Riesen Ludwigsburg wollen zurück zu den alten Tugenden

Basketball  Nach den Enttäuschungen der vergangenen Saison setzen die Riesen Ludwigsburg nun auf Teamgeist und Athletik. Beim Saisonauftakt gegen den Mitteldeutschen BC wollen sie mit einem neuen Kader überzeugen.

Riesen Ludwigsburg wollen zurück zu den alten Tugenden
Riesen-Coach John Patrick redet viel mit seinen Spielern. Foto: Marc Schmerbeck

Die Verantwortlichen der MHP Riesen Ludwigsburg haben im Sommer kräftig die Löschtaste betätigt. Bei der Saison-Auftakt-Pressekonferenz waren immer wieder die Worte "Reset-Knopf" und "Back to the Roots" zu hören.

"Es ist uns in der vergangenen Saison nicht so gelungen, unsere Tugenden auf den Platz zu bringen", sagt Präsident Alexander Reil. "Wir konnten nicht nach jedem Spiel sagen, dass wir alles gegeben haben." Die Folge: Platz zehn in der Basketball-Bundesliga, Playoffs verpasst. Auf die beste Saison der Vereinsgeschichte mit Platz drei in der Spielzeit 2017/18 folgte damit die schwächste seit 2013.

Die Ludwigsburger präsentierten sich in der vergangenen Runde zu oft als launische Diven und zu selten wie furchteinflösende Riesen. Das soll sich wieder ändern; im Idealfall schon beim Saison-Auftakt morgen Abend um 19 Uhr in Weißenfels gegen den Mitteldeutschen BC.

Die Konstante ist Coach John Patrick

Ein Neuanfang musste her. Also wurden fast alle Spieler aus dem Ludwigsburger Kader gelöscht. Die Konstante ist Trainer John Patrick in seiner siebten Saison bei den Riesen, an dessen Seite die Identifikationsfigur der vergangenen Jahre, David McCray, nach seinem aktiven Karriereende assistiert. Ansonsten sind noch der neue Kapitän Konstantin Konga (bis zur seiner Hochzeit im Sommer trug er den Nachnamen Klein) sowie Christian von Fintel dabei. Dazu kommen viele junge Spieler, die teilweise noch nicht in Europa und schon gar nicht in Deutschland gespielt haben. Für sie ist die Station Ludwigsburg eine Chance.

Riesen Ludwigsburg wollen zurück zu den alten Tugenden
Ein Neuanfang musste her. Also wurden fast alle Spieler aus dem Ludwigsburger Kader gelöscht. Foto: Marc Schmerbeck

"Ich möchte, dass wir eine Saison spielen, in der die Mannschaft alles gegeben hat. Wichtig sind bedingungsloser Einsatz, starke Verteidigung und Teambasketball. Wenn uns das gelingt, glaube ich, dass wir die Chance haben, um die Playoffplätze mitzuspielen", sagt Reil. Auf einen Tabellenplatz als Saisonziel wollen sich die Verantwortlichen nicht festlegen. Zu viele Unbekannte gibt es. "Was mit der sehr jungen, athletischen Mannschaft nicht klar ist, ist wie gut wir sind", sagt Patrick. "Es geht darum, uns stetig zu verbessern. Das ist ein Prozess. Wir haben jetzt aber deutlich mehr Athletik, und mehr Qualität von draußen."

Unerfahrenheit als Risiko

Die Kaderzusammenstellung birgt aber auch ihre Risiken - Stichwort Unerfahrenheit. Die Vorbereitungsspiele liefen - ausgenommen das 71:95 gegen den Ligakonkurrenten Merlins Crailsheim in der vergangenen Woche - gut und auch vielversprechend mit neun Siegen in elf Partien. Durch die neue Teamstruktur sieht der Coach keinen Nachteil darin, dass sich Ludwigsburg für keinen internationalen Wettbewerb qualifiziert hat. "Vielleicht ist das sogar eine Chance. So haben wir mehr Zeit für Individualtraining mit den jungen Spielern." Acht der Neuzugänge sind unter 25 Jahren.

Viel Wert legen die Verantwortlichen deshalb auch auf den Pokal. "Wenn wir weiterkommen, hätten wir im Dezember nicht zwei Wochen frei. Das wäre gut, um Spielpraxis zu sammeln. Aber wir haben viele Rookies, denen müssen wir erst erklären, was der Pokal ist", sagt Patrick. Reil sieht es pragmatischer: "Der Pokal ist sehr wichtig, weil man die Chance hat, mit der geringsten Anzahl von Spielen einen Titel zu holen." Im Pokal, der mit dem Achtelfinale beginnt, haben die Riesen ihre Pflichtspiel-Heimpremiere am Samstag um 20.30 Uhr gegen Braunschweig.

Kapitän Konstantin Konga formuliert Anspruch auf Playoffs

"Ich freue mich auf meine Aufgabe und will sie so gut es geht erfüllen", sagt Kapitän Konstantin Konga. Vom Team hat er einen positiven Eindruck. "Am Anfang fragt man sich bei so vielen Neuen, wie es klappt. Bisher hat alles funktioniert. Ich denke, dass wir mit der Art und Weise wie wir spielen, eine Chance haben, um die Playoffs mitzuspielen. Das sollte auch unser Anspruch sein."

Ganz oben erwartet er aber andere. "Bayern München hat schon viel Qualität. Aber auch Berlin schätze ich stark ein, die haben einen guten Coach, einen guten Spielstil. Oldenburg wird noch vorne mitspielen und Bonn finde ich super interessant mit dem jungen deutschen Trainer." Dahinter könnten sich im Idealfall irgendwo die Riesen einreihen - dann wäre die Löschtaste durchaus sinnvoll eingesetzt worden.

 

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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