Ergebnisses wären schon Kontakte entstanden, was schnell Quarantäne bedeutet. Einen Wettkampf würde es auch nicht geben. "Das sollen alle mal schön zu Hause machen", sagt Martina Dosquet zu den Tests.

Auch ansonsten ist vieles anders. Beim Warmmachen hat jeder seine eigene Ausrüstung, beim Wettkampf selber aber muss die Hantel nach jedem einzelnen Versuch desinfiziert werden. Ein Riesenaufwand. Zudem wird es drei Pausen geben statt einer - nach jeder Gruppe wird gelüftet. In der Zeit machen sich die Athleten der jeweils anderen Gruppe in Ruhe und separat warm.

Es gibt keinen Aufsteiger und keinen Absteiger

Es ist anders. Es ist kompliziert. Und bei vier teilnehmenden Clubs in der Staffel freilich eine Runde ohne sportlichen Wert. Auf- und Absteiger wird es keine geben, es nehmen lange nicht alle Vereine teil. "Das ändert aber nichts an meiner Meinung, dass es eine gute Sache ist", sagt Dosquet. Es sei für die Athleten wichtig, dass es überhaupt wieder einen Wettkampf gebe "nach 14 Monaten des stupiden Vor-sich-Hintrainierens". So ist das Duell gegen den AC St. Ilgen für die Heber auch eine Standortbestimmung. "Das ist was anderes als Training", stellt die Abteilungsleiterin klar. Jeder Gewichtheber müsse sich erstmal herantasten an das derzeitige Maximum.

Kampf wird als Videostream übertragen

Formal geht es um nichts, trotzdem wollen die Kraichgauer gewinnen. Motivation könnte dabei ausgerechnet der Umstand sein, dass keine Zuschauer in der Halle zugelassen sind. Das Duell wird stattdessen per Stream von Sportdeutschland.tv übertragen - und bleibt im Internet lange abrufbar. "Und ich will mir in zehn Jahren nicht das Video von unserer Niederlage ansehen müssen", macht Dosquet klar.

Dafür müssen sich die von Alexander Dimitrov angeführten Heber aber strecken. Bei 530 Punkten müsste der TSV den Hochrechnungen zufolge landen. St. Ilgen bei 500. "Das könnte eng werden", sagt Dosquet, die mit den wenigen anderen in der Halle zumindest ein wenig für Stimmung sorgen will. Totenstille hat es schließlich noch nie gegeben. Wenigstens das soll so bleiben.

Livestream

sportdeutschland.tv/gewichtheben


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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