Kurzarbeit oder Gehaltsverzicht bei den regionalen Top-Clubs?

Sport  Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise spüren auch die Vereine in der Region, die höherklassigen Sport bieten. Stimme.de erklärt, wie sie die Einbußen kompensieren wollen.

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Nicht nur Wirtschaftsunternehmen, auch Vereine leiden unter den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise. Dies trifft auch die Clubs aus der Region. Kurzarbeit und Gehaltseinbußen für die Aktiven und Trainer - viele kommen nicht ungeschoren davon. Kurzarbeitergeld kann für jedes vertraglich angestellte Vereinsmitglied beantragt werden, das sozialabgabepflichtig ist. Dazu zählen auch Vertragsamateure.

Heilbronner Falken

Der DEL-2-Verein hat Kurzarbeit beantragt. Der Bundesagentur für Arbeit liegt aktuell ein Antrag der Heilbronner Falken vor. Ein Ergebnis gibt es zwar noch nicht, nach Angaben von Atilla Eren ist der Antrag in Bearbeitung. Der Geschäftsführer der Falken gibt sich zuversichtlich: "Uns hat man signalisiert, dass es einen berechtigten Grund für den Antrag gibt." Das letzte Mal in einem Spiel stand das Team am 1. März auf dem Eis - zehn Tage später war klar, dass die Saison beendet wird. Keine Playoffs mehr, kein Training. Daher hat Eren für den halben Monat März und den April Kurzarbeit beantragt. Allerdings nicht für alle Spieler.

"Es betrifft nur die Spieler, deren Vertrag noch läuft und die auch auf unserer Gehaltsliste stehen", sagt er. Die Spieler also, die von den Falken entlohnt werden. Förderlizenzspieler fallen nicht darunter, ihre Verträge laufen über Kooperationspartner Adler Mannheim. Zudem von Kurzarbeit ausgeschlossen sind die Spieler, deren Verträge mit Saisonende auslaufen. "Das sind vier", sagt Eren, der grob zwei Drittel des Gehaltsbudgets der Falkenspieler als Kurzarbeiter-würdig einstuft. Die Falken zahlen das Gehalt bisher weiter, "und schauen dann, was wir erstattet bekommen".

Dass das Geld der Agentur für Arbeit den Falken in einer prekären Situation hilft, stehe völlig außer Frage. "Uns hilft jeder Cent", sagt Eren. Im Vergleich zu dem, was durch die abgesagten Playoffs aber an Einnahmen wegbricht, "macht das nicht so wahnsinnig viel aus", sagt Eren.

Daher ist der Geschäftsführer der Heilbronner Falken froh, dass es vonseiten der Partner, der Stadt und Sponsoren positive Signale gibt. "Es sieht zumindest so aus, dass wir diese Situation bewältigen können." Er habe derzeit nicht das Gefühl, dass nun alles wegbreche. Etwa 70 Prozent der Unterstützer in der abgebrochenen Saison blieben dem Verein auf jeden Fall erhalten. "Das macht Mut, es ist eine Größenordnung, mit der wir arbeiten können."

FSV Hollenbach

Kurzarbeit oder Gehaltsverzicht bei den regionalen Top-Clubs?

Auch beim Hohenloher Fußball-Verbandsligisten FSV Hollenbach stellt sich die Frage nach Kurzarbeit. "Wir wollen das schon beantragen", sagt Manager Karl-Heinz Sprügel. "Ich hoffe, dass es klappt." Das Problem: Es geht nicht für alle Spieler. "Anrecht auf Kurzarbeit haben nur diejenigen, die auch Sozialversicherung bezahlen, also Lohnsteuerklasse sechs haben." Davon gibt es im Kader aber nicht allzu viele. "Die Meisten haben einen Amateurvertrag und werden mit einem Minijob bezahlt", sagt Sprügel. Und da gibt es keine Möglichkeit auf Kurzarbeitergeld. "Mit ihnen müssen wir uns so einigen", sagt Sprügel. "Wir setzen uns mit dem Spielerrat zusammen und suchen nach einer Lösung, was es für Möglichkeiten gibt."

Im Prinzip geht es dabei dann um einen freiwilligen Gehaltsverzicht. "Das ist wie bei den Bundesligisten derzeit", sagt Sprügel. Es gibt wohl auch bereits Signale aus dem Kreis der Mannschaft, dass die Bereitschaft zu einer gemeinsamen Lösung besteht. Schließlich haben auch fast alle Akteure aus dem aktuellen Kader für die nächste Saison zugesagt. Und die Ziele in Hollenbach sind durchaus ambitioniert. Diese zu erreichen fällt leichter, wenn alle zusammenstehen.

 

Neckarsulmer Sport-Union

Kurzarbeit oder Gehaltsverzicht bei den regionalen Top-Clubs?

