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Für Ringer Eisele geht es bei der WM nicht nur um eine Medaille

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Pascal Eisele ist für die Red Devils ein Leistungsträger in der Bundesliga und hat seine eigene Art, sich auf die Weltmeisterschaft in Ungarn vorzubereiten, die ihn zehn Tagen beginnt.

Von Stefanie Wahl
Gut betreut von Markus Mackamul (links) und Andrei Puscas: Pascal Eisele ist fit für die WM in Budapest.
Foto: Andreas Veigel
Gut betreut von Markus Mackamul (links) und Andrei Puscas: Pascal Eisele ist fit für die WM in Budapest. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Sekunden verrinnen, nichts passiert. Pascal Eisele wirkt passiv, geradezu teilnahmslos auf der Matte. Verzerrte Realität. Der erste Blick täuscht. Genau das ist gewollt. "Ich stelle mich nicht nur rein und warte ab", sagt der junge Mann mit dem Bart, "ich versuche die Gegner zu zwingen, so zu stehen, wie ich sie haben will." Um seine Stärke auszuspielen, seine extreme Explosivität.

Eingelullt in die scheinbare Sicherheit eines Nicht-Angriffspaktes, überrascht Pascal Eisele den Gegner mit einem blitzschnellen Griff. Technisch sauber zieht ihn der 25-Jährige, punktet.

Eisele ist Medaillenkandidat in der Klasse bis 77 Kilo

In der Bundesliga beweist Pascal Eisele diese Effizienz schon die zweite Saison für die Red Devils. Für die Heilbronner ist er ein Leistungsträger. In der Nationalmannschaft zählt der Griechisch-Römisch-Spezialist zu den Medaillenkandidaten in der Klasse bis 77 Kilo bei den Weltmeisterschaften (20. bis 28. Oktober) in Budapest. Es liegt im Naturell eines Leistungssportlers, das Maximum aus sich herauszuholen. Demnach gäbe es für Pascal Eisele kein anderes Ziel als erneut eine Medaille zu holen. "Das kann man nicht sagen", meint er. "Ich liebe es, mich mit den Besten der Welt zu messen."

Pascal Eiseles Herangehensweise an das Großereignis ist anders. Eine Taktik, um den Druck zu puffern. Er weiß schließlich um die enorme Bedeutung einer Medaille, um die Wucht, die ein Titel auslöst. 2016 ist er Europameister geworden. "Da geht es eigentlich nur um die Gesellschaft, die das hoch anerkennt", sagt Eisele.

Medaille als Konsequenz starker Leistung

Er jedoch schätzt besonders die Mühen, die dahinterstecken. "Eduard Popp ist so oft an einer Medaille vorbeigeschrammt, da geht es um null Komma irgendwas Prozent. Es gibt Leute, die waren fünf Mal Fünfter und sind Weltklasse. Andere sagen, aber er hat keine Medaille geholt." Eiseles persönliche Vorgabe lautet daher: 110 Prozent geben, von der Matte gehen und spüren, es war mega. Wohlwissend, "wenn ich so gut drauf bin, dass ich eine Medaille hole, ist es nur eine Konsequenz, dass ich stark war an dem Tag."

Der Odenwälder, der wegen seines Studiums zum Polizeikommissar nach Wiesbaden gezogen ist, macht sich nicht verrückt - und schon gar nicht sein Wohl und Wehe von einem legierten Stück Metall abhängig. Die Ratio weiß um das Risiko, in der neuen Gewichtsklasse auf dem höchsten Niveau schnell mal gegen einen der zahlreichen hochkarätigen Konkurrenten knapp zu verlieren. Also freut sich Pascal Eisele über jeden Kampf in Ungarn.

Arbeit mit Mentaltrainer hilft

Diese Einstellung ist auch ein Ergebnis seiner Arbeit mit einem Mentaltrainer. "Wenn man sich zu viel Druck macht, geht der Spaß verloren", sagt Pascal Eisele. Er weiß, wie beklemmend sich das anfühlt, weil die Last auch ihn eine zeitlang wie aufzufressen drohte und ihm die Leidenschaft an seinem Sport genommen hat.

"Der Kopf verirrt sich immer mal wieder ein bisschen und sucht sich irgendwelche Bequemlichkeiten", sagt Pascal Eisele, "deswegen ist es für mich auch wichtig, zum Mentaltrainer zu gehen. Damit du weißt, für was du was machst." Bis Dienstag hat er sich mit seinen Teamkameraden der Red Devils, Eduard Popp und Frank Stäbler, am Olympiastützpunkt in Heidelberg auf die WM vorbereitet, kurz vor dem Abflug nach Budapest versammelt Michael Carl seine Athleten nochmals in Freiburg.

Der Bundestrainer griechisch-römisch ist gleichfalls eine Vertrauensperson für Eisele. "Er geht extrem gut mit Menschen um, gehört nicht zur alten Generation, die immer mit der Peitsche dasteht oder überstreng ist. Das ist bei erwachsenen Männern, die schon viel erlebt haben, goldwert. Mit ihm kannst du über alles reden" Er hat es getan. Als er 2017 das Fachabitur nachholt, nebenbei einen eigenen Haushalt schmeißt und trainiert. "Das war hart, da bin ich auch sportlich ein bisschen abgesackt", erzählt Pascal Eisele.

Bei der EM scheidet er aus, bei einem WM-Vorbereitungsturnier ist nach zwei Runden Schluss. Der Frust sitzt tief, die Situation nagt an dem sonst so Erfolgreichen. Carl nimmt Eisele aus dem Training, gönnt ihm Zeit mal durchzuschnaufen. Das Vertrauen gibt ihm der Athlet auf die schönste Weise zurück: mit Bronze beim Saisonhöhepunkt.

 

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