VfB-Traditionsmannschaft schlägt Heilbronn Allstars mit 8:3

Fußball  Die Allstars des VfB Stuttgart spielten am Freitag im Frankenstadion gegen eine Heilbronner Traditionself, es ging um den guten Zweck.

Von Andreas Öhlschläger
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Die Kapitäne Guido Buchwald (li.) und Harry Mergel führten ihre Teams gemeinsam mit den Einlaufkindern auf den Platz.

Es zwickt. Und zwackt. Hier und da und dort. Knie. Hüfte. Bandscheiben. „Ich bleibe erstmal auf der Bank“, sagt der Mann mit der Nummer zehn auf dem Rücken. Der rote Brustring auf dem Trikot wölbt sich ein bisschen. Aber das ist in Ordnung, Hansi Müller spielt schließlich für die Traditionsmannschaft des VfB Stuttgart.

Der „schöne Hansi“, einst von Teenies umschwärmter Spielmacher, Titelfigur des Jugendmagazins „Bravo“, ist inzwischen 61 Jahre alt. 1980 wurde er Europameister, 1982 Vizeweltmeister. Jetzt schaut er im Heilbronner Frankenstadion zu, was die Jüngeren machen. Kevin Kuranyi zum Beispiel oder Silvio Meißner, die fleißig für Tore sorgen.

Wenig zu melden

Sie gewinnen locker, die VfB-Legenden. Ganz große wie Guido Buchwald sind dabei, aber auch kleinere. Die Allstars aus Heilbronn, ein Sammelsurium früherer Fußballer des VfR Heilbronn und von Union Böckingen, haben wenig zu melden. Auch Oberbürgermeister Harry Mergel kann nichts Entscheidendes bewirken.
Aber darum geht es auch nicht. Es ist ein Benefizspiel für den guten Zweck. Der Erlös wird der Stiftung „Große Hilfe für kleine Helden“ der Heilbronner Kinderklink zugute kommen.

Karlheinz Förster ist im Frankenstadion als VfB-Trainer dabei. Er war Profi, als Innenverteidiger im Weltfußball noch nicht als möglichst elegant agierende erste Aufbauspieler angesehen wurden, sondern kantige, kompromisslose Manndecker waren. Der gebürtige Mosbacher war damals der Beste unter allen Vorstoppern. Die Nummer 4 schlechthin, beim VfB, mit dem er 1984 deutscher Meister wurde, und in der Nationalmannschaft. Mit der DFB-Elf wurde Förster 1980 Europameister sowie 1982 und 1986 Vizeweltmeister.

Seiner Gesundheit ist die körperliche Härte gegen sich selbst und gegen die gegnerischen Mittelstürmer nicht gut bekommen. Ein Fußgelenk ist versteift. Kicken geht nicht mehr.

Auch Guido Buchwald war mal Vorstopper. Auch er wurde im Trikot des VfB Stuttgart deutscher Meister, sogar zwei Mal, 1984 und 1992. Buchwald hat zudem geschafft, was Förster knapp verpasste, er wurde Weltmeister, das war 1990.

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Technische Finesse

Buchwald war damals Stammspieler im DFB-Team, allerdings im defensiven Mittelfeld. Seinen Spitznamen „Diego“ verdankt er nicht der famosen Leistung im WM-Finale gegen Argentiniens Superstar Diego Maradona; Mitspieler Klaus Augenthaler hatte ihn schon zuvor so genannt, überrascht von Buchwalds technischer Finesse. Im Frankenstadion ist der „Diego“ vor allem körperkontaktlos unterwegs, so wie fast alle. Als es in der zweiten Halbzeit stürmisch wird, ist es der Gewitterwind, der durchs Stadion bläst, nicht die stürmische Dynamik der Spieler.

VfB Stuttgart: Michael Bochtler, Guido Buchwald, Bernd Förster, Achim Glückler, Jürgen Hartmann, Milan Jurkovic, Marijan Kovacevic, Kevin Kuranyi, Viktor Lopes, Felix Luz, Roland Mall, Silvio Meißner, Hansi Müller, Peter Reichert, Jörg Wolff, Rainer Zietsch. Trainer: Karlheinz Förster

Heilbronn Allstars: Marjan Petkovic, Sinan Korkar, Jürgen Rapolder, Oliver Steinmetz, Oliver Walla, Marc Oberndörfer, Jürgen Schmidt, Dirk Wengert, Marijo Maric, Harry Mergel, Jochen Heisig, Rüdiger Rehm, Marco Fackler, Günter Geiger, Marcus Tautz, Markus Junker, Jens Rassweiler. Trainer: Günter Major.

Tore: 0:1 Meißner, 1:1 M. Maric, 1:2 Kuranyi (Elfmeter), 1:3 Meißner, 1:4 Kuranyi, 1:5 Meißner, 1:6 Meißner (Halbzeitstand), 1:7 Luz, 2:7 Fackler, 2:8 Kuranyi, 3:8 Schmid

 

Das war vor 18 Jahren

Nur ein paar Hundert Zuschauer waren beim Spaßkick, eine Enttäuschung für die Organisatoren. Richtig gut besuchte Punktspiele eines Heilbronner Fußballteams gibt es im Frankenstadion schon lange nicht mehr. Fast auf den Tag genau 18 Jahre vor dem Freitagabend-Benefizspiel, am 9. Juni 2001, empfing der VfR Heilbronn in der damals viertklassigen Oberliga die TSG Hoffenheim. Es war das Duell Dritter gegen Erster. 3200 Zuschauer waren da. Der VfR verlor mit 0:3, der Meister vom Dorf triumphierte. In der Saison darauf begann die rasante Talfahrt, die zum Verschwinden des Heilbronner Traditionsvereins führte. Die Hoffenheimer schafften es hingegen in die Bundesliga und 2018 sogar in die Champions League. 


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