Popp jubelt über EM-Bronze

Ringen  Schwergewichtler des Bundesligisten Red Devils Heilbronn holt in Warschau seine erste Medaille bei den Aktiven. Sein Teamkollege Frank Stäbler scheidet in Runde eins aus.

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Die Siegerpose von Eduard Popp nach dem verdienten Erfolg bei den Europameisterschaften im Kampf um die Bronzemedaille in Warschau.

Fotos: dpa

Nach sechs umkämpften Minuten brüllte sich Eduard Popp mit einem Urschrei den Druck von der Seele, sank auf die Knie, schloss die Augen und reckte beide Arme in Siegerpose in die Höhe. Endlich! Nach vielen vergeblichen Anläufen belohnte sich der Schwergewichtsringer in Diensten der Red Devils Heilbronn diesmal. Der Möckmühler bejubelte am Samstag bei den Europameisterschaften in der polnischen Hauptstadt Warschau im kleinen Finale gegen den Ukrainer Alexander Tschernezkii nach einem 2:1-Punktsieg die Bronzemedaille und damit sein erstes Edelmetall im Aktiven-Bereich bei einer internationalen Meisterschaft. EM-Dritter war Popp auch 2009 gewesen, damals noch bei den Junioren.

Pech hatte Frank Stäbler. Der zweite EM-Teilnehmer des Heilbronner Bundesligisten schied als Titelverteidiger im Limit bis 72 Kilogramm in der ersten Runde aus.

Popp: "Da fiel ein Stein, eine Riesenlast von mir ab"

"Das ist absolut eine große Erleichterung für mich. Da fiel ein Stein, eine Riesenlast, von mir ab. Es war schon ein enormer Druck, eine nervliche Anspannung, die ich am Samstag verspürte", sagte Popp gegenüber der Heilbronner Stimme nach dem langen Warten auf den Bronzekampf am späten Abend. "Mein Gegner war jetzt auch nicht gerade einer meiner Wunschkandidaten, da ich mit Tschernezkii bisher noch keine guten Erfahrungen gemacht habe." Letztlich legte Popp aber seinen Ruf als ewiger Fünfter ab.

Einen noch größeren Erfolg für Popp im Limit bis 130 Kilogramm im Stil griechisch-römisch verhinderte das Lospech, wurde seiner Gruppe doch der mehrfache Welt- und Europameister Riza Kayaalp zugelost, gegen den der Rote Teufel im Halbfinale per Schulterniederlage das Nachsehen hatte. "Kayaalb ist momentan unbezwingbar", zollt Popp seinem Kontrahenten Respekt. "Er ist einer, an dem ich mich messen lassen muss und den ich früher oder später bezwingen will."

Nervenstärke in der Qualifikation bewiesen

Popp, der ewige Fünfte, jubelt über EM-Bronze

Mit verkniffenem Gesichtsausdruck sitzt Frank Stäbler auf der Matte. Der dreimalige Weltmeister ist bei der EM in Polen überraschend in Runde eins ausgeschieden.

Der Grundstein für seinen ersten Podiumsplatz bei einer großen internationalen Meisterschaft legte Popp am Freitag. In der Qualifikation setzte sich der Unterländer Sportler des Jahres 2016 gegen den Polen Rafal Andrzej Krajewski durch und bewies dabei Nervenstärke. Beim Stand von 1:1 musste Popp in die Unterlage. Krajewski ging 3:1 in Führung, doch Popp setzte sofort zu einem Konter an und drehte den Kampf in einen 4:3-Erfolg.

"Ich bin nicht gut in den Kampf reingekommen", übte Popp Selbstkritik. "Da hat man gesehen, wie nah Sieg und Niederlage beieinander liegen. Aber ich habe mich zurückgekämpft, gegen einen Gegner, den ich eigentlich klar beherrschen sollte." Im Viertelfinale hatte das Heilbronner Eigengewächs gegen Marko Koscevic (Kroatien) beim 6:0 wenig Probleme. Dann kam Kayaalp.

Im Kampf um Bronze erneut einen Rückstand wett gemacht

Am Samstagabend machte Popp im Duell um Platz drei erneut einen Rückstand wett und bezwang den am Ende entkräfteten Tschernezkii verdient 2:1. Im Finale siegte Kayaalp gegen Jakobi Kajaia (Georgien) und feierte seinen insgesamt zehnten EM-Titel.

Nicht gut lief es für den dreimaligen Weltmeister Frank Stäbler, der gleich seinen ersten Kampf verlor. Popps Red-Devil-Teamkollege lag gegen Selcuk Can 5:0 in Front. Der türkische Meister kam mit einer Vierer-Wertung heran. Stäbler legte zum 6:4 nach. 34 Sekunden vor Kampfende glich Can zum 6:6-Endergebnis aus, das Can aufgrund der letzten Wertung das Weiterkommen bescherte. Da Can das Viertelfinale verlor, verpasste Stäbler die Hoffnungsrunde und damit das kleine Finale.

Fokus für Stäbler ist jetzt Tokio

"Es lief leider alles andere als geplant. Gewinnen ist einfach keine Selbstverständlichkeit", sagte Stäbler der Deutschen Presse-Agentur. "Ich denke, er verkraftet das ganz gut", sagte Popp. "Frank fokussiert sich jetzt auf Tokio." Es ist sein letzter internationaler Höhepunkt, bevor er mit den Red Devils in der Bundesliga auf Abschiedstournee geht.

Neben dem 31-Jährigen bereitet sich auch Eduard Popp auf die Sommerspiele in Japan vor. "Meine Medaille sorgt nochmals für kräftigen Rückenwind und einen mentalen Schub", sagte Popp. Und vielleicht klappt es im Land der aufgehenden Sonne dann auch mit einem Sieg gegen Riza Kayaalp.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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