Neuanfang in Berlin: Denise Krebs startet heute bei der EM

Leichtathletik  Mit 31 Jahren startet die Biberacherin Denise Krebs am heutigen Abend im EM-Finale über 5000 Meter.

Von Stefanie Wahl

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Denise Krebs (Mitte) holte bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften Bronze. Foto: Archiv/dpa  

Plötzlich gibt es kein Zurück mehr. "Ich bin nominiert, jetzt muss ich es auch machen", sagt Denise Krebs nach Bronze bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg. Dort läuft sie Bestzeit. 15:26,58 Minuten. Über 5000 Meter. Sie beweist, dass sie es kann − und ist noch einmal vier Sekunden schneller. Denn aus einer spontanen Laune heraus, beinahe als Scherz gedacht, läuft die 31-Jährige Mitte Mai in Karlsruhe die Norm für die Heim-EM in Berlin. Ohne eine spezifische Vorbereitung.

Denn: Die Frau, die aus Heilbronn-Biberach stammt, ist Mittelstrecklerin, die 1500 Meter sind ihre bevorzugte Distanz. Hier zählt sie über Jahre zur nationalen Spitzengruppe und versucht auch international Fuß zu fassen.

Der "Tatort" muss ausfallen

Doch an diesem Sonntag (20.15 Uhr) steht Denise Krebs mit ihrer Leverkusener Trainingskameradin Konstanze Klosterhalfen und Hanna Klein aus Schorndorf im Olympiastadion an der Startlinie. "Der Tatort fällt aus", sagt die Unterländerin und lacht. Bis Donnerstagabend verbringt sie die Zeit im Bundesleistungszentrum Kienbaum. In der Abgeschiedenheit Brandenburgs bereitet sich die Unterländerin, die in der Unterländer LG groß wird und bis August 2007 das Trikot der TSG Heilbronn trägt, ehe sie zum TV Wattenscheid wechselt, vor. Einsam ist es dort, und doch wartet sie ganz bewusst hier auf ihren Einsatz. Zu laut und zu wuselig geht es im Teamhotel in der Hauptstadt zu.

Ihr Ziel für die zwölfeinhalb Runden in Berlin? Wenn jemand genau weiß, dass sich andere um die Medaillen streiten werden, bleibt als Pluspunkt nur der Überraschungseffekt. "Ich möchte eine gute Figur abgeben und bestätigen, dass ich zu Recht dabei bin", sagt Denise Krebs. "Ich werde versuchen, auf den letzten zwei Kilometern noch so viele einzusammeln wie es geht." Spurtstark ist sie.

Schwierige Zeit mit sportlichen Rückschlägen

Jetzt bekommt Denise Krebs ihre Chance. Zu einem Zeitpunkt, als sie schon fast nicht mehr damit rechnet. "Vielleicht ist das mal mein Befreiungsschlag", sagt sie und meint die schwierige Zeit mit all den sportlichen Rückschlägen. Immer wieder verpasst Denise Krebs die Norm des Verbandes knapp und schaut bei den Saisonhöhepunkten zu. Oder sie erfüllt die Vorgaben und andere erhalten den Vorzug. Sechsmal, sagt sie, sei ihr das so gegangen. Nun nimmt sie, die schon Ausgemusterte die Entscheidung dankend an.

Ausgerechnet jetzt, wo das Karriereende nah scheint. Das Journalistik- und PR-Studium ist geschafft, die Doppelbelastung gemeistert. "Ich war vergangenes Jahr sehr oft nah dran alles hinzuwerfen", sagt das Drillingskind. Besonders 2017 fragt sich die Automobilkauffrau, wofür sie das alles noch macht.

Immer aber ist ein Funken Hoffnung da, das Wissen, dass mehr in ihrem zarten, aber zähen Körper steckt. Also folgt sie der Stimme in ihrem Kopf, die ihr rät, noch ein letztes Jahr zu wagen.

Dafür wechselt Denise Krebs von Wattenscheid, wo sie eine Dekade reift, zuletzt jedoch allein unter Tono Kirschbaum trainiert, nach Leverkusen. Bei Bayer ist sie inmitten "einer schönen, bunten Mädelsgruppe", wie sie es nennt. Der Neuanfang unter Coach Sebastian Weiß tut ihr gut, der Spaßfaktor ist wieder da, dazu die Frische im Kopf.

Karriereende noch offen

Inzwischen ist das Ende ihrer Laufbahn wieder frei verhandelbar. Entscheidet sich Denise Krebs im September weiterzumachen, wird sie umziehen. Das steht fest. "Es werden auch Stimmen lauter die sagen: In zwei Jahren ist Olympia in Tokio. Warum auf die 15:26 Minuten nicht noch was draufpacken?" Noch aber verschwendet die Frau, die ein Gesicht der neuen Antidoping-Kampagne ?der Nada ist ("Ich will sauberen Sport. Daher setze ich mich für Fairness in meinem Sport ein") keine Energie an dieses Thema.

So oder so. Ihre Heimat ist noch immer Biberach. Gerne kommt sie nach Hause zu ihrer Mum und den Geschwistern. Zwei Schwestern sind inzwischen Mamas. Die Familie ist ihr fixer Rückhalt. Besonders, wenn Zweifel aufkommen. Gemeinsam diskutieren sie über die sportliche Zukunft. Auch aus der regionalen Leichtathletik-Szene kommt Feedback. In diesen Tagen ist ganz viel Daumendrücken dabei.