Diese Junioren springen in Eberstadt zum Sieg

Leichtathletik  Magische Hochsprung-Marke: Ryan Webb ist erst nach dem Stechen Sieger bei den Junioren, doch Raúl Spank schafft 2,21 Meter und lässt gar 2,30 Meter auflegen. Bei den Juniorinnen gewinnt Lale Eden mit 1,77 Metern.

Von Stefanie Wahl

Tiefe Dankbarkeit macht sich in Raúl Spank breit. Während sich die Dunkelheit über die Eberfürst-Arena legt, sitzt der 30-Jährige auf einer der hölzernen Turnbänke, zieht sich eine wärmende lange Hose an und sagt: "Geil, dass ich das noch erleben durfte. Aber ich bin sehr traurig, dass die Generationen nach mir dies nicht mehr können."

Daher ist es für ihn umso wertvoller, noch ein letztes Mal die Atmosphäre von Eberstadt einzusaugen. Vor 150 Zuschauern springt Raúl Spank 2,21 Meter. Höher als alle anderen am Freitagabend. "Es war ein sehr schönes Gefühl, ein luftiges, das nochmal zu spüren", sagt der Dresdner, "ein kleines Träumchen, nach so vielen Jahren ist es einfach so passiert." Er wirft einen verliebten Blick zu Freundin Lisa.

Eberstadt und die magische Hochsprung-Marke
Raúl Spank floppt technisch sauber über 2,21 Meter.  

Raúl Spank ist nur der inoffizielle Sieger

Feierstunde für einen Fröhlichen. Doch Raúl Spank ist nur der inoffizielle Sieger. Der Eberstadt-Gewinner von 2009 und 2010 macht außer Konkurrenz mit. Sportdirektor Peter Schramm macht eine Ausnahme, der Senior darf sich mit den Junioren messen. Und der 75-Jährige bereut seine Entscheidung nicht: "Die Sache war es wert, es war ein Genuss, ihn springen zu sehen."

Bescheiden präsentiert sich der EM-Dritte von 2009, der seine Karriere vor zwei Jahren beendet hat. Auf höflichste Art fragt er Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen, ob sie ihn denn korrigieren würde. Doch viel zu mäkeln gibt es nicht. "Lass dich knuddeln − wie in alten Zeiten", lobt ihn die Trainerin für einen Abend lächelnd. Das Video des Sprungs hat Brigitte Kurschilgen längst an Freunde und ehemalige Weggefährten versendet. "Es ist einer der besten Techniker, die wir je hatten", sagt Volker Wieland, einst selbst Hochspringer im Trikot der TG Heilbronn.

Eberstadt und die magische Hochsprung-Marke
Lale Eden ist bei den Juniorinnen die Beste.  

So zeigt Raúl Spank nicht nur im dritten Versuch über 2,21 Meter einen sauberen Satz. Tausendfach eingeschliffene wie abgespeicherte Bewegungsabläufe, die er mental noch immer in der Lage ist abzurufen. Und das, wo er sich mittlerweile mit zwei Sporteinheiten die Woche und täglichem Radeln ins Büro begnügt. "Er war immer eine Persönlichkeit", sagt auch Tamás Kiss, Trainer von Marie-Laurence Jungfleisch, der das Juniorenspringen mit Interesse verfolgt.

Pokal für Lale Eden für 1,77 Meter

Das beweist Raúl Spank, indem er bei der Siegerehrung mithilft, für die Juniorinnen Blumensträuße samt Küsschen verteilt und Beifall klatscht, als die Beste, Lale Eden vom Heidenmühler FC, für ihre 1,77 Meter ihren Pokal überreicht bekommt. Ein Saisonabschluss mit Erfolgserlebnis für die Studentin der Wirtschaftsinformatik. "Nach dem Wettkampf bin ich immer fertig", sagt die 20-Jährige lächelnd, "die 1,80 Meter hätte ich mir schon noch gewünscht." Doch Lale Eden hat sich einen Urlaub gegönnt, bei der EM in Berlin zugeschaut und ist danach nach Norwegen gefahren. "Ich trainiere erst seit zwei Tagen wieder", meint die ehemalige Ballett-Tänzerin. Eine perfekte Vorbereitung sieht anders aus."

Eberstadt und die magische Hochsprung-Marke
Trainingskameraden, doch im Juniorenspringen von Eberstadt kann es nur einen Sieger geben: Ryan Webb (links) gewinnt nach Stechen gegen William Grimsey.  

Ryan Webb gewinnt mit 2,14 Metern

Respekt zollt Raúl Spank auch Ryan Webb, dem Sieger bei den Junioren und hängt ihm die Medaille um. Der 20-Jährige legt bei seinem letzten Saison-Wettkampf ein finale furioso hin und steht erst nach einem Stechen mit seinem Trainingskameraden William Grimsey als Sieger fest. 2,14 Meter springen sie beide, zwei Zentimeter höher haben sie je vier Fehlversuche. Dann geht es im Rhythmus von zwei Zentimetern abwärts, ehe Webb, Dritter der britischen Hochschulmeisterschaft, nochmals über 2,14 Meter fliegt. "Das ist ein so außergewöhnliches Meeting", sagt Webb.

Er beobachtet, wie Raúl Spank auch noch 2,30 Meter auflegen lässt. Aus Spaß. "Das ist die Höhe, um die es im Hochsprung geht", sagt er. Ganz besonders in Eberstadt.

Mehr zum Thema: Das 40. Hochsprung-Meeting wird das letzte sein