Starke Teufel liefern

Ringen  Die Red Devils Heilbronn liefern weiter konsequent ab und schlagen Witten klar mit 20:3. Damit bleiben die Unterländer weiter ungeschlagen.

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Marius Braun hat Kiril Kildau souverän im Griff. Er trainiert zwei Mal die Woche mit Frank Stäbler in dessen Camp in Musberg und traut den Red Devils viel zu.

Spätzle mit Soße als Seelentröster. Die schwäbische Spezialität schmeckt Abdolmohammad Papi. Er sitzt an einem der Tische im Vip-Zelt der Red Devils Heilbronn gleich neben der Römerhalle, wo die Gäste des Ringer-Bundesligisten am Samstagabend den souveränen 20:3-Sieg im Top-Duell der Gruppe West gegen den KSV Witten feiern und sich daran erfreuen, dass die Roten Teufel in dieser Saison konsequent abliefern und ungeschlagen bleiben.

In dem stark agierenden Devils-Kollektiv ist Abdolmohammad Papi ein starker Verlierer. Ausgerechnet in seinem ersten Kampf als Deutscher unterliegt der 34-Jährige Donior Islamov 4:8. Das ärgert einen wie Papi, seine Rückkehr nach Neckargartach hat er sich anders vorgestellt. "Den Kampf muss ich gewinnen, ich habe kleine taktische Fehler gemacht", sagt er selbstkritisch.

Der Gegner bringt vier Kilo mehr auf die Waage

Was das Griechisch-Römisch-Ass nicht erwähnt: seinen Muskelfaserriss, die lange Corona-bedingte Wettkampfpause und sein Auftritt in der ungewohnten Klasse bis 71 Kilo. Dass der Moldawier vier Kilo Muskelmasse mehr auf die Waage bringt, ist bei einem Spitzenkampf auf Augenhöhe - Islamow hat bereits zwei Mal EM-Bronze gewonnen - gleichwohl von Bedeutung.

Doch Abdolmohammad Papi ist ehrgeizig. Ein Sport-Star in seinem Heimatland Iran, bis er bei einem WM-Qualifikationsturnier gegen einen Israeli antreten will und dafür ein Jahr gesperrt wird. Weil er auch politische Geschehnisse hinterfragt, wird seine Familie überwacht. Er flieht. Schlepper bringen ihn, seine Frau und den heute fünfeinhalbjährigen Paya in die Niederlande. Fünf Stationen später kommt er nach Musberg. Dorthin holt ihn Frank Stäbler als Trainingspartner. Längst sind sie gute Freunde.

Papi ist am wichtigstens, dass seine Kinder in Sicherheit sind

Starke Teufel liefern

Zurück auf der Matte: Der Olympia-Dritte Frank Stäbler (li.) und Abdolmohammad Papi, der seinen ersten Kampf als deutscher Staatsbürger bestritt.

Fotos: Andreas Veigel

"Für Papi und seine Familie ist es existentiell wichtig, dass er einen deutschen Pass hat. Er ist in Freiheit, hat hier eine Zukunft und Perspektive", sagt Frank Stäbler. Abdolmohammad Papi, der sich nicht nur in der Nachwuchsarbeit engagiert, sondern derzeit den A-Trainerschein macht, zeigt ein Foto seiner zwei Kinder - Tochter Tyam wird in zwei Monaten drei Jahre alt - und meint: "Das ist mir das Wichtigste, dass sie in Sicherheit sind."

Dem stolzen Papi Papi gegenüber sitzt Marius Braun. Auch er gehört zu den Trainingspartnern von Frank Stäbler, kommt zwei Mal die Woche in dessen Camp. Auf der Matte hat der Red Devil mit einer soliden Leistung Kiril Kildau mit 7:3 geschlagen und freut sich doch weit mehr über die geschlossene Stärke seiner Mannschaftskollegen. "Wir haben eindeutig das Zeug dazu, ins Playoff-Finale zu kommen", sagt der 86-Kilo-Mann und verspricht auf dem Weg dorthin weiter hart an der Form zu arbeiten. Um noch stärker zu sein, wenn es gilt.

