NSU-Kapitän Falk Fleisch spielt trotz Kieferbruch weiter

Rugby  "Die Zähne zusammenbeißen ging nicht" - obwohl sich Falk Fleisch während eines Spiels gegen StuSta Freimann in München den Kiefer gebrochen hat, hielt er bis zum Ende durch. Kurz nach der OP verrät er, warum ein Arzt Verständnis für den Neckarsulmer Rugger hatte und wie er es geschafft hat, trotz großer Schmerzen weiterzuspielen.

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Das Rugby-Team der Neckarsulmer Sport-Union im November 2019. Foto: Alexander Bertok

Falk Fleisch vom Rugby-Zweitligisten Neckarsulmer Sport-Union hat sich am Samstag in eine Reihe mit den härtesten Sportgrößen dieser Welt gestellt - von Sam Burgess bis Arthur Abraham. Bereits in der siebten Minute der Partie bei StuSta Freimann in München zog sich der Neckarsulmer Kapitän einen Kieferbruch zu. Trotzdem hielt der 23-Jährige bis zum Ende durch. Unser Redakteur Stephan Sonntag hat kurz nach der Operation am Montag mit dem Öhringer telefoniert.

Herr Fleisch, können Sie sprechen?

Falk Fleisch: Ja, Gott sei Dank, jetzt wieder. Vor der OP hatte ich noch ein Gestell, das den Mund verschlossen hat.
 

Wie kam es zu der Verletzung?

Fleisch: Ich habe einen gegnerischen Spieler getackelt und bin dabei mit dem Kiefer gegen seine Schulter gekracht.

 

Falk Fleisch beim Spiel gegen StuSta Freimann:

 

Wussten Sie, dass der Kiefer gebrochen ist?

Fleisch: Ja, das merkt man. Die eine Seite hing komplett locker runter und es hat höllisch wehgetan. Ich konnte meinen Mund nicht mehr schließen. Zähne zusammenbeißen ging nicht (lacht).


Nicht im Wortsinn - aber Sie haben 83 Minten bis zum Ende weitergespielt. Warum sind Sie nicht raus?

Fleisch: Weil wir nur drei Ersatzspieler dabei hatten und weil ich das Team nicht im Stich lassen wollte. Ich hatte nach dem Training eine Ansprache gehalten und gesagt, dass dieses Team es wert ist, dass man sich was bricht. Da durfte ich doch nicht aufgeben - zumal als Kapitän.
 

Wie haben Sie die Schmerzen ausblenden können?

Fleisch: Das war das längste Spiel meines Lebens, aber ich hatte auch noch nie soviel Spaß. Wir haben grandios zusammen gekämpft - das war ein wunderschönes Gefühl.
 

Leider ohne Happy End. Die Münchner gewannen am Ende mit 45:41.

Fleisch: Wir haben zwei Mal einen 18-Punkte-Rückstand aufgeholt. Noch zwei Minuten länger und wir hätten die Partie gewonnen. Unser Teamgeist war phänomenal. Das wird jeder Gegner zu spüren bekommen, der sich uns in der Rückrunde in den Weg stellt.
 

Wie haben die Ärzte Ihren Entschluss kommentiert, bis zum Ende weiterzuspielen?

Fleisch: Die haben mich für völlig verrückt erklärt. Witzig war aber, dass der Anästhesist im Operationssaal ein Kumpel von mir war, der selbst in Würzburg Rugby spielt. Der hat mich verstanden.

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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