Red Devils verzichten auf Bundesliga-Saison

Ringen  Die zu hohe Verantwortung in Corona-Zeiten und eine finanzielle Unterdeckung sind die Gründe für die Pause der Heilbronner Ringer. Damit verliert der Verein wohl auch den Star der Szene und dreimaligen Weltmeister Frank Stäbler.

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Eine voll besetzte Römerhalle mit spannenden Ringer-Duellen, das wird es in dieser Bundesliga-Saison nicht geben − die Red Devils verzichten.

Foto: Andreas Veigel

Lange hatten die Verantwortlichen der Red Devils Heilbronn mit sich gerungen. Nun ist die Entscheidung gefallen: Die erste Mannschaft wird in der Saison 2020/21 nicht in der Ringer-Bundesliga antreten. Auch die zweite Mannschaft verzichtet auf die Landesliga-Runde.

"In der aktuellen Corona-Lage gibt es zu viele Fragezeichen, um vernünftig für die Saison zu planen", sagt Red-Devils-Chef Jens Petzold. "Keiner weiß, wann die Saison tatsächlich beginnen würde. Sprich, die Probleme beginnen bereits bei der Reservierung der Römerhalle für die Termine."

Unsicherheit bei Zuschauer-Kapazitäten

Zudem sorgt das Coronavirus für weitere Sorgen. "Dann treten bei jedem Bundesliga-Kampf in beiden Teams acht ausländische Ringer an, die zum großen Teil extra für die Kämpfe nach Deutschland kommen. Dürfen diese aus Ländern wie Russland, Georgien, der Türkei oder Spanien überhaupt einreisen?", gibt Petzold zu bedenken. "Und, wenn die Saison beginnen würde, wie viele Zuschauer dürften wir reinlassen?"

Ausschlaggebend für die Entscheidung gegen einen Start in der Saison 2020/21 waren jedoch andere Gründe - wie der finanzielle Aspekt. "Ein Großteil unserer Sponsoren würde zwar an Bord bleiben, aber Corona ist auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen und wir müssten ziemlich sicher mit einer Unterdeckung des Etats starten. Das wäre unverantwortlich, zumal wir nicht mit normalen Zuschauerzahlen und Gastronomie-Einnahmen planen könnten", sagt Petzold.

Blick richtet sich bald schon auf die darauffolgende Saison

Noch wichtiger ist ihm die gesundheitliche Verantwortung aller Beteiligten. "Wäre nur ein Sportler oder ein Zuschauer in der Halle, der das Virus in sich trägt, würden sich womöglich zahlreiche Sportler, Helfer oder Zuschauer anstecken - das ist mir zu heiß." Die Saison 2020/2021 ist für die Red Devils Heilbronn somit Geschichte, doch gedanklich beschäftigen sich die Verantwortlichen bereits mit der nächsten.

"Wir nehmen im Spätherbst wieder Kontakt mit unseren Sponsoren auf, um abzuklären, wie es für 2021/2022 aussehen könnte", sagt Jens Petzold. Was den derzeitigen Kader und die Athletenverträge angeht, sieht der Heilbronner Ringerchef die Gefahr, dass "sich der eine oder andere einen neuen Verein sucht. Da haben wir keine Handhabe".

Patric Nuding bleibt Devils-Trainer

Und das bereits für die Mannschaftsrunde, die eventuell von Oktober an stattfinden könnte. Bis maximal Ende Juli hat der Deutsche Ringer-Bund (DRB) den Vereinen Zeit gegeben, dann fällt eine Entscheidung, ob die Saison überhaupt stattfindet.

Prinzipiell geht Jens Petzold davon aus, "die Jungs, die aktuell einen Vertrag mit den Red Devils haben, werden auch 2021 für uns ringen. Ende des Jahres sollten sich alle erklärt haben, ob sie bereit sind, ihren Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern". Sicher ist, dass Patric Nuding auch in der Saison 2021/2022 Trainer der Red Devils bleiben wird.

Stäbler ist "heiß begehrt"

Offen hingegen ist die Zukunft von Weltmeister Frank Stäbler. "Franky ist heiß begehrt. Wir haben zwar emotional eine wahnsinnige Verbindung, aber wenn er noch einen Verein findet, wo er Geld verdienen kann, muss er diese Chance wohl nutzen", sagt Petzold. "Es wird dahingehend offen und fair miteinander kommuniziert."

Die Absage zur Saison 2020/2021 in der Bundes- und Landesliga heißt, dass die Red Devils lediglich ein Jahr aussetzen - und danach ohne Sanktionen wieder in derselben Liga einsteigen dürfen. Das hat sowohl der DRB wie auch der Württembergische Ringer-Verband den Teams zugesichert.

"Die Situation ist absolut unbefriedigend für unsere Sportler und Fans, das ist uns bewusst. Aber manchmal braucht es unpopuläre Entscheidungen", sagt Petzold. Er blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. "Die Red Devils befinden sich in einer Situation, für die niemand etwas kann. Wir versuchen alles, gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen."


Kommentar von Stefanie Wahl: Weiterkämpfen

Die Red Devils Heilbronn haben eine nachvollziehbare Entscheidung getroffen. Leichtfertig ist die Absage des Ringer-Bundesligisten nicht gewesen, überraschend kommt sie allerdings auch nicht. Zu komplex sind die offenen Fragen, zu unsicher vor allem die finanzielle Situation. Für den Sport in der Region heißt das, dass ein weiteres Highlight wegbricht. Das ist bitter!

Die Entscheidung wird nicht ohne Folgen bleiben. Die homogene Mannschaft droht auseinanderzufallen. Mit Ringer-Ass und Weltmeister Frank Stäbler wird das nationale Zugpferd verlorengehen, weitere Leistungsträger werden sich jenen Clubs anschließen, die sich für einen Start entscheiden - notfalls auch unterklassiger.

Die Ringer werden nicht mehr im Fokus stehen, das erschwert den Wiedereinstieg. Wer erst einmal von der sportiven Bildfläche verschwunden ist, benötigt - auch ohne Corona-Wirren - noch mehr Überzeugungskraft und Energie, um sich wieder ins Bewusstsein der Fans, aber auch der Sponsoren zu spielen.

Sehr schwierig ist die Situation auch für die Jugend. Es ist weniger die Hoffnung auf einen Einsatz im Bundesliga-Team - dieser Traum erfüllt sich ohnehin nur für einige wenige. Es ist vielmehr die Identifikation mit einem Olympia-Starter und die Strahlkraft eines Stars wie Stäbler, die verloren geht. Das Motto der Red Devils muss daher in vielerlei Hinsicht lauten: weiterkämpfen.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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