Alles auf Anfang nach Halbfinal-Hinspiel der Rieen Ludwigsburg

Basketball  Nach dem 71:71 im Halbfinal-Hinspiel ist im Rückspiel zwischen Ludwigsburg und Ulm am Dienstag alles möglich. Der Finaleinzug wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

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Die Riesen Ludwigsburg um Jonas Wohlfarth-Bottermann strecken sich kräftig. Das Halbfinale gegen Ulm ist nach dem Hinspiel noch vollkommen offen.

Foto: dpa

Die Abenteuer-Reise der Riesen Ludwigsburg geht beim Final-Turnier der Basketball-Bundesliga in München weiter. Entweder bis Dienstagabend oder bis zum Final-Rückspiel am Sonntag. Schon jetzt hat die Mannschaft Großes vollbracht. Nach 1992, 2007 und 2018 stehen die Ludwigsburger zum vierten Mal in ihrer Historie im Playoff-Halbfinale. Mit dem Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft könnte das Team um Trainer John Patrick nun Historisches schaffen, den größten Erfolg der Clubgeschichte realisieren.

Ein Sieg ist für den Finaleinzug nötig

Doch dafür braucht es im Rückspiel gegen Ratiopharm Ulm am Dienstagabend (20.30 Uhr/Sport1 und Magentasport) einen Sieg. Das Hinspiel endete gestern nach großem Kampf 71:71. Für den Basketball ein kurioses Ergebnis, denn normalerweise wird immer ein Sieger ermittelt.

Das bis dahin letzte Unentschieden in einem Playoff-Spiel gab es 1975. Bedingt wird dies durch den wegen der Corona-Pandemie neu erdachten Modus in dieser Saison, bei dem die Playoffs nicht in einer Serie, sondern per Hin- und Rückspiel ausgetragen werden.

Es sei "ugly" gewesen, sagte Patrick über die Partie. Hässlich also. "Wir können besser spielen", fügte er hinzu. So war die Partie weniger hochklassig als umkämpft. "Es war mehr wie Football oder Rugby", gab Ulms Derek Willis bei Magentasport zu Protokoll. Kein Ball wurde hergeschenkt, viele Würfe fanden aber nicht ihr Ziel. "Beide Mannschaften waren vielleicht ein bisschen müde und übermotiviert", sagte Patrick. "Aber es war ein super Kampf. Ulm hat super hart gespielt, vielleicht sogar härter als wir. Vielleicht waren die frischer."

Ludwigsburg musste bisher immer ans körperliche Limit gehen

Die Ludwigsburger hatten im gesamten Turnierverlauf keine einfachen Spiele, mussten immer ans körperliche Limit gehen, um zu gewinnen. Und das nicht erst im Viertelfinale gegen den Titelverteidiger Bayern München. Da gab es keine Zeit zum Ausruhen. Ulm marschierte dagegen scheinbar locker ins Halbfinale, konnte im Viertelfinal-Rückspiel gegen Frankfurt (96:69) nach dem 101:61-Erfolg in der ersten Partie etwas kraftschonender spielen.

Zu Beginn machten aber die Ludwigsburger den wacheren Eindruck. "Wir haben langsam angefangen, mit zu viel Respekt vor dem starken Ludwigsburger Team", sagte Ulms Trainer Jaka Lakovic. Insgesamt sah er ein "solides Spiel" seiner Mannschaft, die Marcos Knight (24 Punkte/11 Rebounds) und Nick Weiler-Babb (21 Punkte) nicht in den Griff bekam. Ulms eifrigster Punktesammler war Willis (19).

Ludwigsburg setzte sich im ersten Viertel gar auf 17:7 ab, ehe es mit einem Zwischenstand von 21:14 in die erste Pause ging. Im zweiten Viertel war der Rhythmus der Riesen allerdings weg. Die Würfe fanden nur noch selten ins Ziel, die Struktur im Offensivspiel fehlte. Ulm glich aus (25:25). Bis zur Halbzeit blieb es dann ausgeglichen. Mit einer knappen Führung gingen die Riesen beim Stand von 36:34 in die Kabine.

Ulm startet fokussierter in zweite Halbzeit

Zu Beginn der zweiten Halbzeit machte Ulm den fokussierteren Eindruck und zog auf 56:50 davon. Ludwigsburg verkürzte noch auf 52:56. In den letzten zehn Minuten ging der Schlagabtausch munter, aber zerfahren weiter. Beim 66:59 hatte Ulm alle Vorteile auf seiner Seite. Doch wie auch im Viertelfinale kämpften sich die Riesen zurück. "Wir geben nie auf", sagte Knight. Beim 69:68 führte seine Mannschaft wieder. Ulm schlug zurück - 69:71, Ludwigsburg glich aus zum 71:71-Endstand.

"Es sind Playoffs, alles ist Kopfsache jetzt", hatte Patrick schon vor der Partie gesagt. "Wir sind im Kriegmodus für die Playoffs." Und darin muss seine Mannschaft bis Dienstag bleiben: "Ich erwarte wieder ein intensives Kampfspiel. Hoffentlich mit mehr Struktur bei uns." Knight meinte: "Wir fangen wieder bei null an."

Er steht bei Ulm besonders im Fokus: "Im Rückspiel müssen wir mehr zu unserem Spiel finden. Und wir müssen Marcos Knight in den Griff kriegen", sagte Willis.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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