Internationales Hochsprung-Meeting ab 2020 in Heilbronn

Leichtathletik  Nach dem Aus des weltbekannten Hochsprung-Meeting in Eberstadt folgt 2020 eine Elite-Veranstaltung auf dem Heilbronner Marktplatz.

Von Stefanie Wahl

Ein anderes Kapitel Hochsprung
Die Hochsprung-Elite trifft sich ab 2020 im Herzen der Innenstadt: Die roten Flächen zeigen die Tribünen, die grüne Fläche die Sprunganlage. Fotomontage: HSt

 

Bei den ersten Gesprächen ist Peter Schramm noch dabei gesessen. Als Gründer und langjähriger Sportdirektor des Hochsprung-Meetings in Eberstadt hat der 76-Jährige, begleitet von seinem Trägervereins-Vorsitzenden Harry Brunnet, Zahlen und Wissen für Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel beigesteuert. Vom finalen Ergebnis, das nach einjähriger Denk- und Vorarbeit entstanden ist, hat der pensionierte Lehrer dann vor einigen Tagen erfahren.

Siebenköpfiges Team übernimmt

Von seinen Nachfolgern. Sieben Köpfe der Leichtathletik-Abteilung der TSG Heilbronn. Oliver Blumenstock, Rosemarie Just-Espert, Thomas Mohn, Niki Seethaler-Dent, Andreas Werner, Thomas Ziegler und Jacob Denzel. Peter Schramm kennt sie alle. Bestens. Weil sie seit Jahren, mitunter gar vom Beginn 1979 an, geholfen haben, das Meeting in Eberstadt zum weltbesten seiner Art zu machen. Das Septett hat sich zum Ziel gesetzt, ein Hochsprung-Meeting 2.0 zu starten - weil sie als leistungssportorientierte Leichtathleten die Leidenschaft an ihrer Sportart nie verloren haben. "Wir sind keine Agentur, wir machen das aus Überzeugung", sagt Oliver Blumenstock. "Es ist ein anderes Kapitel, aber wir vergessen unsere Herkunft nicht. Wir wollen eine Marke, die in 40 Jahren aufgebaut worden ist, nicht wegwerfen."

Nun heißt es also: gleiche Idee, neuer Ort und vielleicht noch etwas mehr Flair. Denn nach dem Aus von Eberstadt nach vier Jahrzehnten, springen 2020 die Männer wie die Frauen auf dem Heilbronner Marktplatz. Flüge neben der historischen Rathausuhr in eine neue Zeitrechnung? Angedacht ist ein Termin im Sommer, nach den Olympischen Spielen (24. Juli bis 9. August) in Tokio und vor den Europameisterschaften in Paris. Auf der Wunschliste oben stehen der 22. und 23. August. Ob es dazu kommt, hängt von der Terminierung der Diamond-League-Serie ab.

Schramm gefällt das neue Konzept

"Ich finde es gut", sagt Peter Schramm über das Konzept der neuen Macher, "aber klar ist auch: Jetzt geht das Geschäft erst los - und das Team wird immer an Eberstadt gemessen werden, das ist nicht leicht. Ich schaue mir das Meeting dann in aller Ruhe und mit Freude an."

Harry Mergel hat das Ende von Eberstadt bedauert, "aber ich gestehe, dass ich zu denen gehört habe, die skeptisch gewesen sind, dass es eine Zukunft gibt". Seine Bedenken sind nach diversen Gesprächen gewichen. "Wenn ich die Truppe hier sehe, erwacht in mir der Ermöglicher", sagt der Oberbürgermeister, "diesen Menschen konnte ich ihren Wunsch nicht abschlagen. Es ist möglich, aber wir stehen noch nicht am Ablauf." Schließlich gäbe es auch eine Zeit nach der Buga, "und da ist dieses Meeting ein weiterer zentraler Baustein".

Qualität muss bleiben

Ein anderes Kapitel Hochsprung

Das Hochsprung-Team mit Oberbürgermeister Harry Mergel (Dritter v. links) planen ein Meeting auf dem Marktplatz − idealerweise am 22./23. August.

Foto: Stefanie Wahl

Oliver Blumenstock hat 25 Jahre lang rund um das Eberstädter Meeting den Fahrdienst und weit mehr koordiniert, auf diesem Wege einen engen Kontakt zu den Springerinnen und Topathleten aufgebaut, diesen auch über die Saison hinaus gehalten. Ein Nutzwert, von dem sie nun profitieren. Dennoch hat sich das Team die Dienste des Eberstädter Athletenbetreuers Günter Eisinger gesichert. Den einen oder anderen Springer haben sie bereits angesprochen, denn klar ist, die Güteklasse 1a soll Bestand haben: "Die Qualität muss gleich bleiben, wir fangen nicht mit der zweiten Garde an", sagt Oliver Blumenstock. Weltklasse als Pflichtvorgabe von Harry Mergel, dessen persönliche Bestmarke bei 1,42 Meter steht.

Dem Team ist jedoch auch klar, dass die Arbeit nun erst richtig startet. Mit der Sponsorenakquise und der Gründung eines Trägervereins - auch, um Risiken von der TSG Heilbronn fern zu halten. Rosemarie Just-Espert, Abteilungsleiterin der Leichtathleten, freut sich, dass der Großverein, der 2020 sein 175-jähriges Bestehen feiert, hinter dem Projekt steht. "Der Präsident und Vorstand sind von Beginn an involviert gewesen und von der Idee überzeugt", sagt Just-Espert. "Und sie haben klar signalisiert, dass die TSG wie in Eberstadt weiterhin als Ausrichter fungieren wird."

Auf dem technischen Sektor hat Thomas Mohn bereits wichtige Vorarbeiten geleistet. Der Marktplatz ist vermessen, die Organisatoren gehen von einer Tribünenkapazität von 1740 Plätzen aus. Um auf das Kopfsteinpflaster eine wettkampftaugliche Hochsprung-Anlage zu bringen, werden etwa 400 Quadratmeter Teer nach einem speziellen Verfahren auf eine Schotterschicht und ein Vlies aufgetragen - und hernach auch schnell wieder abtransportiert.


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