In der entscheidenden Phase wieder wach

Volleyball  Der SV Sinsheim verschläft gegen den VfR Umkirch fast den kompletten ersten Satz. Am Ende steht trotzdem ein klares 3:0. Das liegt auch am Gegner selbst.

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In der entscheidenden Phase wieder wach

Im ersten Satz hatten die SInsheimerinnen um Nora Krebs und Angelina Schatz (von links) mit Umkirch ihre Mühe. Dafür wurde es danach deutlich.

Foto: Archiv/Klaus Krüger

Ein wenig musste Peter Lember zittern, weniger um den Erfolg seiner Volleyballerinnen selber, als viel mehr um einen frühen Feierabend. Der Trainer des SV Sinsheim wollte nach dem Drittliga-Duell zum Abschluss des Jahres gegen den VfR Umkirch schnell weg. "Ich bin noch auf den 50. Geburtstag einer Freundin eingeladen", ließ Lember schon vor dem Spiel wissen. Und vielleicht war das ein Fehler: Denn auch seine Mädels wussten von der vagen Hoffnung ihres Übungsleiters - und verschliefen den ersten Satz fast ganz.

Am Ende gab es jedoch ein Happy End, für das Team. Und seinen Trainer. Mit 3:0 (27:25, 25:18, 25:16) fiel das Ergebnis doch deutlich aus. Zumindest hinten raus und Peter Lember konnte noch ein wenig Geburtstag feiern. "Ab dem zweiten Satz haben wir wieder unser Spiel durchgezogen." Der Wille des VfR Umkirch war zu diesem Zeitpunkt bereits gebrochen. "Nach dem ersten Satz war die Luft raus", sagte Gästetrainer Julian Hamacher enttäuscht.

Sinsheim wehrt zwei Satzbälle ab

Bei Luise Mauersberger, die lange für den SV Sinsheim aufgeschlagen hatte, klang das in Bezug auf die beiden vergebenen Satzbälle beim Stande von 24:23 und 25:24 gleich dramatischer: "Das war unser Genickbruch." Zumal der erste Satz aus Sicht von Mauersberger, die den Tag über schon in Sinsheim verbracht hatte und auch über nach Nacht blieb, "mega safe", absolut sicher gewesen war. "Wir waren die ganze Zeit über drei Punkte vorne und haben Sinsheim nie die Chance aufs Break gegeben." Und doch holte der amtierende Meister den Satz, spielte seine ganze Erfahrung gegen junge Gäste aus.

"Gegen einen erfahreneren Gegner hätten wir den Satz verloren", sagte Lember, der seine Felle davonschwimmen sah. Der VfR hatte den SV Sinsheim aber zu Beginn auch überrascht, gut aufgeschlagen und gut verteidigt. "Holla, die Waldfee", staunte Lember, der zeitgleich mit seinen Mädels haderte, die "einfach nicht da" waren. "Da dachten einige, gegen den Tabellensiebten geht das locker aus der Hose. Aber so funktioniert das nicht."

Nadine Himmelhan war völlig entspannt

Wobei Libera Nadine Himmelhan das nicht zu hoch hängen wollte. "Es sah von außen alles vielleicht unentspannt aus, ich war aber entspannt", sagt die Spielerin des Abends. Zwar habe auch sie gewusst, dass Lember früher weg wollte. "Aber das interessiert mich im Spiel ja nicht." Sie ließ sich ebenso wenig von der Lage nervös machen, wie ihre Teamkolleginnen. Dabei wusste Himmelhan: "Gewinnt der VfR den ersten Satz, dann schöpfen die Hoffnung."

Stattdessen aber verließ die Gäste der Mut. "Wir trauen uns nicht zu gewinnen", ärgerte sich Mauersberger. "Da ist dann keiner da, der sagt: Komm, gib mir den Ball." Das haben die Kraichgauerinnen gespürt, gab Himmelhan zu verstehen. "Wenn die nicht wollen, gewinnen wir halt." Das Duell war damit entschieden, Umkirch blieb mutlos, Sinsheim agierte souverän, allen voran Himmelhan. "Was sie gezeigt hat, das war überragend - erstligareif", lobte Lember und zog eine positive Halbzeitbilanz. Ihm mache es einen Riesenspaß, sagte er.

Platz drei ist okay, aber nicht gut

Als Lember auf dem Weg zum Geburtstag war, betonte die Perfektionistin Himmelhan angesichts zweier Niederlagen indes: "Platz drei ist okay. Aber auch nicht gut." Mit dem Verlieren habe sie es nicht so.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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