Atakan Karazor, der Stratege fürs VfB-Zentrum

Fußball  Aus Kiel gekommener Ruhrpott-Kicker Atakan Karazor ist als Mittelfeld-Sechser beim VfB Stuttgart eingeplant. Im Trainingslager von Kitzbühel hinterlässt der 22-Jährige einen starken Eindruck.

Von Andreas Öhlschläger

Atakan Karazor, der Stratege fürs VfB-Zentrum

Vom Bolzplatz ins VfB-Trikot: Stuttgarts Neuzugang Atakan Karazor.

Foto: dpa

Als Kind hat Atakan Karazor auf dem Bolzplatz gekickt, "sehr oft". Wenn man ihn heute als Fußballprofi spielen sieht, ist der neue Mittelfeld-Mann des VfB Stuttgart aber alles andere als ein Bolzplatz-Zocker. "Ich versuche passsicher zu sein, bin weniger der Tricksertyp", bekennt der 22-Jährige, der zusammen mit Trainer Tim Walter von Holstein Kiel nach Stuttgart gekommen ist.

Karazor überzeugt auf dem Platz als ruhiger Stratege. Zweikampfstark, laufstark, mit vielen überlegten Ballaktionen. Viel spricht dafür, dass ihn der Trainer auch beim VfB ins Zentrum des Geschehens stellen wird. "Ich war früher Zehner, in der U16 war das", erzählt der gebürtige Essener. "Dann kam der Trainer zu mir und hat gesagt: Hey, du, schlaksige Art, guter Zweikämpfer, ich stell dich auf die Sechs." Das ist seither Karazors Lieblingsposition.

Seine Idole sind zwei Spanier, Cesc Fabregas und Sergio Busquets. "Mir gefällt diese ruhige Art." Atakan Karazor kann aber auch anders. Wenn er nicht auf dem Platz steht. Dann darf es auch mal ein bisschen wilder zugehen. "Ich bin ein spontaner Typ, mit mir kann man über alles reden, mit mir kann man Pferde stehlen." Aber: "Wenn es auf dem Platz hart auf hart kommt, kann ich die Ernsthaftigkeit in Person sein."

VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger ist froh, den Ruhrpott-Jungen im Kader zu haben. "Atakan macht das gut, auch so als Typ, der hat Spaß am Fußball und verbreitet diese positive Grundstimmung, die wir hier brauchen." Von Abstiegs-Depressionen ist im Stuttgarter Trainingslager nichts mehr zu spüren.

Karazor weiß genau wie der neue Trainer tickt

Karazor sitzt auf einem Sofa in der Lobby des Hotels Kitzhof. Angenehm kühl ist es hier. Unten auf der Sonnenterrasse trinkt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat entspannt einen Kaffee. Es läuft gut in der Saisonvorbereitung. Und es soll auch in der Punkterunde gut laufen. Atakan Karazor setzt darauf, dass die Taktik des Trainers bald in allen Spielerköpfen fest verankert sein wird. "Ich weiß, dass es manchmal ein bisschen verwirrend sein kann. Aber wie es die Jungs bis jetzt machen, ist echt top."

Der Ex-Kieler kennt die Ideen von Tim Walter länger als alle anderen in Stuttgart. Der 22-Jährige lobt den Coach in den höchsten Tönen. "Er ist ein Taktikfuchs." Ein ganz spezieller. "Die Spielweise des Trainers ist einzigartig. Das sieht man bei keinem Verein auf der Welt so."

Karazor erklärt den Teamkollegen schon mal bestimmte Dinge. "Wir haben jetzt nicht den halben Kader von Kiel mitgenommen", witzelt Thomas Hitzlsperger. "Aber den Anderen traue ich das zu, dass sie sehr schnell verinnerlichen, dass wir jetzt anders Fußball spielen wollen."

In Kitzbühel ist Atakan Karazor zusammen mit Hamadi Al Ghaddioui, dem in Bonn geborenen Deutsch-Marokkaner, in einem Zimmer untergebracht. Gemeinsam haben beide, dass sie nicht schon mit 18, 19 Jahren Shootingstars waren. Stetig haben sie sich im Fußball nach oben gearbeitet. "Ich bin immer Schritt für Schritt gegangen", sagt Karazor. Als er in Kiel 2018 weit weg war von einem Platz in der Zweitliga-Startelf, kämpfte er sich in die Mannschaft. "Ich war in so einem kleinen persönlichen Loch. Gottseidank habe ich mich irgendwann aus dem Loch gerettet."

Anspruchsvoller Auftakt in die Mission Wiederaufstieg

Eine Eingewöhnungsphase in der 2. Liga gibt es für den Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart nicht. Es geht volle Pulle los. Die ersten drei Gegner sind Hannover, Heidenheim und St. Pauli, allesamt potenzielle Spitzenmannschaften. Topfavorit ist aber der VfB. "Wir sind die Gejagten", sagt Atakan Karazor.

Er freut sich sehr aufs erste Spiel, zu Hause vor knapp 60 000 Fans. "Ich hab erst ein Mal vor 50 000 in Köln gespielt. Ich bin sowas nicht gewohnt, das ist schon mega, davon hat man als kleiner Junge geträumt." Damals auf dem Bolzplatz.

 


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