Obereisesheimer Ringer als heimatlose Hallenhopper

Ringen  Landesligist VfL Obereisesheim ist wegen der nach einem Sturm beschädigten Eberwinhalle auf Wanderschaft durch Hallen in Neckarsulm und Umgebung.

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Obereisesheimer Ringer als heimatlose Hallenhopper
Zuletzt waren die Obereisesheimer zu Gast in der Sportura Neckarland. Foto: Alexander Bertok

Den 9. August 2019 werden die Landesliga-Ringer des VfL Obereisesheim nicht vergessen. An jenem Freitagabend fegte ein Sturmtief über das Unterland. Eine besonders heftige Windböe beschädigte die Eberwinhalle im Neckarsulmer Stadtteil Obereisesheim so stark, dass sie seither nicht mehr genutzt werden kann.

"Das Dach hat sich angehoben und zwei Hallenstützen wurden aus der Verankerung gerissen", erinnert sich Ringer-Abteilungsleiter Michael Schönig. Das Equipment - wie die großen Ringermatten - konnten mit Hilfe der Feuerwehr gerettet werden und ist seitdem in einem großen Anhänger verstaut. "Das war vier Wochen vor dem Rundenstart, mitten in der Saisonvorbereitung. Seitdem sind wir quasi heimatlos", erzählt Schönig.

Mal in der Ballei, mal in Amorbach zu Gast

Auch Dank der Unterstützung anderer Vereine konnten die VfL-Ringer ihre Heimkämpfe dennoch ausrichten, wenn auch in der Fremde. "Zwei Wettkämpfe wurden in der Obereisesheimer Festhalle durchgeführt, und je einmal waren in der Ballei-Sporthalle und in Amorbach", berichtet Schönig. "Trainiert wird ebenfalls in der Festhalle sowie in der Römerhalle der Red Devils Heilbronn."

Die eigentlich viel zu kleine Festhalle hat noch einen weiteren Nachteil. "Dort können sich die Athleten zwar umziehen, aber es gibt keine Duschen", klärt Schönig auf. "Hierzu müssen wir in die Umkleidekabinen der Fußballer beim Sportheim oder ins Tennis-Center Happy Match ausweichen. Das sind natürlich keine optimalen Voraussetzungen, vor allem für die Athleten." Bei den VfL-Verantwortlichen ist man aber froh, dass die Vereine trotz der Umstände klaglos antreten. "Das Verständnis bei allen unseren Gegnern ist groß", bedankt sich Michael Schönig.

Obereisesheimer Ringer als heimatlose Hallenhopper
Ringer-Chef Michael Schönig bei seiner Ansprache. Foto: Bertok

Für die Heimveranstaltung vergangenen Samstag gegen den KSV Trossingen waren die Obereisesheimer zu Gast in der Untereisesheimer Sportura Neckarland. "Wir freuen uns hier zu sein, auf unserer Tour de Ländle", sagte Schönig in seiner Begrüßungsansprache vor mehr als 200 Zuschauern. Regio-Tour trifft es eher. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Ringer-Chef und seine zahlreichen Helfer schon knapp drei Stunden Arbeit geleistet.

Die Kampfmatte, die technische Ausrüstung sowie alle benötigten Utensilien für die Bewirtschaftung mussten nach Untereisesheim transportiert und aufgebaut werden. Spät am Abend hieß es alles wieder abbauen, in die Anhänger verstauen und fortfahren. Mit bis zu drei Stunden Mehraufwand beziffert Schönig die zusätzliche Arbeitszeit seiner rund 20 Helfer pro Heimkampf. Nicht eingerechnet ist hier das Personal für Kasse und Bewirtschaftung.

Der Mehraufwand ist immens

"Es muss jedesmal alles neu organisiert werden", erzählt Schönig. Besonders stressig gestaltete sich das Gastspiel in Amorbach am 21. und 22. September. Samstags wurde gegen die Neckarunion Münster/Remseck gerungen und tags darauf ein Jugendturnier durchgeführt. "Da wurden drei Matten benötigt", erzählt Schönig. "Dankenswerter Weise haben die Tischtennis-Spieler des SCA ihre Begegnung in die alte Turnhalle verlegt. Wie haben im Gegenzug die Tischtennisplatten hin und wieder zurück transportiert. An diesem Wochenende hatten wir fünf Anhänger im Einsatz."

Die verbleibenden drei Heimveranstaltungen werden in der Obereisesheimer Festhalle veranstaltet. Da diese aber auch für private Feiern vermietet wird, muss der Kampfabend gegen den TSV Meimsheim vom 23. November auf Donnerstag, den 21. November vorverlegt werden.

Bis zum Saisonende am 21. Dezember rechnet Schönig insgesamt mit einem Mehraufwand von rund 1000 Arbeitsstunden für die vielen Helfer, der knapp 200 Mitglieder starken Ringerabteilung - darunter 50 aktive (je 20 Erwachsene und Jugendliche sowie zehn Oldies). Auch finanziell ist der Aufwand deutlich höher. "Mehr als 1000 Euro kostet uns diese Runde zusätzlich", klagt Schönig.

Und wie geht es mit der Eberwinhalle weiter. "Das steht noch in den Sternen", hofft Michael Schönig aber, dass zur Saison 2020 das Nomadenleben ein Ende hat.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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