Red Devils feiern Sieg-Hattrick

Ringen  Heilbronn gewinnt auch den dritten Bundesliga-Kampf. Beim 20:7 gegen Neuss hat Adam Juretzko einen ganz besonderen Kampf bestritten.

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Einen Wurf wie diesen von Eduard Popp (rotes Trikot), der fünf Punkte bringt, sieht man im Ringen eher selten, vor allem im Schwergewicht bis 130 Kilogramm. Der Olympia-Achte und EM-Dritte wurde dafür mit viel Beifall belohnt.

Foto: Andreas Veigel

Sieg am Auftakt-Wochenende der Ringer-Bundesliga West gegen die Wrestling Tigers Rhein/Nahe sowie beim ASV Mainz 88 und nun ein 20:7-Erfolg im zweiten Heimkampf gegen die KSK Konkordia Neuss: Die Red Devils Heilbronn haben am Samstagabend in der Neckargartacher Römerhalle ihren Sieg-Hattrick perfekt gemacht.

Die Befürchtung von Devils-Trainer Patric Nuding, es könnte eng werden, bewahrheitete sich nicht. "Wir gehen gegen jeden Gegner voll konzentriert auf die Matte", weiß Nuding um die Gefahr, wird ein Gegner unterschätzt. Daher hatte der Chefcoach erstmals in dieser Saison den WM-Dritten von 2018, Taimuraz Friev, im Aufgebot. "Die Jungs wissen, um was es geht, müssen sich aber noch Step by Step steigern."

Der Sportliche Leiter der Gäste hatte sich mehr erhofft

Fatih Cinar, Sportlicher Leiter der KSK Konkordia Neuss, nahm die Niederlage sportlich fair. "Ich bin nicht enttäuscht. Wir sind hier bei den Red Devils, und das ist eine wahnsinnig starke Truppe", lobte Cinar die Gastgeber. "Etwas mehr hatten wir uns aber schon erhofft. Hoffen und tun sind halt nun mal zweierlei Dinge."

Ein so deutlicher Erfolg vor 280 Zuschauern war auch für Nuding etwas überraschend, aber ein Indiz dafür, dass alle verinnerlicht haben, dass "um jeden Punkt gekämpft werden muss". Ein Vorzeigeathlet in dieser Hinsicht ist Adam Juretzko, über den Nuding sagte: "Der macht diesen Sport nicht nur, er lebt ihn und lässt alles auf der Matte, um für sich und die Mannschaft das Maximale herauszuholen."

Das Maximale war in einem ganz besonderen Duell am Samstag aber zu wenig, denn der Neuzugang verlor seinen Kampf gegen Samuel Bellscheidt, den Drittplatzierten der Junioren-EM 2021, mit 0:4. Doch es war der letzte Kampf im Mannschaftsvergleich, und der Sieg der Hausherren war bereits sicher.

Generationen-Duell: Bellscheidt (20) schlägt Juretzko (50)

Das besondere an diesem Duell: Juretztko wird Ende des Monats 50 Jahre alt, Samuel Bellscheidt zählt gerade mal 20 Lenze. "Das war ein Kampf der Generationen. Aber auch einen Juretzko in diesem Alter muss man erst einmal besiegen", zeigte Cinar höchsten Respekt vor dem, was "Adam in all den Jahren gezeigt hat" und was er auch heute noch zu leisten vermag.

Juretzko unterhielt sich nach seiner Niederlage mit Ralf Bellscheidt, dem Vater der beiden Neusser Toptalente Aaron und Samuel. Letzterer war ja in diesem Frühjahr Sparringspartner des dreimaligen Weltmeisters Frank Stäbler während dessen Olympia-Vorbereitung. "Das ist schon ein Wahnsinn: Adam und ich haben früher gemeinsam in der Junioren-Nationalmannschaft gerungen, und jetzt kämpft er gegen meinen Sohn", erzählte Papa Bellscheidt und ergänzte voller Anerkennung für den Heilbronner: "Adam ist damals frisch aus Polen rübergekommen, war da schon eine Bombe. Er ist eine Bombe geblieben, ich fahr jetzt halt viel Fahrrad."

Dem Talent nicht den Weg in die Zukunft verbaut

Juretzko konnte mit seiner Niederlage bestens leben. "Das ist gut so, das musste so sein. Ihm gehört die Zukunft. Läuft es etwas anders, kann ich ihn besiegen. Aber dann verbaue ich diesem Talent den Weg", so Juretzko. "Da gibt es Leute, die sagen dann, wie kannst der gegen einen 50-Jährigen verlieren." In den beiden Mannschaftskämpfen der Devils zuvor war es der Oldie, der wichtige Punkte für sein Team holte und das auch noch vorzeitig. "Das waren Gegner, hätte ich gegen die verloren, ich hätte aufgehört."

Die Red Devils bestimmten gegen Neuss vom ersten Kampf an das Geschehen. Mikhail Ivanov siegte vorzeitig überlegen, Eduard Popp legte nach, gewann durch einen Überwurf mit einer Fünfer-Wertung 6:1. Auch Alexander Grebensinov und Friev lieferten. Lediglich Chengizhan Erdogan gab gegen das belgische Supertalent Ayub Musaev beim 2:4 einen Punkt zum 13:1-Pausenstand ab. Im zweiten Abschnitt baute Marius Braun den Vorsprung aus (15:1), Hammet Rüstem wurde von Aaaron Bellscheidt geschultert (15:5), ehe Georg Harth (Schultersieg) und der ehemalige Neusser Daniel Sartakov den Heilbronner Sieg (20:5) festzurrten. Juretzkos 0:4 zum 20:7 war somit belanglos.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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