Derby abgesagt: Heilbronner Turner bleiben erstklassig

Turnen  Der Bundesliga-Wettkampf des KTT Heilbronn gegen Stuttgart findet am Samstag nicht statt. Der Grund? Zu viele Verletzte bei den Hauptstädtern. Die daraus resultierende 12:0-Wertung sichert Heilbronn den Nicht-Abstieg.

Von Stefanie Wahl

Turn-Derby abgesagt, aber KTT bleibt erstklassig

Gerade noch rechtzeitig gestoppt: Das KTT hat den ersten Einsatz von Reiss Beckford in dieser Saison geplant, doch nach der Absage des Derbys fliegt der WM-Starter nicht nach Deutschland.

Foto: Andreas Veigel

 

Seine Premiere in Heilbronn fällt aus. Am Sonntag fliegt der US-Amerikaner Akash Modi weiter nach Indien - Besuch bei der Verwandtschaft. Zu Beginn des Monats wurde der 23-Jährige mit seinen Teamkollegen bei der WM in Doha Vierter im Mannschaftsfinale. Im Anschluss jettete der Maschinenbau-Student nach Deutschland, trainierte am Kunstturn-Forum in Stuttgart für seinen ersten Einsatz im Trikot des KTT Heilbronn.

Doch daraus wird nichts.

Der Wettkampf am Samstag in der Römerhalle ist abgesagt. Es gibt kein Duell in der 1. Turn-Bundesliga zwischen dem KTT und dem MTV Stuttgart. Am Mittwochabend entscheidet MTV-Präsidentin Ulrike Zeitler nach einer Telefonkonferenz, keine verletzten Athleten einzusetzen. Zu hoch ist das Risiko, zu groß die Verantwortung. "Die Gesundheit der Sportler muss im Vordergrund stehen", wird Zeitler in einer Mitteilung zitiert. Daher sagt der Verein die letzten zwei noch ausstehenden Wettkämpfe der Saison ab. Ein Entschluss, der nicht jedem gefällt.

"Natürlich geht das gesundheitliche Wohl der Sportler immer vor. Dennoch bedauern wir die kurzfristige Absage sehr", sagt Mirko Wohlfahrt, Abteilungsleiter der Deutschen Turnliga (DTL).

Bitteres Ende schon vor dem Rückzug

Ein bitteres Ende ohne würdigen Abschied, denn bereits am 11. September wird publik, dass sich die Männer des MTV zum Saisonende aus der Premiumklasse zurückziehen.

Neben der schwierigen Vergütungslage für die Athleten sind die Stuttgarter auch mit der Gesamtsituation in der 1. Bundesliga unzufrieden, zudem kommen immer weniger Zuschauer in die Scharrena. Geprägt aber sind die vergangenen Monate von Verletzungsserien. Ein kaum noch konkurrenzfähiges Rumpfteam kämpft sich tapfer durch die ohnehin terminlich stark zerpflückte Saison. Derzeit sind nur zwei Turner gesund.

Das hat Folgen für das KTT. Der ausgefallene Wettkampf wird mit 12:0 für Heilbronn gewertet. Das gleiche Ergebnis wird dem TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau eine Woche später gut geschrieben. Damit steht Stuttgart vorzeitig als einziger Absteiger fest. Das bisher noch punktlose Kunstturnteam Heilbronn profitiert, rückt damit auf den vorletzten Platz der Tabelle und bleibt definitiv erstklassig.

Heilbronner als Nutznießer des Rückzugs

"Wir sind Nutznießer, hätten die Situation aber lieber sportlich gelöst", sagt Rainer Arnold, der das KTT mit Kai Werner trainiert. Auch, um sich potenziellen Sponsoren positiv zu präsentieren. "Es ist schade. Wir haben uns auf das Derby gefreut, wollten gewinnen und haben uns entsprechend vorbereitet."

Gerade noch rechtzeitig stoppt Arnold den Flug von Reiss Beckford. Der Brite, der international für Jamaika startet, ist erstmals in dieser Saison fix eingeplant gewesen. Nun ist der 26-Jährige für den finalen Wettkampf am 17. November umgebucht. Rainer Arnold, der als Cheftrainer des Bundesstützpunktes Stuttgart im Kunstturn-Forum tätig ist, spürt an seinem Arbeitsplatz die angespannte Stimmung: "Es ist schade für die Turner in Stuttgart, und auch insgesamt für die Liga ist das nicht so toll."

Zumal mit dem KTV Obere Lahn, dem nächsten Gegner der Heilbronner, noch ein weiterer Club seinen Rückzug nach dem Saisonende bekanntgegeben hat.

Skurril ist: Der letzte Verein von Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen besitzt noch die Chance, in das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft einzuziehen.

Heilbronner wollen finanzielle Bedingungen verbessern

Die Heilbronner Riege ist überraschend gerettet - trotz einer sportlich unglücklich verlaufenden, da gleichfalls von Verletzungen gekennzeichneten Saison. Um im dritten Jahr der Erstklassigkeit 2019 besser dazustehen, gilt es primär, die finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern, um sich eine qualitativ stärkere Mannschaft zu leisten. Nur dann hat das Team aus dem Unterland eine realistische Chance, aus eigener Kraft zu beweisen, dass es auch mittelfristig in die erste Liga gehört.