Warum die Haller Unicorns zu den besten Football-Teams in Deutschland gehören

American Football  Die Schwäbisch Hall Unicorns sind dreimaliger deutscher Meister im American Football. Klar, dass sie auch dieses Jahr in den Playoffs stehen. Warum ist gerade eine Mannschaft aus Hohenlohe so erfolgreich?

Von Tobias Wieland

Wie das Einhorn zur Nummer eins wurde

Football vor vollen Rängen: Das Rundenspiel gegen die Munich Cowboys verfolgen mehr als 2000 Zuschauer. Diese Marke wird wohl auch beim Playoff-Auftakt geknackt. Fotos: Unicorns/Löffler

Foto: Unicorns/Löffler

Schwäbisch Hall ist bekannt. Für die Bausparkasse. Für die Freilichtspiele auf der großen Treppe. Für die Kunsthalle Würth. Und dann gibt es da noch eine Sportart, in der Schwäbisch Hall bundesweit für Furore sorgt: American Football.

Drei Mal wurden die Haller Unicorns Deutscher Meister, neun Mal süddeutscher Meister. Diese Titel sammelten die Männer in Grün allesamt in den vergangenen zehn Jahren. Da ist es kaum verwunderlich, dass sie auch in dieser Saison in den Playoffs stehen. Wie kommt es, dass sich die Sportart gerade in der 40.000-Einwohner-Stadt in Hohenlohe so fulminant entwickelt hat?

Kontinuität spielt eine wichtige Rolle

Wer darauf eine Antwort sucht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Gehrke. Siegfried Gehrke hat die Gründung einer Football-Mannschaft in Hall 1983 initiiert, "zusammen mit vier, fünf anderen Abiturienten hatten wir diese Schnapsidee", erzählt er heute schmunzelnd.

Mitstreiter aus der Anfangszeit sind noch heute in Führungspositionen vertreten, allen voran Gehrke, der in Hall wie kein anderer für Football steht - inzwischen als Sportdirektor, davor mehr als zwei Jahrzehnte als Cheftrainer. Eine solche Beständigkeit ist ungewöhnlich.

"Kontinuität ist auf jeden Fall hilfreich", sagt Gehrke zum Thema Erfolgsfaktoren. "Durch viele Wechsel in der Vereinsführung oder im Coaching fängt man oft bei null an." Beständigkeit darf aber nicht Stillstand bedeuten. Schon früh setzen die Hohenloher deshalb auf die Ausbildung - nicht nur von Spielern.

Jugendspieler zieht es nach Hall

Jordan Neuman (mit Kopfhörer und Notizen in der Hand) hat die Nachfolge vom langjährigen Unicorns-Cheftrainer Siegfried Gehrke angetreten. Zuvor hatten die Haller Neuman jahrelang aufgebaut. Die Philosophie ist identisch. Deshalb hat uns "selbst ein Trainerwechsel nicht zurückgeworfen", sagt Stadionsprecher Axel Streich.

Auch Trainer, davon braucht es im Football einige pro Mannschaft, werden intern aufgebaut. Das funktioniert so gut, dass heute "selbst Jugendspieler von außerhalb nach Hall kommen, weil sie sagen, dass sie hier die beste Ausbildung in Süddeutschland bekommen", sagt Axel Streich. Der Stadionsprecher gehört ebenfalls zu denen, die seit mehr als 30 Jahren dabei sind.

Dass die Unicorns, zu deutsch Einhörner, mal eine solche Strahlkraft haben würden, ist in der Gründungszeit nicht abzusehen. Bis Anfang der 1990er Jahre sind US-amerikanische Soldaten in der Kocherstadt stationiert, ein Glücksfall für die Football-Neulinge. Das Training findet zunächst auf dem Platz der Amerikaner in den Dolan Barracks statt.

"Im ersten Jahrzehnt waren sie als Spieler und Trainer unverzichtbar für uns", sagt Gehrke. Und Streich ergänzt: "Mit amerikanischem Pass warst du damals automatisch der beste Spieler, immerhin hattest du Football-Erfahrung."

Amerikanische Spieler sind Angestellte

Heute, als dreimaliger deutscher Meister, setzt sich der Kader anders zusammen. Die Spieler aus den Staaten werden so ausgewählt, dass sie das Stammaufgebot aus heimischen Akteuren möglichst perfekt vervollständigen. So mancher Importspieler läuft mehrere Jahre für die Unicorns auf. Das ist nicht alltäglich.

Die deutschen Spieler sind übrigens Amateure, während die amerikanischen Angestellte des Vereins sind, berichtet Alexander Koppenhöfer. Er kümmert sich bei den Unicorns um das Thema Sponsoring. "Unser Etat dürfte sich in diesem Jahr bei 500.000 Euro einpendeln", sagt Koppenhöfer. Das ist in etwa so viel wie bei einem Oberligisten im Fußball.

An erster Stelle in Sachen Etat stehen die Hohenloher damit nicht. Beim Dauerrivalen aus Braunschweig etwa, so heißt es, ist der Etat gut doppelt so hoch. Neuzugänge lockt also noch etwas anderes an: "Football ist in Hall die klare Nummer eins", sagt Tim Stadelmayr. "In Braunschweig oder Frankfurt hat man das so nicht." Der Kicker der Mannschaft, der aus Künzelsau stammt, spielt damit auf den familiären Zusammenhalt an: zwischen Team, Helfern und Fans, die sogenannte "Unicorns-Familie".

Umbau des Stadions an der Auwiese

"Jetzt gibt es eine Spielstätte mit richtiger Stadionatmosphäre", sagt Oberbürgermeister Pelgrim zum umgebauten Stadion.

Rund 2000 Zuschauer besuchen die Heimspiele im Optima Sportpark. Das freut den Finanzverantwortlichen - und auch den Oberbürgermeister. "Da muss man hier länger nach einer Fußballliga suchen, in der diese Besucherzahlen kommen", sagt Hermann-Josef Pelgrim. Die Stadt hat mit dem Umbau des alten Stadions an der Auwiese, in dem früher nur die Fußballer der Sportfreunde kickten, ihren Teil beigetragen. Die Unicorns spielten zuvor im Hagenbachstadion, im Grunde ein Schulsportplatz mit viel Beton drumherum.

Heute laufen Fuß- und Footballer in derselben Spielstätte auf: mit überdachten Sitzplätzen, Spielertunnel und mit Fans, die nah am Geschehen dran sind.

Die Stadtverwaltung wird noch etwas tun: den Rathausbalkon für den 15. Oktober reservieren. Das ist der Montag nach dem Finale um die deutsche Meisterschaft. Nicht auszuschließen, dass die Unicorns dann ihren nächsten Meistertitel feiern werden.


Viertelfinale steht an

Nach dem Meistertitel im Vorjahr sind die Unicorns heuer erneut auf Erfolgskurs. In der Vorrunde der German Football League, die in einer Süd- und einer Nordstaffel ausgespielt wird, haben die Hohenloher nicht einen Punkt abgegeben. Nun steht das Playoff-Viertelfinale an: Am Samstag kommen die Crocodiles aus Köln in den heimischen Optima Sportpark. Spielbeginn ist um 17 Uhr. Die Unicorns treten - nicht zuletzt wegen der langen Siegesserie - als Favorit an. 


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