Frank Stäbler zieht einmal mehr die Fans magisch an

"Das ist mein Traum gewesen, mit den beiden meine letzte Saison zu bestreiten", sagt Frank Stäbler. Er setzt sich als Letzter an den Tisch. Wieder einmal hat der dreimalige Weltmeister, der vor den mehr als 300 Zuschauern erstmals seit Olympia-Bronze in Tokio und dem internationalen Karriereende wieder angetreten ist, die Fans magisch angezogen. Angefangen bei Kampfrichter Petar Stefanov, der sich noch auf der Matte ein Erinnerungsfoto mit dem 32-Jährigen wünscht - und erhält. Wie alle anderen auch. Stäbler schenkt jedem ein Lächeln oder Autogramm.

Immer wieder tropft ihm der Schweiß von der Nase. "Volle acht Wochen habe ich runtergefahren, bin von Event zu Event gerannt", berichtet Frank Stäbler. Erst seit zwei Wochen liegt der Fokus wieder auf dem Sport, daher spürt er "noch einen Todes-Muskelkater". Noah Englich ist er dennoch technisch überlegen, obwohl der 17-Jährige mit viel Herzblut und ohne Ehrfurcht agiert.

Der Anfang ist getan, darauf bauen die Red Devils auf

Starke Teufel liefern

Papa-Tochter-Moment nach dem Sieg: Eduard Popp mit der dreijährigen Lilien.

Das imponiert Frank Stäbler, der einst mit Englichs Papa Mirko, Olympia-Zweiter 2008, im Nationalteam gerungen hat und nun auch mit dem stolzen Sohnemann in die Kamera lächelt. Gerührt ist der, als ihm der Musberger mit auf den Weg gibt, seine 2018 an Krebs verstorbene Mutter Yvonne Englich, ebenfalls eine international erfolgreiche Ringerin, stets im Herzen zu tragen.

Während des späten Essens meint Stäbler über seine Abschiedstour: "Der Anfang ist getan, darauf bauen wird auf. Die Red Devils sind stark und nach Weihnachten alle topfit. Wir wollen was erreichen."

Red Devils Heilbronn - KSV Witten 20:3

57 kg Freistil (FS): Mikhail Ivanov - Eren Arslan 16:0 TÜ; 61 kg Griechisch-Römisch (GR): Alexander Grebensikov - Bredi Slinkers 8:2 PS; 66 kg FS: Cengizhan Erdogan - Andrei Perpelita 5:3 PS; 71 kg GR: Abdolmohammad Papi - Donior Islamov 4:8 PS; 75 kg FS: Daniel Sartakov - Gregor Eigenbrodt 9:2 PS; 75 kg GR: Frank Stäbler - Noah Englich 16:0 TÜ; 80 kg FS: Georg Harth - Dumitru Tulbea 6:0 PS; 86 kg GR: Marius Braun - Kiril Kildau 7:3 PS; 98 kg FS: Taimuraz Friev - Nicolai Ceban 4:6 PS; 130 kg GR: Eduard Popp - Simeon Stankovich 10:1 PS.

Sportive Gäste
Sportliche Unterstützung haben die Red Devils am Samstag in der Römerhalle gehabt. Unter den Zuschauern sind einige Bundesliga-Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union gewesen, auf der Tribüne hatten aber auch die Falken-Profis Karl Fabricius, Jeremy Williams, Julian Lautenschlager, Noah Dunham und Stefan Della Rovere Platz genommen. Gut gefallen hat es auch den Neckarsulmer Schwimmern um Bente Fischer und Henning Mühlleitner. "In Saarbrücken war ich auch schon beim Ringen", sagt der Olympia-Vierte von Tokio.

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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