Ein goldener Urlaub für eine Reiterin aus Ilsfeld

Reitsport  Die Ilsfelderin Ann-Kathrin Lindner holt mit dem deutschen Dressur-Team den Titel bei der U25-Europameisterschaft in Italien.

Von Lars Müller-Appenzeller
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Ein goldener Urlaub für eine Reiterin aus Ilsfeld

Reitet mit dem Deutschland-Adler auf der Brust: die Ilsfelderin Ann-Kathrin Lindner auf Sunfire.

Foto: Archiv/Veigel

Es ist der beste Urlaub ihres Lebens. Physiotherapeutin Ann-Kathrin Lindner hat sich diese Woche frei genommen, um in Italien so professionell und erfolgreich wie noch nie ihrem Hobby nachgehen zu können: Die 22-jährige Dressurreiterin vom TSV Weinsberg startet in San Giovanni bei Rimini für Deutschland bei den U25-Europameisterschaften.

Es ist eine seit Jahrzehnten gepflegte Tradition, dass Dressurchampionate in der Regel von deutschen Mannschaften gewonnen werden. San Giovanni ist da keine unrühmliche Ausnahme: Die Ilsfelderin Ann-Kathrin Lindner bekam am Donnerstagabend auf Sunfire wie ihre Teamkollegen Raphael Netz (Aubenhausen), Bianca Nowag (Ostbevern) und Jil-Marielle Becks (Senden) Team-Gold überreicht. Goldene Zeiten für die Reiter aus der Region.

Knapp vor den Niederlanden

Natürlich, der am Donnerstagabend nach der zweiten Hälfte feststehende Erfolg ist der größte in Ann-Kathrin Lindners (Reiter-)Karriere. Sie hatte auf dem zehnjährigen Wallach am Mittwoch 70,5 Prozent bekommen, was im Einzel Platz sieben bedeutet hätte, aber am Ende das deutsche Streichergebnis war. Egal, Gold knapp vor den Niederlanden. Obwohl Lindner kurz zuvor noch gefürchtet hatte, gar nicht reiten zu können. Verrückte Ferien. "Sie sind richtig besonders", sagt die sportliche Urlauberin. "Nur habe ich nicht so die Ruhe." Kein Wunder bei der ganzen Aufregung vor, während und nach der Anreise. Kein Wunder, schließlich beginnt am Freitagnachmittag noch die mehrtägige Entscheidung im Einzel.

Seit Tagen nahmen Tierärzte Dopingproben bei Sunfire oder untersuchten ihn, um ein Zeugnis auszustellen, mit dem er die zehnstündige Reise nach Italien antreten durfte. "Er hatte zwei Tage gebraucht, bis er sich erholt hatte", sagt Lindner, die mit ihrer Familie und den Teamkollegen über ein Vorbereitungsturnier in der Nähe des Chiemsees die Alpen am Montag überquert hatte - mit Motivationsschub: Gemeinsam habe man am Sonntag den grandiosen Auftritt des Ilsfelder Springkollegen Sven Schlüsselburg im Großen Preis des CHIO in Aachen verfolgt. "Wir kennen uns gut, mein Bruder war eine Zeit bei Sven im Stall", sagt Lindner. "Da sieht man, dass man mit Arbeit, Geduld und einem guten Plan auch scheinbar Unerreichbares schaffen kann." In San Giovanni war es vor allem die Geduld.

Grünes Licht im Nachsitzen

"Der Vet-Check war eine Katastrophe", sagt Ann-Kathrin Lindner. Die Vorstellung bei der Tierärztekommission an der Hand im Trab muss jedes Pferd bestehen, sonst gibt es keine Starterlaubnis. "Sunfire ist so groß, das sieht bei ihm unkoordiniert aus, unschön", erklärt Lindner. "Wir sind am Dienstag dreimal hin." Ohne Erfolg. Quasi im Nachsitzen am Mittwoch gab es grünes Licht. Was die Nervosität beim anschließenden Start nahm. "Ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich doch reiten darf", sagt Lindner, die das Einzel nach der anstrengenden Überei bei der italienischen Hitze für den Vet-Check als Zugabe sieht. "Am Sonntag dürfen nur die drei besten Deutschen reiten", wozu sie im Normalfall nicht gehören dürfte. Aber vielleicht hat der Italien-Urlaub ja noch eine schöne Überraschung parat. Falls nicht, bleibt Zeit für ein Bad im Meer.

 


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