Handlungsbedarf gibt es in der Handball-Abteilung (Frauen-Bundesliga, Männer-Oberliga) wie bei den Fußballern in der Oberliga. "Wir haben mit den Bundesliga-Damen gesprochen und jetzt für alle Spielerinnen Kurzarbeit angemeldet, da sie ihre Arbeitsleistung aus bekannten Gründen aktuell nicht erbringen können", sagt Bernd Dollmann, eines von sechs NSU-Vorstandsmitgliedern.

Die Saison in der Frauen-Bundesliga wird nicht zu Ende gespielt, die Akteurinnen erhalten Kurzarbeitergeld analog der jeweiligen Vertragslaufzeit. Wobei NSU-Geschäftsstellenleiter Kai Stettner ergänzt: "Es ist ein langer Zeitraum bis zur neuen Saison, sobald wieder trainiert werden kann, wird das rückgängig gemacht." Diese Vorgehensweise betrifft auch das Trainerteam.

Für die Handball-Männer wie auch die Oberliga-Fußballer gelten andere Regelungen, da hier die Spielrunden Stand jetzt unterbrochen, aber nicht beendet sind. "Wir sind in Gesprächen, wie weiter verfahren werden soll. Hier muss ein Gehaltsverzicht in irgendeiner Weise da sein", erläutert Stettner. Gleiches gilt auch hier für Trainerposten und Funktionärsämter, die sozialsteuerpflichtig entlohnt werden.

Es bleibt die Frage, ob sich auslaufende Verträge bei einer möglichen Saisonverlängerung automatisch verlängern? "Ich glaube, diesen Fall gab es rechtlich noch nie. Daher ist im juristischen Sinn keine automatische Vertragsverlängerung in einem Vertrag verankert", sagt Stettner. "Sobald klar ist, dass die Saison verlängert wird, müssen wir mit jedem Spieler darüber sprechen und gegebenenfalls die Verträge verlängern."

Kein Kurzarbeitergeld gibt es unterdessen für Trainer und Betreuer aller Sparten der Neckarsulmer Sport-Union, die über Übungsleiter-Pauschalen entlohnt werden. "Die Grundlage für diese Vergütung, nach dem Motto, wir üben gemeinsam, ist aktuell nicht gegeben und kann daher nicht mehr bezahlt werden. Wir dürfen das auch nicht, selbst wenn wir wollten", erklärt Vorstandsmitglied Bernd Dollmann. Alle Übungsleiter-Pauschalen sind daher ausgesetzt.

"Der überwiegende Teil der Personen, die eine Übungsleiter-Pauschale erhalten, haben in irgendeiner Weise ein Haupteinkommen. Wenn Menschen wirtschaftlich zu einhundert Prozent vom Verein abhängig sind, ist es aber unsere erste Aufgabe zu schauen, wie können wir denen zumindest ein eingeschränktes Einkommen gewährleisten", sagt Dollmann.

TSB Horkheim

Kurzarbeit oder Gehaltsverzicht bei den regionalen Top-Clubs?

Beim Handball-Drittligisten aus Heilbronn äußert sich Manager Michael Löbich zurückhaltend. "Wir behalten uns eine Entscheidung vor", sagt er. Erstmal wolle man abwarten, wie der Deutsche Handballbund (DHB) zur Weiterführung der laufenden Saison stehe. Am 13. März hatte der Verband, der für die dritten Ligen zuständig ist, eine Erklärung zur Corona-Krise abgegeben, in der der gesamte Spielbetrieb "bis mindestens zum 19. April" ausgesetzt wurde.

Seither hat sich nichts geändert. "Zurzeit gilt: still ruht der See", sagt Manager Löbich vom TSB Horkheim. "Vor Ostern wird sich da nichts mehr tun", glaubt er. Also lautet die Devise: abwarten. Die Runde in der 3. Liga Süd wäre regulär am 25. April zu Ende gegangen. Vier Spieltage sind bis dahin ausgesetzt worden.

Michael Löbich müsste im schlechtesten Fall die Einnahmen aus zwei weggefallenen Heimspielen abschreiben. Das würde schmerzen, wäre aber kein existenzielles Risiko. "Das ist in der Bundesliga eine andere Sache." Die Horkheimer Spieler sind alle keine Profis. In der deutschen Eliteklasse hingegen haben vor allem die kleinen Teams wie Balingen-Weilstetten oder Ludwigshafen große Probleme, ihre Kosten zu decken. Die HSG Wetzlar hat Kurzarbeit für alle Spieler, Trainer und Mitarbeiter angemeldet. In der 3. Liga Nord-Ost hat das Tabellenführer Dessau-Roßlauer HV getan.

 

 

Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme. 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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