Bundestrainer Rumpus: "Es lief mehr als optimal"

Speedskating  Die deutschen Speedskater mit Interims-Bundestrainer Bernd Rumpus aus Flein überraschen bei der Weltmeisterschaft und lassen einige große Speedskating-Nationen hinter sich.

Von Lars Müller-Appenzeller

Kreative, die über sich hinausgewachsen sind

Die erste Juli-Woche war für Bernd Rumpus olympisch: Morgens um 5.30 Uhr aufstehen, um 1 Uhr sei er jeweils erst ins Bett gekommen, sagt der 62-Jährige aus Flein.

Acht Tage lang ging es in Heerde (Niederlande) von frühmorgens bis spätabends sprichwörtlich rund, bei den Speedskating-Weltmeisterschaften fielen in 38 Wettbewerben Entscheidungen - mit vier Starterinnen und Startern des SSF Heilbronn und Bernd Rumpus erstmals als hauptverantwortlichen Bundestrainer. Sein Fazit: "Es lief mehr als optimal."

Verband fragt bei Rumpus nach seiner Zukunft an

Das kleine Grüppchen aus Germany mit 13 Aktiven, acht Junioren und deren zwei Trainern hat aufhorchen lassen, gut abzulesen im Medaillenspiegel. Der wurde wie gewohnt von Kolumbien angeführt (20 Gold-/15 Silber-/und 9 Bronzemedaillen), gefolgt von Südkorea (3/4/4), Taiwan (3/0/1) und: Deutschland (2/2/2).

Dass Speedskatingnationen wie Frankreich und Italien, die Heerscharen von hauptamtlichen Trainern beschäftigen, geschlagen wurden, macht Bernd Rumpus stolz. Und ließ den Deutschen Rollsport und Inlineverband rasch handeln: "Der Verband ist sehr zufrieden und fragte an, ob ich weitermachen möchte", sagt Bernd Rumpus. Der Lehrer im Unruhestand überlegt noch, gibt aber indirekt die Antwort: "Die WM hat extrem viel Spaß gemacht. Und ich habe viel gelernt."

Die Lehre der WM lautet: Geduld zahlt sich aus. Die Stimmung im Team litt unter dem gemeinsamen Training mit den Taiwanesen (Rumpus: "Die Frauen dort laufen wie unsere schwächeren Männer"). Und beim deutschen Star Felix Rijhnen lief es nicht so recht. "Ich habe das Team, mich selbst immer wieder beruhigt", sagt Bernd Rumpus. Die Geduld zahlte sich aus: Der Darmstädter Rijhnen triumphierte am Sonntag im abschließenden Marathon - das zweite Gold nach Mareike Thums Sieg über die 1000 Meter.

Am oberen individuellen Limit bewegt

Sehr großen Anteil an Rijhnens Coup hatte SSF-Skater Patrick Reuter. Rijhnens Helfer "hat auf einer Brücke die Lücke zu Felix von 20 Sekunden auf 40 vergrößert", berichtet Bernd Rumpus. Auch der für Ungarn startende SSF-Kollege Fabian Dieterle habe sich bei der WM in Zielnähe, dem oberen individuellen Limit bewegt. Rumpus" Tochter Katharina wurde im Marathon 23., der 17-jährige Junior Luca Berti überraschte mit einem neunten Platz. Rumpus: "Er ist über sich hinausgewachsen." Das ganze Team, wie der Vergleich mit Taiwan zeigt.

Von der Physis seien die Taiwanesen weit überlegen, sagt Bernd Rumpus. Doch dazu kommen die Taktik und das Mentale. "Wir sind wenige Sportler, aber kreativ. So können wir dagegenhalten." So haben Trainer und Athleten eine Perspektive. Und die ganze Sportart: Bei den Olympischen Jugendspielen im Oktober in Buenos Aires ist Speedskating im Programm.

Kreative, die über sich hinausgewachsen sind

Im Gleichschritt (von links): Luca Berti, Patrick Reuter und Fabian Dieterle − Trainer Bernd Rumpus (ganz links) ist mit dem Trio zufrieden.

Fotos: Mario Berger/Ralf Berti