Red Devils Heilbronn verpassen Bundesliga-Playoffs
Die Erstliga-Ringer der Red Devils Heilbronn unterliegen Urloffen in der mit 150 Zuschauern nur sehr spärlich besetzten Neckargartacher Römerhalle. Das verstärkt die Frage, wie es weitergeht?

Mit jedem Schluck seines Feierabend-Bieres gleicht Adam Juretzko nicht nur das Flüssigkeitsdefizit wieder etwas aus – der 53-Jährige hat am Samstagabend gegen den internationalen Topmann Aik Mnatsakanian (0:9) viel Schweiß gelassen. Vielmehr braucht der Cheftrainer der Red Devils Heilbronn auch etwas, um den Frust über die bittere 12:25-Niederlage gegen den ASV Urloffen zu verdrängen. Der Ringer-Bundesligist bleibt in der Rückrunde weiter ohne einen Sieg – und hat aufgrund des parallel errungenen Erfolgs des AC Lichtenfels gegen Weingarten nun auf sportlichem Wege auch die Playoffs verspielt. Der dafür notwendige vierte Platz in der Gruppe Süd ist weg, daran würde selbst ein Sieg im letzten Heimkampf der Saison am Samstag (19.30 Uhr) in der Neckargartacher Römerhalle gegen Lichtenfels nichts mehr ändern.
Abteilungsleiter empfindet Kulisse "ernüchternd"
Ob dann die Halle hell erleuchtet ist? Gegen Urloffen sitzen gerade einmal noch 150 Zuschauer in zwei Blöcken da. Eine traurige Bundesliga-Kulisse, ein trister Anblick. „Es ist ernüchternd“, sagt Red-Devils-Abteilungsleiter Denis Berberovic. „Gegen Weingarten und im Derby gegen Schorndorf hat der Gegner viele Fans mitgebracht. Entsprechend ist die Kulisse gewesen. Zieht man sie aber ab, hat es da schon mau ausgesehen. Jetzt war es ganz schlecht, aber ich hatte damit gerechnet.“Es hat sich herumgesprochen, dass die Red Devils Schwierigkeiten haben, ihre beste Mannschaft auf die Matte zu bringen. Das wirkt sich aus. Die Ringer wiederum spüren, dass der Rückhalt fehlt – ein Ping-Pong-Spiel ohne Gewinner. Gegen Urloffen bleibt die Klasse bis 71 Kilo unbesetzt, Nika Korshia erhält kampflos vier Mannschaftspunkte, so dass es zur Halbzeit bereits 4:15 steht.
Popps erster Schultersieg im Freistil
Beifall erhält Eduard Popp nach seinem Schultersieg im Freistil gegen den 40 Kilo leichteren Andrej Schwarzkopf. „Das ist tatsächlich mein erster Schultersieg in dieser Stilart“, sagt der 33-Jährige.Glücklich blickt aber auch der Sportliche Leiter der Red Devils nicht drein. „Es ist im Gesamten sichtbar, dass ein wenig die Luft raus ist. Trotzdem liefern wir gute Kämpfe und stellen auf die Beine, was möglich ist.“ Wie die technische Überlegenheit von Ramazan Ramazanov beweist. Der Russe mit bulgarischem Pass bleibt in dieser Saison weiter unbesiegt – eine beeindruckende Serie. Joshua Knosp wehrt sich zwar tapfer, doch das Freistil-Ass ist zu fokussiert auf seine Aktionen, zu routiniert, zu versiert.
Berberovic kritisiert die fehlende Anerkennung
„Wir betreiben hier einen Riesenaufwand, das kann man sich nicht vorstellen. Weil es nicht honoriert wird, ist alles schwierig, was das Finanzielle angeht. Entsprechend stellt man auch die Mannschaft. Das hat alles miteinander zu tun, ist eng verzahnt“, sagt Denis Berberovic. „Wir haben die besten Voraussetzungen. Dass dann so etwas dabei herauskommt, ist wirklich traurig.“
In guten wie in schlechten Zeiten
Adam Juretzko, der sich seit September in den Dienst der Mannschaft stellt und Woche für Woche „seine alten Knochen hinhält“, wie es Hallensprecher Marcel Glaser liebevoll beschreibt, sagt über die Zuschauersituation: „Die Zuschauer, die jetzt kommen, das sind die wahren. Sie sind mit dem Verein in guten wie in schlechten Zeiten verbunden. Das finde ich großartig. Wenn man gewinnt, sind alle dabei.“ Der Trainer weiß um die Stärke des Kaders, der in der Hinrunde gezeigt hat, wozu er auch in den Playoffs in der Lage gewesen wäre.Jahrelang geliefert „Wir steuern auf schwere Zeiten zu“, sagt stattdessen Denis Berberovic. „Ich mache das seit sechs Jahren, bin insgesamt 40 Jahre dabei. Mir tut das weh und auch leid. Weil wir jahrelang geliefert haben. Das ist das Traurige.“
Nico Lang kündigt "konsequente Entscheidungen" an
Gadzhimurad Alikhmaev freut sich zwar über seine technische Überlegenheit gegen Raphael Langenecker, am bitteren Ergebnis ändern seine vier Mannschaftspunkte jedoch nur wenig. Die Zukunftsfrage steht im Raum. Der Stellvertretende Abteilungsleiter Nico Lang sagt: „Wir müssen jetzt konsequente Entscheidungen treffen.“
Kampfstatistik
Red Devils Heilbronn - ASV Urloffen 12:25
61 kg Griechisch-Römisch (GR): Amirhossain Musavi - Leon Schmidt 0:4 (SS); 66 kg Freistil (FS): Damian Emin Macun - Quentin Sticker 0:4 (TÜ 0:16); 71 kg GR: kein Vertreter - Nika Korshia 0:4; 75 kg FS: Hossein Alizadeh - Stefan Käppeler 0:4 (TÜ 2:17); 75 kg GR: Alexander Zentgraf - Domenik Chelo 0:3 (PS 1:13); 80 kg FS: Ramazan Ramazanov - Joshua Knosp 4:0 (TÜ 18:3); 80 kg GR: Adam Juretzko - Aik Mnatsakanian 0:3 (PS 0:9); 86 kg FS: Gadzhimurad Alikhmaev - Raphael Langenecker 4:0 (TÜ 16:0); 98 kg GR: Martin Otto - Mindaugas Venckaitis 0:3 (PS 0:10); 130 kg FS: Eduard Popp - Andrej Schwarzkopf 4:0 (SS). red
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