Das letzte Hochsprung-Meeting in Eberstadt

Leichtathletik  Das 40. Hochsprung-Meeting in Eberstadt ist das Ende einer Ära. Oberbürgermeister Mergel räumt einem Umzug nach Heilbronn keine große Chance ein.

Von Stefanie Wahl

Das letzte Mal
Das 40. und letzte Hochsprung-Meeting vom 24. bis 26. August in Eberstadt findet ohne Weltmeister Mutaz Essa Barshim statt, der Katari ist verletzt und wird am Sprunggelenk operiert. Foto: Andreas Veigel  

Peter Schramm zögert kurz, ehe er sagt: "Irgendwie habe ich gedacht, wir kriegen nochmal Rückenwind durch die drei vergangenen hervorragenden Meetings mit den sportlichen Topleistungen." Ohne Pathos fügt er hinzu: "Aber das war nicht so." Es schwingt keine übertriebene Enttäuschung in seinen Worten mit -  für den Sportdirektor des Hochsprung-Meetings in Eberstadt ist schon im vergangenen Jahr klar gewesen, dass die 40. Veranstaltung auch die letzte sein wird. 

So bitter es in den Augen der Leichtathletikfreunde auch sein mag, die Fakten sprechen dagegen: Das Gros der wichtigsten Geldgeber hat seinen Ausstieg angekündigt oder - wie im Falle von Audi - sein Engagement bereits um die Hälfte reduziert. "Die vergangenen drei Jahre haben wir darauf hingearbeitet, dieses 40. Meeting überhaupt noch zu schaffen", sagt Peter Schramm. Jetzt, wo der pensionierte Sport- und Religionslehrer 75 Jahre alt ist, mit Harry Brunnet der 1. Vorsitzende des Trägervereins in Ruhestand geht und der Geburtstag ansteht, ist ein würdiger Zeitpunkt für das letzte Mal gekommen.

Rücklagen sind aufgebraucht

Immer enger sind die Kalkulationen geworden, wenn im Frühjahr die Entscheidung angestanden hat, ob ein weiteres Meeting zu finanzieren ist. Ohne die Absicherung des Trägervereins und dessen Rücklagen ist es ohnehin längst nicht mehr gegangen. Doch nun sind auch diese so gut wie aufgebraucht.

Der Gesamtetat des Meetings liegt bei 160 000 Euro - nicht eingerechnet die Posten, die beispielsweise der Bauhof in Eberstadt großzügigerweise ohne eine Gegenleistung übernimmt. Ein Mosaik aus dem Erfolgspuzzle Eberstadt, das nicht nur wegen seiner zwei Weltrekorde und der insgesamt 238 Sprünge über 2,30 Meter Weltruhm erlangt hat. "Der Ruf von Eberstadt ist ein besonderer", sagt Peter Schramm - und doch hat der Hochsprung-Experte zuletzt immer mehr das Gefühl gehabt, "dass das Meeting weltweit höchste Anerkennung genießt, aber vor der eigenen Haustüre die Anerkennung fehlt."

Stagnierende Zuschauerzahlen

Noch einmal springen sie, dann ist Schluss. Endgültig. Schon jetzt ist das Wehklagen groß, weil wieder ein Traditions-Meeting stirbt. Ein reflexartiges Verhalten. Doch die Zuschauerzahlen stagnieren seit Jahren auf niedrigerem Niveau. Vorbei sind die Zeiten, in denen 3000 Begeisterte in der Arena sitzen.

"Jetzt geht Eberstadt den Bach runter - eine herausragende Veranstaltung, die den Ort und die Leichtathletik über Jahrzehnte hinweg berühmt gemacht hat", sagt Karl-Heinrich Lebherz, Ehrenpräsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV). Sein Nachfolger Jürgen Scholz "verspürt Wehmut" und zeigt gleichwohl Interesse, das Meeting zu retten. Seine Idee: Ein Hochsprung-Wettbewerb eingebettet in einen Tag des Sports mit breitensportlichen Angeboten.

Mergel: Alles hat seine Zeit

"Wenn die Stadt Heilbronn Interesse zeigt, unterstützt der WLV gerne", sagt Scholz. "Wir wollen Gespräche mit der Stadt und dem DLV führen." Einen ersten Versuch hat es am Rande der deutschen Meisterschaften U 23 in Heilbronn gegeben - ohne großen Erfolg. Oberbürgermeister Harry Mergel sagt klar: "Vor zehn Jahren haben wir die Türen sehr weit aufgemacht, mittlerweile sage ich: Alles hat seine Zeit. Du kannst die große Zeit und das spezielle Gefühl von Eberstadt nicht einfach so verpflanzen. Ich gebe der Idee keine große Chance."

Eher plädiert er für eine Weiterentwicklung der vorhandenen Veranstaltungen wie dem Trollinger Marathon, der Triathlon-Challenge oder dem Stimme-Firmenlauf.

Das Aus kommt mit 40. "Vielleicht eine gescheite Entscheidung", sagt Harry Mergel.