Kunstradfahren
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21 Tage Quarantäne für elf Tage Sport in Deutschland

Zwei Kunstradfahrerinnen aus Hongkong haben sich mit Rolf Halter in Erlenbach auf die Weltmeisterschaft in Stuttgart vorbereitet. Bei ihrer Rückkegr in die Heimat wartet nächste Woche eine lange Quarantänezeit auf sie.

Marc Schmerbeck
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21 Tage Quarantäne für elf Tage Sport in Deutschland
Rolf Halter mit Hiu Shuen Wong (hinten) und Ka Man So. Foto: Marc Schmerbeck

Ruhig drehen Hiu Shuen Wong und Ka Man Kammy So ihre Runden in der Sulmtalhalle. Der Erlenbacher Trainer Rolf Halter beobachtet genau, korrigiert mal kurz oder gibt Hilfestellung.

Die beiden Kunstradfahrerinnen aus Hongkong bereiteten sich zu Beginn dieser Woche auf die am Freitag beginnende Hallenrad-Weltmeisterschaft in Stuttgart vor. "Normalerweise ist unser Trainer aus Hongkong auch mit dabei. Aber wegen Corona ging es in diesem Jahr nicht", sagt So. Die gesamte Delegation aus Hongkong besteht in diesem Jahr nur aus vier Sportlern. Und so wird Halter am Wochenende in der Porsche Arena auch die Radballer betreuen.

Eine große Rolle werden die Sportler aus China bei der Medaillenvergabe nicht spielen. "Ich denke, sie sind im unteren Mittelfeld einzuordnen", sagt Halter. "Eine Finalteilnahme ist absolut nicht drin. Zwei Finalplätze sind durch deutsche Fahrerinnen besetzt, dazu kommen die starken Östereicherinnen und Schweizerinnen. Auch die Italienerin ist hoch einzuschätzen."

Großer Aufwand für wenig Chancen aufs Finale

Umso höher ist der Aufwand einzuschätzen, den Architekturstudentin So und Krankenschwester Wong in Pandemie-Zeiten auf sich nehmen. Elf Tage sind sie insgesamt in Deutschland. Wenn sie zurückkommen, werden sie direkt in ein Hotel am Flughafen für zwei Wochen in Quarantäne geschickt. Dabei muss das Hotel selbst bezahlt werden - mit einem kleinen Zuschuss. Danach stehen noch sieben Tage häusliche Quarantäne an - trotz Impfung mit Biontech.

Seit 1989 ist Halter international für den Kunstradsport tätig

"Es ist schon extrem, was sie an Opfer bringen, nur um hier dabei sein zu können", sagt Halter. Seit 1989 ist er international in Sachen Kunstrad tätig. Damals begann er in Malaysia mit der Pionierarbeit. "Seit 2000 gibt es einen intensiven Austausch mit Hongkong", sagt der Erlenbacher. Seitdem sind regelmäßig Sportler in Erlenbach zu Gast. "Kunstradfahren ist ähnlich wie Turnen", sagt So. "Nur schwerer, weil man die Übungen auf einem Rad macht, das sich bewegt."

Am vergangenen Wochenende waren Wong und So bei einem Testwettkampf im Rahmen des Weltcup-Finales in Albstadt am Start. "Seit Sonntagmittag trainieren wir jetzt hier", sagt Halter. Er feilte mit den beiden auch an deren Kür, stellte das Programm etwas um. Zeit für etwas Sightseeing gab es da nicht. Einen Abstecher in die Weinberge machten sie mal zwischendurch. "Es gefällt uns gut", sagt Wong. Vor allem das Klima mag sie: "Das ist wie wenn ich zu Hause die Klimaanlage anschalte", sagt sie.

Am Freitag geht es für So und Wong in Stuttgart bei der WM los

Mittwochmittag verlegten sie dann ihren Aufenthalt aus dem Sulmtal nach Stuttgart. Am Freitag bestreiten sie in der Porsche Arena den Vorkampf im Einzel der Frauen. Für das Finale am Samstag werden sie sich sicher nicht qualifizieren. Dafür haben sie sich zum Ziel gesetzt, ihr Bestes zu geben und im Idealfall eine neue Bestleistung aufzustellen. Die von Wong liegt bei 104,55 Punkten, So hat den Bestwert von 93,76 zu Buche stehen. Zum Vergleich: Siegerin Milena Slupina (Bernlohe) fuhr beim Weltcup-Finale 188,29 Punkte heraus.

Am Sonntag treten So und Wong dann noch im Zweier der Frauen an. Auch hier werden sie mit einer Bestleistung von 85,75 Punkten nur wenige Chancen auf das Finale haben. Die Vorfreude auf die WM ist trotzdem groß. "Die Atmosphäre in der Halle wird toll sein", sagen sie. "Wie bei einem Festival."

Die beiden regionalen Starter Serafin Schefold und Max Hanselmann (RV Öhringen) wollten ebenfalls am Mittwoch ihre erste Trainingseinheit in der Porsche Arena absolvieren. Am Samstagabend steht für sie dann die Mission WM-Titelverteidigung im Zweier Open an.

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