Quälende Höhenmeter für Benedikt Hoffmann in Patagonien

Leichtathletik  Die anspruchsvolle Strecke bei der Berglauf-Weltmeisterschaft in Argentinien fordert dem 34-jährigen Hoffmann von der TSG Heilbronn mit Platz 21 alles ab.

Email
Quälende Höhenmeter für Benedikt Hoffmann in Patagonien

Achtung Rutschgefahr: Benedikt Hoffmann hat in den steilen Passagen bergab keinen Blick für die Schönheit der Umgebung, sondern sucht immer wieder nach Halt.

So viel Aufmerksamkeit sind Bergläufer nicht gewohnt. Auch beim Saisonhöhepunkt, den Weltmeisterschaften, bleiben sie weitgehend unter sich. Ihre Strapazen sind selbst für ambitionierte Athleten schwer greifbar, ihre Leidensfähigkeit enorm. Am Samstag (Ortszeit) haben sie 2184 Höhenmeter zurückgelegt, verteilt auf 41, 5 Kilometer.

Nach Villa La Angostura in die argentinische Provinz Neuquén ist diesmal das öffentlich-rechtliche Fernsehen mitgereist. ARD und ZDF vor Ort, um eine Frau zu beobachten. "Das große Medieninteresse haben wir Laura Dahlmeier zu verdanken", sagt Benedikt Hoffmann von der TSG Heilbronn über die Biathlon-Olympiasiegerin, die im Frühjahr ihre Karriere beendet und doch noch Lust auf sportlich-extreme Herausforderungen verspürt.

Die Sport-Studentin schlägt sich mit Platz 27 tapfer. Ihre Zeit von 4:20,47 Stunden macht die 26-Jährige völlig k.o., aber zufrieden, weil "es meinem Leistungsniveau entspricht". Über Siegerin Cristina Simion, die eine halbe Stunde vor ihr ankommt, sagt Laura Dahlmeier: "Chapeau vor den Weltbesten, die sind richtig, richtig stark."

Eigene Erwartungen nicht ganz erfüllt

Das erkennt auch Benedikt Hoffmann an. Mit 3:34,58 Stunden erfüllt er seine eigenen Erwartungen nicht ganz. Nach einer erfolgreichen Berglauf-Saison und WM-Rang fünf vor drei Jahren spekuliert er auf eine Position unter den besten Zehn. Heraus kommt für den 34-Jährigen "Platz 21 bei verdammt starker Konkurrenz und einer immens anspruchsvollen Strecke", wie Benedikt Hoffmann sagt. Es jubelt der US-Ultralaufstar Jim Walmsley, der Favorit ist nach 3:12,16 Stunden erschöpft im Ziel.

Quälende Höhenmeter für Benedikt Hoffmann in Patagonien

Erinnerungsfoto mit der Biathlon-Olympiasiegerin: Laura Dahlmeier mit Florian Reichert, Moritz auf der Heide und Benedikt Hoffmann (von links). Fotos: DLV/Andi Wacker

Steile Anstiege, einer mit 800 Höhenmetern, mehrere Flussüberquerungen, bei denen das Wasser den Athleten bis zum Knie reicht und Downhill-Passagen von bis zu 40 Prozent. Ob der Bedingungen präferieren einige zu rutschen statt zu laufen. Trittsicherheit ist auch im drei Kilometer langen Schneefeld gefordert - das Highlight für Dahlmeier. Landschaftlich traumhaft, doch für die Reize Patagoniens finden die Berglauf-Asse, im Wettkampfmodus voll mit Adrenalin, kaum Blicke und Konzentration.

Muskulatur macht bergab dicht

Benedikt Hoffmann, der in Stockach lebende Lehrer für Biologie, Chemie und Erdkunde, liegt nach dem ersten Anstieg um Platz zehn, doch in der ersten steilen Abwärtspassage macht seine Muskulatur zu, die Folge: Zehn Konkurrenten passieren den Routinier, was ihm auf den nächsten Kilometern im welligen Gelände etwas Kraft nimmt.

Quälende Höhenmeter für Benedikt Hoffmann in Patagonien

"Beim zweiten langen Anstieg bin ich wieder besser reingekommen, habe aber nicht genügend Plätze gut gemacht, um mich entscheidend nach vorne zu verbessern", sagt Benedikt Hoffmann. Am letzten steilen Abstieg überholen ihn nochmals fünf Konkurrenten. Da aber sein Nationalmannschaftskamerad Moritz auf der Heide trotz Krämpfen als 13. über sich hinauswächst, freut sich Hoffmann noch über Rang acht hinter den Spaniern mit dem Team. Florian Reichert (40.) komplettiert das Trio des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Zwei Wochen Urlaub als Belohnung

Mit etwas Erholung und Abstand sagt der Vater des elf Monate alten Joshua: "Nach meiner langen, intensiven Saison war es schwer nochmal die Form zu finden, um in diesem Weltklassefeld konkurrenzfähig zu sein. Im Nachhinein ist meine Platzierung in Ordnung." Als Belohnung bleibt Benedikt Hoffmann nun noch knapp zwei Wochen zum Ausspannen in Argentinien.

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Kommentar hinzufügen