Aaron Kowatsch aus Stetten ist deutscher Meister

Motorsport  Der 14-Jährige vereint Talent und Ehrgeiz. Mit einem Video hat im August 2014 alles angefangen.

Von Peter Mayer
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Im Höhenflug: Aaron Kowatsch hat sich in Jauer bei Dresden in der 85 ccm-Klasse seinen ersten Titel bei deutschen Meisterschaften geschnappt.

Fotos: Detlef Meier

Youtube war schuld. Konkret war es ein Video von Motocross-Superstar Ken Roczen, das eines Tages auf dem Bildschirm des Familien-PC der Familie Kowatsch aufploppte. "Ich war sofort begeistert und wusste, dass Motocross auch mein Sport werden sollte", erinnert sich Aaron Kowatsch an den Abend im August 2014. Zwei Monate später saß der damals Siebenjährige zum ersten Mal auf einem Kindermotorrad. Seitdem hat ihn die Faszination, die er für diesen Sport empfindet, nicht mehr losgelassen. Dass sich der Youngster aus Schwaigern-Stetten zu einem der erfolgreichsten Piloten des deutschen Motocross-Nachwuchses entwickeln sollte, hatte damals wohl niemand geahnt.

Seit dem vergangenen Wochenende kann dies der 14-Jährige sogar schwarz auf weiß bestätigen: Beim Finale zu der für Fahrer zwischen 14 und 16 Jahren ausgeschriebenen deutschen Jugend-Motocross-Meisterschaft (85 ccm-Klasse) sicherte sich Aaron Kowatsch in Jauer bei Dresden seinen ersten DM-Titel. In überzeugender Weise. Sieben von acht Laufsiege gingen bei den vier DM-Veranstaltungen auf das Konto des Stettener Junior-Offroaders.

Achtklässler der Leintal-Realschule in Schwaigern

Aaron Kowatsch aus Stetten ist deutscher Meister

In den acht DM-Läufen war der Realschüler sieben Mal der Schnellste.

Dass der Achtklässler der Leintal-Realschule in Schwaigern das Potenzial zu Höherem besitzt, hatte sich angedeutet. Zwei Gesamtsiege im populärsten deutschen Nachwuchswettbewerb, den so genannten Cross-Finals und zwei zweite Plätze bei deutschen Meisterschaften in der 65-ccm-Jugendklasse dokumentierten bereits das Talent und den Ehrgeiz des Teenagers. "Manchmal steht ihm sein Ehrgeiz allerdings auch im Weg. Bei manchen Rennen wäre es vernünftiger, zurückzustecken", kritisiert Peter Kowatsch die gelegentlich überzogenen Ambitionen des Sohnemanns. "Taktisch ein Rennen nach Hause zu fahren, ist noch sehr schwierig für Aaron. Er übernimmt sich manchmal und stürzt."

Lockerlassen scheint ohnehin nicht das Ding des jungen Rennfahrers zu sein. "Ich habe drei Mal pro Woche Mittagschule. Ich kann also unter der Woche nicht mit dem Motorrad trainieren. Doch versuche ich das eben mit viel Fitnesstraining auszugleichen", erklärt Aaron Kowatsch. Und meint es auch so. Neben den beiden wöchentlichen Trainingsessions in einem Fitnessstudio in Massenbachhausen joggt er "jeden zweiten Tag etwa 20 Kilometer".

Die 30 PS starke KTM zerrt gewaltig an den Armen

Aaron Kowatsch aus Stetten ist deutscher Meister

Joggt jeden zweiten Tag etwa 20 Kilometer: Aaron Kowatsch.

Auch weil der Aufstieg von der 65-ccm- in die 85-ccm-Klasse konditionell höhere Ansprüche stellt. Die rund 30 PS der KTM 85 SX zerren auf den fahrerisch ohnehin herausfordernden Motocross-Strecken nämlich gewaltig an den Armen. Erst recht, wenn das Fahrtraining fast ausschließlich an den freien Wochenenden oder in den Ferien stattfinden kann. Dann allerdings unter fachkundiger Anleitung.

Als Mitglied im Förderkader des ADAC Hessen-Thüringen wird Aaron Kowatsch von Trainer und Ex-Proficrosser Collin Dugmore betreut. Während der Winterpause sogar mit Trainings-Aufenthalten in Spanien und Italien. Rund 30 000 Kilometer spult die Familie Kowatsch für die Ambitionen ihres Sohns pro Saison ab. Und es dürften nicht weniger werden. Nach der geplanten Titelverteidigung im nächsten Jahr will Aaron Kowatsch in der Saison 2023 auch in internationalen Serien antreten. So wie Ken Roczen. Der fährt übrigens mittlerweile als Honda-Werkspilot in den USA.

 

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