Sport-Schätze aus dem Zeitungsarchiv

Sport  Was war sportlich los in der Welt und der Region vor zehn, 25 und 50 Jahren? Die Schatzsuche in den Tiefen des Zeitungsarchivs fördert Interessantes, Bewegendes und Kurioses zutage. Auch ein nervöses Trainerdebüt im Heilbronner Frankenstadion spielt dabei eine Rolle.

Email

Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich mach historisches Schätzchen. Was bestimmte also das Sportgeschehen in der 16. Kalenderwoche vor zehn, vor 25 und vor 50 Jahren?

 

1995: Gründonnerstag, 13. April. Im Westfalenstadion ereignet sich Historisches. In der 76. Minute des Bundesligaspiels zwischen Borussia Dortmund und dem Karlsruher SC verübt Andreas Möller die später zur "Mutter aller Schwalben" deklarierte Unsportlichkeit. Ohne von KSC-Verteidiger Dirk Schuster auch nur berührt worden zu sein, sinkt der Nationalspieler spektakulär zu Boden. Schiedsrichter Günther Habermann pfeift Elfmeter. Michael Zorc trifft zum 1:1, Matthias Sammer kurz vor Schluss zum wichtigen 2:1-Sieg im Titelrennen.

Die Stimme titelte am 15. April: "Nach Möllers Schwalbe flippte Winni Schäfer aus". Tatsächlich nahm der Heißsporn auf der KSC-Bank kein Blatt vor den Mund: "Als ich vom Platz kam, haben fünf, sechs Jahre alte Kinder meinen Spielern und mir den Stinkefinger gezeigt. Das ist das Produkt von Andy Möller." Der wilde Winni und der BVB-Mittelfeldstratege waren sich schon seit Jahren in inniger Abneigung verbunden. Daher wunderte es nicht, dass Möller offenherzig gestand: "Vielleicht wäre ich in einem anderen Spiel zum Schiri gegangen und hätte gesagt, es war kein Elfer. Aber bei dem Trainer nicht."

Das DFB-Sportgericht verurteilte Möller für die Schwalbe im Nachhinein zu zwei Spielen Sperre und zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 D-Mark. Der Imageschaden für Möller war um ein Vielfaches größer.

Fünf Tage nach dem KSC-Spiel folgte das Halbfinal-Aus im Uefa-Pokal gegen Juventus Turin, Möllers Ex-Club. Am Tag des Spiels hatte der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, das Sportgerichtsverfahren angekündigt. "Das hat die Mannschaft geschockt", ärgerte sich BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld.


Premiere als Cheftrainer an der Seitenlinie: Rüdiger Rehm im April 2010 im Frankenstadion.

Foto: Archiv/Veigel

2010: Am Mittwoch, 14. April, entließ Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach völlig überraschend Cheftrainer Jürgen Hartmann. Plötzlich war der spielende Co Rüdiger Rehm der Chef an der Seitenlinie. Die erste Amtshandlung des neuen Trainers, wie er im Stimme-Interview am 18. April verriet: "Den Schwachpunkt im defensiven Mittelfeld eliminieren." Gemeint war der Spieler Rehm, denn in der Regionalliga sind keine Spielertrainer erlaubt. Die Maßnahme griff. Im ersten Spiel gelang ein 2:0-Sieg gegen 1860 München II. Sogar noch in Rehms Fußballwiege, denn Großaspach trug in der Saison seine Heimspiele im Heilbronner Frankenstadion aus.

Kein Wunder, dass Rehm extrem nervös war, wie er nach dem Spiel verriet: "In der Stunde vor Spielbeginn habe ich drei Tassen Kaffee getrunken. Eigentlich hätte ich einen Schnaps gebraucht." Auch ohne Hartsprit wurde an diesem Tag der Grundstein einer Trainerkarriere gelegt, der Rehm bis in die 2. Bundesliga geführt hat.


1970: Zwei Motorsportereignisse dominierten den Sportteil vor 50 Jahren. Das Jim-Clark-Gedächtnisrennen der Formel 2 lockte am 12. April mehr als 100.000 Zuschauer an den Hockenheimring. Der zweimalige Formel-1-Weltmeister war zwei Jahre zuvor an gleicher Stelle tödlich verunglückt. In einem sportlich bedeutungslosen Formel-2-Rennen, an dem er nur aus Werbegründen teilgenommen hatte. Kein Wunder, dass die Stimme die "neu eingebauten Doppelleitplanken" betonte, die bei einem Trainingsunfall "ihre Bewährungsprobe bestanden hatten."

Seine Schatten voraus warf bereits die "Heilbronner Motorcross-Premiere", wie die Stimme am 15. April titelte. Der Heilbronner Motorsportclub veranstaltete "im Tal der oberen Ölmühle zwischen Gronau und Prevorst" das erste Rennen in der Region. Ärgerlich für den Veranstalter um Rennleiter Siegfried Marx war nur, dass der Fußball ihnen in die Quere kam. Der VfR Heilbronn hatte seine Regionalligapartie gegen den Karlsruher SC kurzfristig auf den Renntag verschoben. Da im Frankenstadion 16.000 Zuschauer erwartet wurden, rechnete man beim Motocross gleich mit 5000 Besuchern weniger.

Heute undenkbar, vor 50 Jahren geschehen: Dreiste Diebe waren am 12. April 1970 in das "Umkleide- und Gerätehaus" des Fußball-Bundesligisten MSV Duisburg eingebrochen. Offenbar mangels wertvollerer Alternativen, ließen die Gauner "sämtliche Auswechsel-Trikots" mitgehen. Heutzutage eine lustige Randnotiz, stellte das die "Zebras" anno 1970 vor ernsthafte Probleme. Denn es stand bereits drei Tage nach dem 0:0 in Bremen eine Nachholpartie gegen den 1. FC Köln auf dem Programm. Und der MSV "hat keine geeigneten Trikots zur Verfügung". Das Spiel fand aber statt und endete 1:1. 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Kommentar hinzufügen