Ende mit Knalleffekt beim Tennis-Regionalligisten SV Leingarten

Leingarten  Der Rückzug von Wilfried Aberle und Heiko Ortwein bedeutet das Aus für den klassenhöchsten Tennis-Club der Region. Ein vereinsinternes Zerwürfnis sorgt beim Drittliga-Verein für den K.o.

Ende mit Knalleffekt beim Tennis-Regionalligisten SV Leingarten

Die Macher im Hintergrund: Heiko Ortwein (links) und Wilfried Aberle drückten der ersten Männermannschaft des SVL als Teamchef und Teammanager ihren Stempel auf. Diese Woche bekommen die Spieler Kündigungsverträge.

Foto: Archiv/Müller-Appenzeller

Spitzentennis beim SV Leingarten ist Geschichte: Zwei Monate nach dem letzten Matchball in der Regionalliga Südwest kommt das Aus für die Männermannschaft - weil die entscheidenden Herren im Hintergrund hingeworfen haben. Wilfried Aberle, Erster Vorsitzender des Fördervereins der Tennisabteilung im SV Leingarten, und Heiko Ortwein, Trainer und Mannschaftsführer, sind "stinksauer und enttäuscht", wie sie unisono sagen, beide sind vergangene Woche aus dem Verein ausgetreten.

Dort ist eine gewisse Erleichterung auszumachen. Er habe sich gerne die Spiele in der dritthöchsten deutschen Spielklasse angeschaut, sagt Abteilungsleiter Wolfgang Schnabel. "Und mir tut Wilfried leid, weil er sich um eine gute Sache bemüht hat. Aber es ging in die falsche Richtung." Die erste Mannschaft sei eine Retortenmannschaft gewesen, das Hobby von Wilfried Aberle.

Viel bewegt, viel investiert

Es war mehr als ein teures Hobby, der Unternehmer aus Leingarten wollte etwas bewegen, hat in den vergangenen vier Spielzeiten etwas bewegt. Im Sinne des im Frühjahr 2016 verstorbenen Machers und Mannschaftsführers Peter Mertens. "Wir wollten nach dem Aufstieg und dem zweiten Platz im Sommer jetzt den nächsten Schritt machen, alles noch professioneller aufziehen", sagt Heiko Ortwein. Statt der erhofften zusätzlichen Unterstützung von Tennisabteilung und Hauptverein habe es aber nach wochenlanger Hängepartie schriftlich unter anderem die Anweisung gegeben, das Logo des Vereins nicht mehr auf der Homepage der ersten Mannschaft zu verwenden, die 2017 württembergischer Meister geworden war.

"Wir haben Werbung für den Verein gemacht und bekommen von ihm nur Knüppel zwischen die Beine", sagt der 74-jährige Aberle, der seit seinem neunten Lebensjahr Mitglied des SVL war, auch einst Vorstand und Sportwart der Tennisabteilung. Wilfried Aberle ist ein Schaffer, bettelte jedes Jahr um Spenden, stand bei den Heimspielen hinter dem Grill. "Ich habe die Nase voll vom Tennis. Jetzt ist Schluss."

Die Mannschaft habe so manchen abgeschreckt 

Wolfgang Schnabel, seit Sommer pensionierter Lehrer, ist per du mit Unternehmer Wilfried Aberle. Es sind Emotionen im Spiel. Es menschelt. Der Leiter der 350 Mitglieder starken Abteilung ("Etwa 100 davon sind Jugendliche") sagt: "Durch die erste Herrenmannschaft haben wir kein einziges neues Mitglied bekommen. Sie war keine Werbung für Leingarten, hat manche Jugendliche eher abgeschreckt, wie ich gehört habe." Laut Schnabel habe sich die Abteilung vergangene Saison mit etwa 4000 Euro eingebracht, das Essen für die Spieler und die Bälle bezahlt sowie Mitglieder abgestellt, die Arbeitsstunden abgeleistet haben. "Wir waren uns in der Abteilung einstimmig einig, dass wir nicht noch mehr machen können."

Kündigungsverträge für die Spieler

Die Spieler seien erschrocken und enttäuscht, sagt Heiko Ortwein, "sie bekommen diese Woche Kündigungsverträge". Wilfried Aberle ergänzt: "Mit den Sponsoren hatten wir keine Verträge, das waren alles Spenden." Und wo spielt künftig die erste Mannschaft? "Die Zweite wird zur Ersten", sagt Schnabel - die zweite Mannschaft kam in der Bezirksklasse 1 auf Platz fünf. Eventuell reiche es 2020 aber nur für ein Viererteam. Und was den Förderverein betrifft: Der werde aufgelöst, vermutet Aberle, der sein Amt aufgeben werde. "Es gibt Interessenten", sagt hingegen Wolfgang Schnabel, "die mit Wilfried Aberles Idee gefremdelt haben."

SVL-Geschäftsführer Volker Schmitt bedauert die Entwicklung, betont aber: "Wir sind ein Breitensportverein mit zwölf Abteilungen." Es gebe vereinsrechtliche Vorgaben. Und man habe "das Anliegen von Herrn Aberle in die Vorstandschaft eingebracht. Die hat beschlossen, dass ein erweitertes Engagement auch mit Blick auf das Jubiläumsjahr 2020 derzeit nicht möglich ist." Deshalb ist das Spitzentennis beim SVL jetzt Geschichte.

 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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