Wegen Olympia: Popp schließt Wechsel nicht aus

Ringen  Das Heilbronner Eigengewächs Eduard Popp hat Verständnis für den Bundesliga-Verzicht der Red Devils, doch es fehlen Einnahmen.

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Bleibt Eduard Popp ein Red Devil? Die finanziellen Planungen für Olympia 2021 könnten einen Vereinswechsel erforderlich machen.

Foto: Andreas Veigel

Der Verzicht der Red Devils Heilbronn auf einen Start in der Ringer-Bundesliga 2020 kam nicht überraschend. Die Coronavirus-Krise birgt zu viele Unwägbarkeiten, vor allem gesundheitlich, aber auch finanziell.

"Die Tendenz, dass es so kommen wird, gab es seit Wochen", sagt Eduard Popp. Daher ist das Heilbronner Eigengewächs von dieser Entscheidung, die am Freitag offiziell verkündet wurde, nicht überrascht worden. "Ich verstehe das inhaltlich und akzeptiere diesen Schritt", sagt der Olympia- und WM-Fünfte sowie mehrmalige deutsche Meister im Schwergewicht.

Finanzielle Einbußen, auf die er reagieren müsse

Ob es überhaupt eine Mannschaftsrunde auf höchster nationaler Ebene geben wird, entscheidet sich wohl am Wochenende. Wird von Mitte oder Ende Oktober tatsächlich gerungen, werden die Unterländer nicht der einzige Verein sein, der nicht auf die Matte geht. Für viele Ringer sind Einsätze in der Bundesliga aber finanziell unverzichtbar. Auch für Eduard Popp.

"Für mich als Einzelsportler ist das eine neue Herausforderung", sagt der 130-Kilo-Athlet und blickt auf die nächsten Monate. "Das bringt finanzielle Einbußen mit, auf die ich reagieren muss. Es gibt aber die Option für ein Jahr den Verein zu wechseln."

Der 29-Jährige spricht für viele Athleten in Deutschland, deren Matten-Arbeitsplatz verloren geht. "Es gibt Sportler, die studieren und ihren Lebensunterhalt mit dem Ringen finanzieren." Eduard Popp sieht auf seinen Heimatverein in der "Gesamtsituation durchaus Probleme zukommen". Die Folgen sind unvorhersehbar. Es könnten Sponsoren verloren gehen, aber auch Athleten.

Wertvolle Leistungsträger könnten für immer verloren gehen

Wie berichtet, wird Christian Fetzer die Red Devils verlassen, auch der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler hegt diesen Gedanken. "Wechselt ein Athlet für geplant eine Saison und es gefällt ihm bei seinem neuen Verein gut, kann es sein, dass dieser nicht mehr zurück will", befürchtet Popp. Den Roten Teufeln könnten somit wertvolle Leistungsträger für immer verloren gehen.

Was die persönliche Situation des zweifachen Familienvaters betrifft, der in Neckarsulm lebt und seinen Startplatz für die auf 2021 verschobenen Olympischen Sommerspiele in Japan sicher hat, ist noch alles offen. "Ich habe noch keine hundertprozentige Entscheidung getroffen", sagt Popp, der von Donnerstag bis Samstag mit den ebenfalls für Olympia qualifizierten Nationalmannschaftskollegen Frank Stäbler und Denis Kudla auf einem Trainings-Lehrgang in Bamberg weilte.

"Ich werde mich mit den Verantwortlichen der Red Devils zusammensetzten und besprechen, welche Lösungen es für das eine Jahr geben könnte", sagt Eduard Popp. "Einen Vereinswechsel schließe ich generell nicht aus."

Kostenplanung muss überdacht werden

Schließlich steht für den Griechisch-Römisch-Spezialisten viel auf dem Spiel. "Ich muss auch nach mir schauen und habe eine Familie zu ernähren", sagt Eduard Popp. "Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit Sponsoren aus der Region zu finden, die mein Olympia-Projekt mit unterstützen. Da mir jetzt die Gelder aus meinen Bundesliga-Einsätzen wegbrechen, mit denen ich meine Vorbereitung auf die Spiele finanziert hätte. Ich muss meine Kostenplanung überdenken, schauen wie ich mein Olympia-Paket bezahlt bekomme - und dann entscheiden." Rein sportlich erwartet Popp ohne Bundesliga-Einsätze keine negativen Auswirkungen auf seinem Weg nach Japan. Gegner für Trainingskämpfe gibt es ausreichend.

Die für Ende des Jahres geplanten Weltmeisterschaften in Serbien würde sich ohnehin mit der Mannschafts-Meisterschaft überschneiden. "Aufgrund von Quarantäne-Bestimmungen gibt es die Tendenz, dass man drei Wochen vorher nicht in der Bundesliga ringen darf." Die einzig fix terminierte Veranstaltung sind derzeit die Olympischen Spiele. "Die WM-Austragung ist noch nicht klar, auch nicht, wer ringen darf", sagt Eduard Popp.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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