Martin Schäfer über den VfB: "Wir sind weitestgehend im Plan"

Interview  Martin Schäfer übergibt die Amtsgeschäfte: erst beim VfB Stuttgart, dann bei Würth

Von Christoph Fischer

Als es richtig schwierig wurde beim VfB Stuttgart, scheute er nicht die Verantwortung. Nach der "Katastrophe des Bundesligaabstiegs" übernahm Martin Schäfer den Vorsitz des Aufsichtsrates. Der Vorstand Vertrieb der Adolf Würth GmbH stellte sich und ließ sich auch von Fanprotesten nicht von seinem Weg abbringen. Er installierte den neuen Präsidenten Wolfgang Dietrich - ein Gespräch über Tradition und Fortschritt.

 

Den Aufsichtsrat des VfB Stuttgart demnächst ohne Martin Schäfer kann man sich noch nicht vorstellen.

Martin Schäfer: Ich bereue nichts, weil ich es gerne gemacht habe. Der Aufsichtsratsvorsitz war im Übrigen nie mein Plan, aber nach der großen Katastrophe des Bundesligaabstiegs kam dann alles anders. Und schon da habe ich mir gesagt, wenn alles wieder im Lot ist, die Positionen besetzt sind und im Idealfall der Wiederaufstieg und die Ausgliederung der Profiabteilung gelingen, dann war es das für mich.

 

Sie hätten Präsident werden können.

Schäfer: Die Diskussionen gab es. Das war aber kein Thema für mich. Weil ich andere Prioritäten in meinem Leben gesetzt habe. Ich bin 40 Jahre in meinem Unternehmen, ich habe dort als Verkäufer angefangen, ich habe dort alles gemacht. Und ich habe diesem Unternehmen sehr viel zu verdanken und Verantwortung für 4700 Menschen, dann läuft man nicht weg, nur weil eine vermeintlich interessantere Position winkt. Das ist nicht meine Welt.

 

Und auch dort ist das Ende in Sicht...

Schäfer: Man muss seiner Verantwortung gerecht werden und seinen Weg zu Ende gehen. Ich werde zum 1. Januar 2019 die Amtsgeschäfte auch bei Würth übergeben. Das habe ich geplant. Ich wollte eine saubere Übergabe, keinen Aktionismus irgendwann. Ich habe noch vier Jahre meinen Vertrag, ich bleibe dem Unternehmen erhalten. Was ich dann mache, werde ich sehen.

 

Vermutlich wird Ihnen der Club fehlen, fußballverrückt wie Sie sind?

Der Vorsitzende des VfB-Aufsichtsrates: Martin Schäfer. Foto: Privat

Schäfer: Ich schließe nicht aus, dass mir der VfB fehlen wird. Es war eine harte Zeit nach dem Abstieg aus der Bundesliga, ich gehe zukünftig als Fan ins Stadion, ohne Druck, ohne Verantwortung. Wenn es nicht optimal für den VfB laufen würde, dann hätte ich meine Aufgabe nicht erfüllt. Und dann würde ich auch nicht gehen.

 

Mit Ihrem Präsidenten sind Sie zufrieden?

Schäfer: Absolut. Er war mein Wunschkandidat, wir haben früh den Kontakt gesucht und uns gefunden. Es war auch nicht einfach, ihn durchzubringen, aber ich war von Beginn an überzeugt von Wolfgang Dietrich. Er ist einer, der beruflich alles erreicht hat und ein riesengroßes Herz für den VfB hat. Das war wichtig für mich. Und dann habe ich ihn vorgeschlagen, obwohl man auch mich an den Pranger gestellt hat. Manche Dinge muss man aushalten. Und ich habe mich noch nie verbiegen lassen. Und weggelaufen bin ich auch nie, aber die Kritik hat teilweise auch weh getan.

 

Wie beurteilen Sie die aktuelle sportliche Situation?

Schäfer: Wir sind weitestgehend im Plan. Wenn wir drei Punkte mehr hätten, wären wir zu hundert Prozent im Plan. Aber wir waren ja auch in den Auswärtsspielen nicht chancenlos. Die Qualität ist da. Mit Hannes Wolf haben wir einen sehr akribischen Arbeiter als Trainer. Wenn die Mannschaft so weiterarbeitet, werden wir unser Ziel Klassenerhalt erreichen. Ich halte auch Platz zwölf oder 13 in dieser Saison für möglich.

 

Wo steht der VfB in zehn Jahren?

Schäfer: Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren wieder einer der Topvereine in Deutschland sind. Das Problem des VfB in den letzten Jahren war doch der extreme Personalwechsel auf allen Ebenen. Viele haben sich auch zu wichtig genommen. Wir brauchen aber ein Team, das die Chance hat, drei oder vier Jahre in dieser Konstellation zusammenzuarbeiten. Wir werden nicht ohne Krise auskommen, aber wir dürfen nicht alles wieder in Frage stellen.

 

Und jetzt brauchen Sie vor allem Geld, die Ausgliederung der Profiabteilung war notwendig.

Schäfer: Absolut, aber es geht nicht nur um Geld. Ich halte es für realistisch, dass in den nächsten beiden Jahren ein zusätzlicher Investor beim VfB dazukommt. Der Club ist wieder im Blickfeld. Aber vor allem hat der Club erkannt, dass es grundlegend wichtig ist, in den eigenen Nachwuchs zu investieren. Wir dürfen es uns nicht mehr leisten, Spieler auszubilden und sie dann abzugeben. Zu viele ehemalige VfB-Jugendspieler spielen erstklassig, aber nicht mehr beim VfB. Wir müssen investieren, wir müssen die jungen Leute binden. Dafür müssen wir die Strukturen schaffen. Wir werden die Erfolge in vier, fünf Jahren sehen. Vier oder fünf Spieler, die wir herausbringen und die aus Überzeugung beim VfB bleiben - dann sind wir auf einem guten Weg.

 

Die Deutsche Fußball Liga predigt den internationalen Markt. Trainingslager in Donaueschingen wird es auch für den VfB nicht mehr geben.

Schäfer: Das glaube ich gar nicht, aber der Fußball muss in andere Märkte gehen, um die Marke Fußball weiterzuentwickeln. Auch der VfB ist eine Marke, die sich weiter entwickeln wird. Die Mannschaft, der Club müssen in diese neuen Märkte. Das stärkt die Marke. Die Kommerzialisierung des Fußballs wird voranschreiten. Definitiv. Aber diese Entwicklung muss auch im Einklang zur langen und großen Tradition des VfB Stuttgart stehen.

 

Bis er vor die Wand fährt?

Schäfer: Ich glaube, es fährt etwas gegen die Wand, wenn Gremien versagen. Wenn Gremien Chancen und Risiken abschätzen können, dann passiert das nicht. Wenn man gewisse Trends und Entwicklungen ignoriert oder mit einer gewissen Arroganz darüber zu stehen glaubt, dann sind größere Probleme aber nicht auszuschließen.

 

Zur Person

Martin Schäfer aus Reutlingen, geboren am 22. November 1956 als drittältestes von zehn Kindern in Großbettlingen, Großhandelskaufmann, Betriebswirt, seit 2000 Geschäftsführer, seit 2009 Stellvertretender Unternehmenssprecher der Würth GmbH & Co. KG. Aufsichtsrat des VfB Stuttgart bis 3. Dezember 2017, zwischenzeitlich Vorsitzender des Aufsichtsrates. Verheiratet, drei Kinder, sechs Enkelkinder.

 

 

 

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