200 Millionen Euro an Vereine und einige offene Fragen

Sport  Die Profivereine der ersten und zweiten Ligen im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball sowie der dritten Fußball-Liga erhalten für den Wegfall ihrer Zuschauereinnahmen insgesamt 200 Millionen Euro Nothilfe vom Bund. Ein entsprechender Nachtragshaushalt zur Finanzierung des Konjunkturpakets wurde am Donnerstag im Bundestag beschlossen.

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Die Corona-Krise soll die Proficlubs abseits der Fußball-Bundesliga wirtschaftlich nicht komplett umhauen. Auch die Merlins Crailsheim (in Weiß) und die Riesen Ludwigsburg werden von der Nothilfe des Bundes profitieren.

Foto: Marc Schmerbeck

Auch die Profiteams der Frauen können Hilfen beantragen. Das Paket dient dazu, Vereinen, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, zu helfen und drohende Insolvenzen zu verhindern.

"Wir empfinden es als ermutigendes und wichtiges Signal der Bundespolitik, dass unser Werben um massive Unterstützung des Sports in dieser schwierigen Zeit auf positive Resonanz getroffen ist", sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Mit der Unterstützung seien die Chancen deutlich verbessert, die Vielfalt der Sportlandschaft in Deutschland erhalten zu können.

Prinzipielle Zustimmung bei der Neckarsulmer Sport-Union

Der Präsident des Deutschen Handballbundes, Andreas Michelmann, betonte: "Wir sehen diese Überbrückungshilfen auch als Anerkennung unserer gesellschaftlichen Bedeutung als Sportarten und wissen dies zu schätzen."

Auch bei der Neckarsulmer Sport-Union stieß das Signal der Politik prinzipiell auf Zustimmung. Denn vor dem Beschluss des Bundestages am Donnerstag war zunächst noch nicht einmal klar gewesen, ob die Bundesliga-Frauen überhaupt für die Förderung in Frage kommen. Dennoch bleibt NSU-Geschäftsführer Kai Stettner eher vorsichtig optimistisch: "Generell klingt das alles gut, aber wir müssen mal abwarten, inwieweit die Gelder später an tatsächlich entstandene Verluste geknüpft sind."

Ist eine Nothilfe trotz solidem Wirtschaften möglich, wird die Sport-Union natürlich nicht Nein zu zusätzlichem Geld in schweren Zeiten sagen und einen Antrag stellen. Genauso wie der DEL-2-Club Heilbronner Falken. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, Franz Reindl, schaut beim Erwirken der Nothilfe auch gerne über die Bande der Eisfläche hinaus: "Es hat sich gezeigt, dass das Bündnis der Teamsportarten eine starke Stimme besitzt. Auch unser Sport begeistert regelmäßig Tausende Fans im ganzen Land und kann in ganz besonderen Momenten auch Millionen fesseln."

Merlins sehen sich bei weiteren Spielen ohne Zuschauer angezählt

Begeistert haben zuletzt auch zehn BBL-Clubs mit ihrer Finalrunde in München. Das Basketball-Turnier unter ganz speziellen Hygiene-Bedingungen und mit vielen Herausforderungen hat nicht wenig Geld gekostet. Da kommt eine Finanzspritze der Politik natürlich nicht ungelegen. Auch für die Riesen Ludwigsburg und Merlins Crailsheim. "Wir verfolgen es gespannt", sagt der Crailsheimer Geschäftsführer Martin Romig. "Aber wir haben auch noch keine detaillierten Informationen. Deshalb kann ich nicht sagen, inwieweit es sich für uns bemerkbar macht."

Ein Problem ist, dass nicht klar ist, ob nur die reinen Einnahmen durch Eintrittsgelder geltend gemacht werden können oder ob auch die Verluste durch die entgangenen Einnahmen durch die Gastronomie und Vip-Angebote angerechnet werden. "Tatsache ist nur, wenn weiterhin keine Zuschauer zugelassen werden, dann sind wir angezählt. Und so geht es sicher den meisten Vereinen abseits der ersten und zweiten Fußball-Ligen."

Maximal 800.000 Euro als Nothilfe

Die Nothilfe sieht vor, dass die ausbleibenden Zuschauereinnahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 mit 80 Prozent der Nettoerlöse nach Abzug der Verkaufsgebühren und Mehrwertsteuer erstattet werden. Maximal könne ein Verein eine Zuwendung in Höhe von 800.000 Euro erhalten, wenn er zuletzt mehr als eine Million Euro an Zuschauereinnahmen gehabt habe. Ein Club, der 100.000 Euro Einnahmen gehabt habe, könne 80.000 Euro bekommen.

Neben den Ligen könnten in besonderen Fällen auch Sportverbände und Einzelsportarten Zuwendungen erhalten. Dies wäre zum Beispiel bei Einnahmeausfällen bei der Ausrichtung eines Final-Four-Turniers in einem deutschen Pokal-Wettbewerb oder von Länderspielen der Fall.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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