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Red-Devils-Siegercoup gegen Aufsteiger Weingarten mit "dem Opa"

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Bundesligist Red Devils Heilbronn schlagen SVG 04 Weingarten in der Römerhalle mit 14:12. Chefcoach Adam Juretzko spielt dabei eine ganz besondere Rolle.

Das Duell, das sportlich die Entscheidung bringt: Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rotes Trikot) bezwingt den Rumänen Ionut Panait.
Das Duell, das sportlich die Entscheidung bringt: Red-Devils-Cheftrainer Adam Juretzko (rotes Trikot) bezwingt den Rumänen Ionut Panait.  Foto: Alexander Bertok

Schnell zückt Pasquale Passarelli sein Smartphone und filmt. Jene sechs Minuten, die in der Bundesliga-Begegnung zwischen den Red Devils Heilbronn und dem SVG 04 Weingarten sportlich die Wende bringen. Jenen Mann, der mit seinen 52 Jahren ein Phänomen auf der Matte ist: Adam Juretzko. Jenen Kampf im klassischen Stil bis 75 Kilo, der dank einer klugen Umstellung der Heilbronner das Überraschungsmoment liefert, für die Entscheidung sorgt und in der Folge den 14:12-Erfolg bringt.

Olympiasieger Pasquale Passarelli hat viel Respekt

Adam Juretzko, Cheftrainer der Roten Teufel, ist der Held des Abends und Pasquale Passarelli sagt mit voller Respekt: „Wenn alle so ringen würden wie er, wäre es spitze. Es ist schon Wahnsinn, was er geleistet hat. Er hat einen Willen und das macht unheimlich viel aus.“ Der 67-jährige Passarelli hat diesen Willen bei den Spielen 1984 in Los Angeles gezeigt, als er im Finale gegen den Japaner Masaki Eto 84 Sekunden lang in der Brücke ausharrt und Olympiasieger wird. Nach Neckargartach ist er am Samstagabend gekommen, weil er einen engen Kampf erwartet.

Den sieht er auch – mit Red Devils, die in ihrem ersten Heimkampf der Saison den starken Aufsteiger schlagen. „Das war unser Poker“, sagt Geschäftsstellenleiter Eduard Popp und meint das Risiko, Adam Juretzko bis 75 Kilo gegen Ionut Panait zu stellen und Alexander Zentgraf ins Limit bis 80 Kilo gegen den kasachischen Topringer Tamerlan Shadukayev. „Das ist definitiv ein richtiger Zug gewesen, er hat uns mit den Sieg beschert. Das bringt wieder Sicherheit rein und macht Spaß auf Mehr“, sagt Eduard Popp, der sich gegen den WM-Dritten Oscar Pino Hinds aus Kuba bei seiner 0:3-Punktniederlage selbst mehr als achtbar geschlagen hat.

Das Duell zweier Dinos

Zum Hingucker aber wird das Duell der Dinos. Wieder einmal stellt sich Adam Juretzko, der in einer Woche seinen 53. Geburtstag feiert, in den Dienst der Mannschaft. Er kennt den Rumänen Ionut Panait und sagt über den einstigen Vizeeuropameister: „Er ist wie ein Pitbull. Wenn er sich einmal verbeißt, ist er brutal. Er ist auch schon 43, aber wenn du ihn besiegen willst, musst du über die Grenzen gehen.“ Juretzko gelingt dies einmal mehr – dank zwei früher Wertungen, eine davon, als Panait in die Bodenlage muss. Jetzt sind endlich auch die Heilbronner Zuschauer aufgewacht, denn unter den knapp 250 Zuschauern in der Römerhalle sorgen bisher fast nur die etwa 30 mitgereisten Weingartener Fans für Stimmung und Konfetti-Regen zum Auftakt. Mit „Adam, Adam“-Rufen aber feiern nun auch die Unterländer Ringerinteressierten.

Erholung von den körperlichen Strapazen

Der vielfach gelobte Juretzko läuft nach seinem Kampf noch minutenlang mit entblößtem Oberkörper umher und erholt sich von den körperlichen Strapazen. „Ich bin okay, aber die sechste Minute ist immer länger geworden“, sagt er bescheiden und hält sich doch den getapten Finger. Wissend um seinen Coup meint er: „Ich bin nicht der Einzige, wir haben alle gut gekämpft.“ Und über den prominenten Gast: „Das ist schon eine Ehre, dass Pasquale kommt. Ich habe schon gegen ihn gerungen, als ich noch ganz ganz jung war und auch mit seinem Bruder Claudio in dessen einstigem Café Restaurant Silvester gefeiert.“

Für Adam Juretzko zählen nach der 0:40-Niederlage ob der fehlenden Lizenz von Damian Macun gegen Burghausen im Hier und Jetzt die wichtigen zwei Punkte. „Wir sind wieder zurück und haben jede Gewichtsklasse besetzt – auch mit dem Opa.“

Einer der ganz besonderen Abende

Für Eduard Popp ist es gleichfalls wichtig gewesen „zu sehen, wo wir stehen. Weingarten ist ein Verein, mit dem wir uns messen können. Es war ein 50:50-Kampf, der für uns ausgegangen ist.“ Das löst auch bei der Vereinsführung der Red Devils Freude aus. Abteilungsleiter Denis Berberovic sagt: „Das ist einer der ganz besonderen Abende, super klasse.“ Sein Stellvertreter Nico Lang zeigt auf die beiden großflächigen Transparente in der Halle. Auf einem steht: Respekt & Leidenschaft. Auf dem anderen: Hier wird gekämpft. Alles hat an diesem Abend zugetroffen. Passend dazu ergänzt Lang: „Wir sind lebendig.“

Dies soll auch am Samstagabend wieder sichtbar werden, wenn die Roten Teufel beim derzeit Tabellenletzten, der KG Baienfurt-Ravensburg antreten werden.

Pasquale Passarelli ist unter den Zuschauern in der Römerhalle gewesen und beeindruckt vom Heilbronner Erfolg.
Pasquale Passarelli ist unter den Zuschauern in der Römerhalle gewesen und beeindruckt vom Heilbronner Erfolg.  Foto: Alexander Bertok

Red Devils Heilbronn – SVG 04 Weingarten 14:1261 Kilo Freistil (FS): Recep Topal - Horst Lehr 0:3 (PS 0:9); 66 Kilo Griechisch-Römisch (GR): Abdolmohammad Papi - Janis Heinzelbecker 4:0 (TÜ 16:0); 71 Kilo FS: Hossein Alizadeh - Marcel Wagin 0:1 (PS 3:4); 75 Kilo GR: Adam Juretzko - Ionut Panait 2:0 (PS 6:0); 75 Kilo FS: Ramazan Ramazanov - Manuel Wagin 3:0 (PS 17:3); 80 Kilo GR: Alexander Zentgraf - Tamerlan Shadukayev 0:4 (TÜ 0:16); 80 Kilo FS: Gadzhimurad Alikhmaev - Jeremy Weinhold 3:0 (PS 9:0); 86 Kilo GR: Yaroslav Filchakov - Jan Fischer 2:0 (PS 6:0), 98 Kilo FS: André Timofeev - Tariel Gaphrindashvili 0:2 (PS 0:6), 130 Kilo GR: Eduard Popp - Oscar Pino Hinds 0:2 (PS 0:3).

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