Alles auf Null: So ist die Lage im regionalen Sport

Sport  Der Ball ruht, die Sporthallen schließen: Der zweite Lockdown des Jahres trifft die Vereine hart. Fußballer unterbrechen ihre Saison sofort. Was Vereinsfunktionäre zu den drastischen Corona-Einschränkungen sagen.

Von unserer Sportredaktion
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Der Ball rollt schon am Wochenende nicht mehr. Die drei baden-württembergischen Fußballverbänden haben den Spielbetrieb eingestellt.

Foto: dpa

Der Corona-Teil-Lockdown trifft den Sport wieder mit voller Wucht und sorgt bei vielen Vereinen für große Sorgen. Wettkämpfe müssen abgesagt, der Spielbetrieb eingestellt werden. Zwar gibt es auch Verständnis für die drastischen Corona-Einschränkungen, aber Empörung und Verzweiflung sind groß.

Der Überblick nach Sportarten sortiert:

Fußball: Die drei baden-württembergischen Fußballverbände (Württemberg, Baden, Südbaden) haben am Donnerstag beschlossen, den gesamten Spielbetrieb von der Oberliga Baden-Württemberg abwärts mit sofortiger Wirkung auszusetzen und ein komplettes Spielverbot zu verhängen.

Die Entscheidung erfolgte bewusst bereits vor der rechtlichen Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse, die ab Montag, 2. November, in Kraft treten. "Wir haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Infektionsgefahr nach den uns vorliegenden Studien beim Fußballspielen im Freien als äußerst gering einzuschätzen ist. Risiken bestehen aber beim Zusammentreffen in Umkleidekabinen, in Duschräumen, bei der Bildung von Fahrgemeinschaften und auch dann, wenn sich Zuschauer nicht an Hygienevorgaben halten", teilt der Württembergische Fußballverband in einer Pressemeldung mit.

"Bei Abwägung aller relevanten Aspekte konnte bisher trotz dieser Risiken der Spielbetrieb im Amateurfußball aufrechterhalten und verantwortet werden, weil sich die Infektionszahlen zunächst in einem kontrollierbaren Rahmen gehalten haben. Zwischenzeitlich ist das Infektionsgeschehen aber zunehmend diffus und so dynamisch, dass auch vergleichsweise kleine Risiken vermieden werden müssen."

Ralf Bantel, der Vorsitzende des Bezirks Hohenlohe begrüßte die Entscheidung: "Ich finde es richtig, dass der Spieltag nicht mit aller Gewalt durchgezogen wird. Ich habe die Entscheidung erwartet und auch damit gerechnet." Auch für Ulrich Preßler kommt der Beschluss nicht überraschend. "Erst ab Montag den Laden dicht machen, oder schon für dieses Wochenende, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an", sagte der Vorsitzende des Fußballbezirks Unterland.

 

Ob der Spielbetrieb im Kalenderjahr 2020 wieder aufgenommen werden kann, ließ der WFV offen. "Vielleicht werden Ende November die Bestimmungen ja wieder gelockert, so dass wir im Dezember noch ein paar Spiele unterbringen können" äußerte Preßler eine minimale Hoffnung und ergänzte zugleich skeptisch: "Nach einer vierwöchigen Trainingspause kann man aber auch nicht gleich wieder in den Spielbetrieb einsteigen." Sinsheims Kreisvorsitzender Johannes Schinko sprach mit Blick auf einen neuen Rahmenterminplan von einer "Horroraufgabe". Er schlug vor, die Vorrunde noch zu Ende zu spielen und danach eine Auf- und Abstiegsrunde auszutragen. "Das müssten Verband und Vereine dann aber gemeinsam entscheiden", sagte er.

