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Frank Stäblers Abschied der Superlative setzt Maßstäbe

Vor 4267 Fans veranstaltet Frank Stäbler in Ludwigsburg "The Last Fight". Warum dieser Abend rund um den Ringer-Olympiasieger unvergesslich ist.

Stefanie Wahl
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Lesezeit 3 Min
Frank Stäblers Abschied der Superlative setzt Maßstäbe
Wertige Show-Acts mit Feuerwerk für Stäbler machen den Abend zum Event.  Foto: dpa

Es ist keine einstudierte Choreographie. Trotzdem funktioniert der Plan. Geschickt packen ein paar Hände zu, schon fliegt Frank Stäbler. Die Besten der Besten lassen an diesem Abend ihren Allerbesten hochleben. Bejubelt und beklatscht von mehr als 4200 Menschen auf den Tribünen der Ludwigsburger MHP Arena. Mit ihrem Kommen drücken sie am Samstagabend dem 32-Jährigen ihre Dankbarkeit aus. Er hat ihnen besondere Sport-Momente beschert. Frank Stäblers "The Last Fight", ein Sport- und Showprogramm der Superlative, ist sein Event zum Abschied.

Die deutsche Greco-Nationalmannschaft fängt den Helden des Abends mit ihren muskulösen Armen immer wieder sachte auf. Aufmerksam beäugt von handverlesenen Allstars, einem exzellenten Elitezirkel der Ringer-Branche. Schöner sind Wertschätzung, Respekt und Hochachtung vor einem sportlichen Lebenswerk nicht in einem Bild zu festzuhalten. Lachende Männer - mit nationalen Ehren und internationalen Meriten für ihre Ringerkunst belohnt - feiern ihn: Frank Stäbler. Für ihn sind sie aus Norwegen, Moldau, Armenien, dem Iran und aus Kuba eingeflogen.

Neun hochkarätige Freundschaftskämpfe

Die Dramaturgie des Abends will es so, dass Frank Stäbler im letzten von neun hochkarätigen Freundschaftskämpfen noch einmal Mohammadreza Geraei gegenübersteht. Jenem Iraner also, dem er im Viertelfinale der Olympischen Spiele in Tokio unterlegen ist. In Ludwigsburg schlägt Stäbler den Olympiasieger und Weltmeister mit 8:7 - und geht mit dem Gefühl, die heimliche Nummer eins zu sein.

Hoch soll er leben, der beste deutsche Ringer: Die Kollegen aus der Greco-Nationalmannschaft und ein internationales Allstar-Team feiern und schätzen Frank Stäbler.  Foto: dpa

Emotionaler geht es nicht. "Mir fehlen die Worte", sagt Frank Stäbler, nachdem er - alleine auf der Matte sitzend - gerührt und geehrt zugleich Videosequenzen aus seiner Karriere verfolgt. "Es fühlt sich noch so viel besser an wie ich es mir gewünscht habe", sagt der Mann aus Musberg, der bis Februar bei den Red Devils Heilbronn in der Bundesliga gekämpft hat. Sein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen. Eine Veranstaltung, mit der er zeigt, wie schön sein Sport ist.

Raus aus der verstaubten Truhe der Nischensportarten

Das Ringen aus der verstaubten Truhe der Nischensportarten herauszuholen, es im Glanz von Tim Bendzko oder Vertikaltuch-Artist Moritz Haase zu zu präsentieren, das ist sein großes Ziel gewesen. Auch das hat der dreimalige Weltmeister geschafft. Niemand sonst in seiner Zunft besitzt diese Strahlkraft, dieses Netzwerk und diesen Willen.

"So einen Abschied eines Athleten habe ich noch nicht erlebt", sagt Ex-DOSB-Präsident Alfons Hörmann, seine Anerkennung drückt auch Ernährungsminister Cem Özdemir aus, VfB-Präsident Claus Vogt nickt dazu. "So etwas gelingt nur einem Ringer auf der Welt", meint Greco-Bundestrainer Michael Carl. "Das ist verrückt, einfach nur verrückt. Es gibt nichts Größeres für unseren Sport, ein einmaliges Event, eine unglaubliche Atmosphäre", meint Stäblers Trainingspartner und Red Devil Marius Braun. Der Olympia-Dritte selbst meint: "Wir haben gezeigt, dass das Ringen mehr Kraft hat, als man sonst zeigt."

Frank Stäblers Abschied der Superlative setzt Maßstäbe
Emotional: Frank Stäblers letzte Momente auf der Matte.  Foto: dpa

Popps Duell mit der lebenden Legende López Nunez

Auch Eduard Popp, der wie Frank Stäbler Autogramme in der Dauerschleife schreibt, strahlt. Er hat die Ehre, dem viermaligen Olympiasieger Mijain López Nunez gegenüberzustehen. Unvergessliche Augenblicke trotz der 2:7-Niederlage. Schon am Freitag trainiert er mit der Legende aus Kuba, die 148 Kilo auf die Waage bringt und den Möckmühler, der am Donnerstag seinen 31. Geburtstag gefeiert hat, wie einen Hänfling wirken lässt. "Er ist eine Ikone, niemand weiß, wie viele Kämpfe er noch bestreitet", sagt Eduard Popp über den 39-jährigen Muskelberg und fügt an: "So ein Mensch wie er wird nur alle hundert Jahre geboren."

Mijain López Nunez genießt seinen Auftritt und die Aufmerksamkeit sichtlich - stemmt Frank Stäbler mit nur einem Arm in die Höhe und trägt ihn um die Matte. Die Halle tobt ob der Szenen für die Ewigkeit. Mohammadreza Geraei gibt sich ebenfalls galant, reckt Stäblers Arm in die Höhe und erweist dem Champion der Herzen die Ehre.

Bereit für das Leben, bereit für die neue Freizeit

Stäbler hat vier Kilo abgenommen. Ungeplant. Zu intensiv sind die Abschiedsvorbereitungen. Und doch ist sein Körper vollgestopft mit Dankbarkeit, noch einmal getränkt mit Adrenalin. Frank Stäbler ist bereit für das Leben. Das erleichtert es ihm abzutreten. Er freut sich auf seine neue Freiheit. Zeit zu haben. Für seine Familie. Seine Pläne. Alles zu können, nichts mehr zu müssen, ist fortan sein größter Luxus.

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