Die Surfer im Schnee starten durch

Snowboard  Der ehemalige Snowboard-Profi Michael Layer aus Oberstenfeld verfolgt weiterhin den Weltcup und die Professionalisierung seines Sports. In der Breite ist Snowboarden rückläufig.

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Die Surfer im Schnee starten durch

Der Oberstenfelder Michael Layer (vorne) verpasste bei der WM 2005 in Kanada im Boardercross als Viertplatzierter nur knapp eine Medaille. Foto: dpa

Wenn heute der Snowboardcross-Weltcup im Montafon beginnt, ist es 15 Jahre her, dass Michael Layer einen Weltcup gewonnen hat − in der Disziplin Boardercross. Der ehemalige Weltklassefahrer ist einer aus der Region, die es international aufs Podest geschafft haben.

Der 41-Jährige ist in Heilbronn geboren und wohnt mit seiner Frau Veronika - auch sie ist einst im Nationalteam gefahren - und den drei Kindern in seinem Heimatort Oberstenfeld.
 
Auf seiner Terrasse steht eine Bank aus alten Snowboards, ein Hochzeitsgeschenk eines Freundes. Die Wand im Esszimmer ziert ein großes Foto einer Alpenkuh. Klar verfolge ich den Weltcup im Internet", sagt Layer über das Opening der sechsteiligen Wettkampfserie in Österreich. Die dritte Station wird vom 31. Januar bis 2. Februar 2020 wieder am Feldberg ausgetragen. Michael Layer hat vor, das Turnier im Schwarzwald vor Ort anzuschauen.

Erste Rennen fuhr Layer im Jahr 1997

Die Entwicklung seines Sports hat er hautnah erlebt, zehn Jahre war er Profi. Die ersten Rennen des Ski-Weltverbands Fis fuhr er 1997, damals wird er bei der Junioren-WM Fünfter im Riesenslalom. Mehr Erfolge als im Slalom feierte Layer im Snowboardcross, auch Boardercross genannt. Der Größte: ein Weltcupsieg 2004 in der Schweiz, ein Jahr später wird er zudem WM-Vierter in Kanada. Sein Wettkampfsport gilt als riskant und spektakulär. Mindestens vier Boarder rasen dabei gleichzeitig die Piste mit Hindernissen wie Schanzen, Wellen und Steilkurven hinunter.

Zu Layers Zeit wird das Surfen im Schnee stetig professioneller: 1998 ist Snowboard zum ersten Mal olympisch, 2002 gründet sich der Snowboard Verband Deutschland. "Snowboarding hat in den vergangenen 20 Jahren eine unglaubliche Dynamik entwickelt", sagt Verbands-Sportdirektor Andreas Scheid. "1998 starteten wir mit Riesenslalom und Halfpipe. Heute gibt es sechs Disziplinen." Dazu zählen Parallel-Riesenslalom, Parallel-Slalom, Snowboardcross, Halfpipe, Slopestyle und Big Air.

"Der Snowboardsport wird immer spezifischer", sagt er. "Früher fuhren manche Boarder in drei Disziplinen, diese breite Ausbildung gibt es nicht mehr", weiß Scheid. Michael Layer sagt: "Snowboarden hat heute einen festen Stellenwert im Wettkampfsport, das Niveau von Material, Training und Leistung ist extrem gestiegen." So sind allein drei Servicemänner für die Boards der Deutschen verantwortlich.

Früher Hype, heute Rückgang

Die Surfer im Schnee starten durch

Michael Layer

Foto: privat

Der Sport begann in den 60er Jahren mit Snurfern, von Surfern entwickelte breite Bretter mit Fußlaschen. Snowboarder sahen sich damals als Rebellen. Im November ist Jake Burton gestorben, ein Snowboard-Pionier aus den USA, der 1977 sein bekanntes Unternehmen gegründet hatte.

Danach wird das Schneevergnügen immer beliebter. "In den 1990ern war Boarden ein Riesenhype", sagt Scheid. Aber vor allem die drehfreudigen Carving-Ski relativierten ihm zufolge den Aufschwung im Breitensport. Der Eindruck auf den Pisten passt zu Zahlen wie jenen des Sporthandel-Verbunds Intersport aus Heilbronn: Dort sind in den vergangenen zehn Jahren die Verkäufe im Wintersport-Segment gesunken, vor allem der Umsatz mit Snowboards fiel dort um fast 75 Prozent.

In Asien dagegen beobachten die Snowboard-Experten Layer und Scheid ein großes Wachstum an der Beliebtheit des Brettsports. So verzeichnete die Rubrik "Snowboard und Ski Freestyle" bei den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang mit 48,8 Prozent die höchste Einschaltquote vor Ski nordisch (34,6 Prozent) und Ski Alpin (16,5 Prozent). 

Michael Layer, mittlerweile Datenschutzbeauftragter eines Ingeneurs-Büros, ist weiterhin begeisterter Snowboarder. Besonders liebt er das Freiheitsgefühl an dem Sport. Für seine zwei größeren Kinder lagern im Keller bereits pistenfertige kleine Boards.

Saison startet gut 

Die Saison 18/19 war nach Angaben von Andreas Scheid, Sportdirektor von Snowboard Germany, die erfolgreichste für das Nationalteam: Bei der WM 2019 erreichte es mit fünf Medaillen den dritten Platz. Auch dieses Jahr starteten die Deutschen erfolgreich: Ramona Hofmeister gewann beim Weltcup-Auftakt in Russland den Parallel-Riesenslalom, Selina Jörg fuhr im Parallel-Slalom auf Platz zwei. Snowboardcrosser Martin Nörl belegte Rang drei beim Europacup-Opening im österreichischen Pitztal. „Die Form passt“, sagt Andreas Scheid zu seinem Team. 

 

 
 

Bigna Fink

Bigna Fink

Volontärin

Bigna Fink ist seit Februar 2019 Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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