Wie Sportler das Coronavirus bekämpfen würden

Region  Mit der Leichtigkeit des Sports, ein humorvoller Blick auf die derzeit schwierige globale Lage. Wie lässt sich dieser kleine und gefährliche Gegner mit Namen Coronavirus bezwingen? Wie lauten die Taktiktricks der verschiedenen Sportarten?

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Slawa Spomer (27), Profiboxer im Mittelgewicht:

"Ich würde jede Taktik über Bord werfen und sofort aggressiv auf den Knockout gehen. Bei so einem Gegner darf es keine Gnade geben. Natürlich besteht dabei das Risiko, womöglich selbst schwer getroffen zu werden, aber da würde ich nach dem Motto vorgehen: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Sollte es unfair werden und mich mit Tiefschlägen oder Kopfstößen attackieren, hoffe ich mal, dass der Ringrichter auf meiner Seite ist und es disqualifiziert. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Lust hätte ich, sofort in den Ring zu steigen und das Virus fertigzumachen."

Reiner Arpogaus (53), Abteilungsleiter des TSV Erlenbach:

"Selbst der gefährlichste Gegner kann ins Abseits gestellt werden. Läuft er uns im ersten Drittel aggressiv an, überspielen wir dessen Pressing-Maschinerie mit hohen Bällen und versuchen vorne den Wandspieler zu suchen, der Ruhe ins Offensivspiel bringt - zur Not in den eigenen vier Wänden. Lässt die Kraft des FC Virus nach, können wir uns wieder dem Spielaufbau von Mann zu Mann widmen. Virtuelle Kabinenfeste halten so lange den Teamgeist hoch. Wie sagte unser früherer Trainer Otto Frey immer über den nächsten Gegner: Angst haben wir nicht, aber Respekt ."

Felix Knoll (33), ehemaliger Spielmacher des Drittligisten TSB Horkheim:

"Ich bin ja selbst ein eher kleiner und unscheinbarer Spieler gewesen und habe daher lieber gegen offensivere Deckungen gespielt als gegen sechs Hünen am Kreis. Allerdings wäre eine 3:2:1-Abwehr besser, um die Mindestabstände zu wahren. Ganz körperlos lässt sich Handball aber nicht spielen. Daher würde ich versuchen, das Virus verbal zu reizen, damit es sich wenigstens mal eine Zwei-Minuten-Strafe einfängt und aussetzen muss. Gelingt das drei Mal, ist es ohnehin raus aus dem Spiel. Mit der Aufgabe würde ich den Ersatztorhüter betrauen, der ist am ehesten verzichtbar."

Michael Berrer (39), ehemaliger Davis-Cup-Spieler und Rekordsieger der Heilbronn Open:

"Normalerweise legt man sich einen Gameplan zurecht. Da man nicht viel über diesen Gegner weiß, muss man ihn eine Zeit lang beobachten, seine Stärken und Schwächen analysieren. Der größte Fehler ist, hektisch zu reagieren, ans Netz zu stürmen und die Punkte kurz zu halten - das ist das, was das Virus will. Es gibt zwei Möglichkeiten: Man bleibt geduldig, lässt den Gegner auch mal kommen, arbeitet die Punkte aus. Aber: Man darf nicht zu lange passiv sein; irgendwann muss man wieder in die Offensive. Möglichkeit zwei: Man geht aggressiv vor, gibt dem Virus keinen Rhythmus. Experten merken schnell, wann es schlau ist, die Konfrontation zu suchen."

Jens Petzold (53), Abteilungsleiter der Bundesliga-Ringer Red Devils Heilbronn:

"Diesen kleinen und giftigen Gegner darf man nicht mit Samthandschuhen anfassen, da bedarf es effektivere Maßnahmen. Ringen ist ja eine sehr körperkontaktbetonte Sportart. Doch gerade den ungeschützten und direkten Kontakt gilt es ja zu vermeiden. Daher werden wir unsere Athleten in das Kostüm des Red-Devils-Maskottchens Ringo stecken. Durch diesen Schutz-Anzug geht auch nicht das kleinste Tröpfchen. So gilt es nur noch, das Virus kräftig aufs Kreuz zu legen. Hinterher kommt unser Mattendienst zum Einsatz, der in Sachen Desinfektionsmaßnahmen seit Jahren bestens ausgebildet ist. Wisch und weg, das war's."

Julian Mohr (25), Zweitligaspieler bei der Neckarsulmer Sport-Union:

"Gegen diesen Gegner hilft nur eins: völlige Passivität. Wir alle brauchen ja jetzt gute Abwehrkräfte. Wir haben einen in unserer Mannschaft. Das ist die große Stunde der Abwehrspieler wie Florian Bluhm. Meine Spieltaktik lautet: Ja nicht zu viel bewegen. Ruhe bewahren. Keine hohen Bälle übers Netz spielen. Es ist wichtig, die (Flug-)Kurve abzuflachen, das hört man ja gerade überall. Dieses Virus erinnert beim Aussehen ja ein bisschen an einen Tischtennisball. Bei eigenem Matchball kommt der zerstörerische Schmetterball zum Sieg geflogen."

Christopher Noe (23), Zweitligaspieler des SC Eppingen:

"Ich würde auf Opfer verzichten und vorsichtig anfangen: mit dem Springer. Er kann die Luft erkunden, sich im Zweifel aber zurückziehen. Als nächstes ein Fianchetto. Das heißt, den Bauer aus B3 und den Läufer ein Feld dahinter. Das ist nur schwer aufzubrechen. Danach erst würde ich meine Bauern ziehen und viele Figuren abtauschen. Das schafft mehr Platz, minimiert die Ansteckungsgefahr. Ziel ist, die ungleichfarbigen Läufer übrig zu haben. Das ist zwar nur ein Remis. Das Virus aber wäre schachmatt, weil es mich nicht mehr erreichen und sich nicht ausbreiten kann."

Mark Kuhlmann (50), Trainer des Rugby-Erstligisten TSV Handschuhsheim und früherer Nationaltrainer:

"Ich habe in meiner Karriere mit vielen kleinen fiesen Gegenspielern zu tun gehabt. Das Problem ist ja, dass diese Typen den fairen, offenen Kampf scheuen. Insofern sind sie in unserer Sportart ja schon per se Fehl am Platze. Eine großartige Taktik zur Bekämpfung braucht es da nicht. Wie immer im Rugby ist letztlich Teamarbeit gefragt. Alle zusammen müssen den Gegner auf dem Feld isolieren und dann final zerquetschen. Und zwar so, dass er möglichst nicht mehr aufsteht, sondern seine Karriere sofort beendet."


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Alexander Bertok

Alexander Bertok

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Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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