Marcel Busch, Trainer des Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union, zeigte Verständnis für die Entscheidung: "Die Verantwortlichen entscheiden im Interesse der Gesamtgesellschaft, daher kann ich das nachvollziehen", macht Busch deutlich. Als "völlig blauäugig" bezeichnet es Busch, in eine Saison mit 21 Mannschaften zu gehen und "zu sagen, wir kriegen 42 Spieltage ohne Probleme durch. Zu einem Zeitpunkt, als Corona noch nicht aus der Welt war, sondern sich die Lage nur ein wenig beruhigt hatte, aber jeder wusste, dass es wieder gefährlich werden kann."

 


Handball: In seiner Präsidiumssitzung Anfang dieser Woche hatte der Badische Handball-Verband entschieden, die Saison mit sofortiger Wirkung zu unterbrechen. Und zwar bis zum 31. Dezember. Grundlage sei "der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen" gewesen, teilte Präsident Peter Knapp mit. Der Handballverband Württemberg stellt den Spielbetrieb im Gegensatz dazu erst einmal nur bis zum 29. November ein. Eine Entscheidung über den weiteren Verlauf der Saison soll auf dem Verbandstag am 28. November erfolgen.

Tennis: Vergangenes Wochenende fand im Bezirk Franken-Neckar-Enz der erste Spieltag der Winterhallenrunde statt, schon ist wieder Pause. "Es gibt Wege, wie wir die Spiele verschieben können - wenn es bei vier Wochen Pause bleibt", sagt der Bezirksvorsitzende Hans-Joachim Seiz. Die für das übernächste Wochenende in Weinsberg geplanten Bezirksmeisterschaften bis zur U 12 müssten aber aus Termingründen schlichtweg ausfallen, erklärt der Funktionär aus Remseck. Das Ganze hat auch einen nicht zu unterschätzenden finanziellen Aspekt: Den Vereinen fehlen die Mieteinnahmen der Hallenplätze. "Das trifft die Vereine", sagt Hans-Joachim Seiz.

 


Volleyball: Für das Wochenende hat das Präsidium des württembergischen Landesverbandes beschlossen, dass noch Spiele stattfinden können. Ab einem Corona-Inzidenzwert am Ort der Gastgeber von 50 wird das Spiel auf Antrag eines beteiligten Vereins verlegt.


Basketball: Von diesem Montag an finden bis auf weiteres keine Spiele unterhalb der zweiten Ligen mehr statt. Der Deutsche Basketball Bund machte am Donnerstag in einer Mitteilung deutlich, dass unter den Bereich Profisport nur die Bundesliga, die Pro A und Pro B bei den Männern sowie die erste und zweite Liga bei den Frauen fallen. In allen anderen Ligen darf ab Montag nicht mehr gespielt werden. Die TSG Reds Heilbronn stellte den kompletten Trainingsbetrieb umgehend ein und teilte in den sozialen Medien mit: "Viel Arbeit, Zeit, Leidenschaft und Geld haben wir die letzten Monate in unser Hygienekonzept gesteckt. Es war eine spannende Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und wir sind stolz auf das, was wir als Amateurverein geschafft haben."


Tischtennis: Auch im Tischtennis stehen die Zeichen auf Pause. Die Frage ist nur noch, ob sofort oder erst ab Montag. "Sämtliche Verbands-Punktspiele in Tischtennis Baden-Württemberg sind abgesetzt und die Saison unterbrochen", teilt Thomas Walter als Geschäftsführer von Tischtennis Baden-Württemberg mit, dem Zusammenschluss aus Württemberg und Südbaden. Für Donnerstagabend wurde kurzfristig eine Video-Konferenz des Präsidiums anberaumt. Kernfragen dabei: Bis wann wird die Saison unterbrochen und finden an diesem Wochenende noch Spiele statt? Eine Entscheidung wird am Freitagvormittag kommuniziert. Die ersten Landesverbände haben bereits angekündigt, nur eine einfache Runde zu spielen. Sprich: Aus Hin- und Rückrunde wird nur eine Halbserie für die Saison 20/21.

 

 


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