Frank Stäbler findet neues Zuhause in Schorndorf

Ringen  Der dreimalige Ringer-Weltmeister verlässt die Red Devils in Richtung Schorndorf.

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Frank Stäbler streichelt den Babybauch von Ehefrau Sandra. Im Februar kommt das Geschwisterchen für Alia, der Ringerbody ist ein erstes Geschenk.

Foto: Stefanie Wahl

Eine Plauderei ist es im vergangenen Jahr. Ein Gespräch übers Ringen und ein wenig mehr. Als Sedat Sevsay, Trainer und Vorstand des Bundesligisten ASV Schorndorf vor wenigen Wochen jedoch vom Saison-Verzicht der Red Devils Heilbronn hört, reift in ihm der Gedanken, den Star der Roten Teufel zu verpflichten: Frank Stäbler. Am Sonntagmorgen verkündet der dreimalige Weltmeister in seinem Worldcamp auf dem elterlichen Hof in Musberg: "Der ASV Schorndorf wird mein neues Zuhause in der Bundesliga." Für acht Kämpfe hat Stäbler unterschrieben.

Frank Stäbler und Jens Petzold haben ein super Verhältnis

Als der 31-Jährige vor drei Jahren zu den Red Devils kommt, ist der Plan, hier auch seine nationale Karriere zu beenden. Ein gewichtiger Grund ist Abteilungsleiter Jens Petzold. "In ihm habe ich einen unglaublich guten Freund gewonnen, wir haben ein super Verhältnis", sagt Frank Stäbler. Am Gerüst seines neuen Haus, nur wenige Meter von seiner Trainingsstätte, dem ehemaligen Hühnerstall der Eltern, entfernt, prangen große Plakate von Petzolds Firma. Idealerweise plant der Europameister am 23. Dezember dort einzuziehen und Heilig Abend mit der wachsenden Familie darin zu feiern. Im Februar 2021 soll das Geschwisterchen der zweijährigen Alia Marie geboren werden.

Jens Petzold und Frank Stäbler haben stets offen kommuniziert. So ist klar gewesen, dass der fünfmalige Ringer des Jahres im Falle eines Verzichts nicht zu halten ist. Zu sehr braucht und liebt Stäbler die Kämpfe, zu sehr braucht das Ringen seinen Ausnahmeathleten als Vorzeigefigur, die weltweit großes Ansehen genießt, es selbst auf den medialen Boulevard geschafft hat.

Das neue Zuhause von Frank Stäbler

Ringen künftig gemeinsam für den ASV Schorndorf: Weltmeister Frank Stäbler (rechts) und der EM-Dritte im Schwergewicht Jello Krahmer. Ob der 31-Jährige wieder zu den Red Devils zurückkehrt? "Die Türe ist niemals verschlossen", sagt Stäbler.

Foto: dpa

Traum von Olympia 2021

"Die Bundesliga hat für uns deutsche Athleten zwei elementare Bedeutungen", sagt Frank Stäbler, der in diesem Jahr bisher gerade einmal fünf Kämpfe bestritten hat: "Wir brauchen diese Qualitätskämpfe mit internationalen Topleuten."

Ganz besonders er, dessen großer Traum es ist, bei den in 2021 verschobenen Olympischen Spielen in Tokio das lang ersehnte Gold zu holen. Dafür verlängert er seine internationale Karriere um ein Jahr, versucht seine Schulterprobleme auf konventionelle Weise zu kurieren und hungert sich in einer Tortur noch einmal um acht Kilo in die Klasse bis 67 Kilo herunter. In Japan will Stäbler "Frieden schließen", wie er sagt. Er will mit sich im Reinen sein.

Schorndorf mit dem Ziel Halbfinale

"Darüber hinaus ist für uns Einzelsportler schön, in einem tollen Team um die Meisterschaft zu kämpfen. Ich möchte unbedingt kämpfen." Nun eben bei den Spartanern in Schorndorf statt in der Römerhalle. Das Halbfinale geben sie als Ziel für die Saison aus, die am 3. Oktober mit dem Duell gegen Nürnberg starten soll.

Der Wechsel nach Schorndorf mag manch einen überraschen. Doch Frank Stäbler ist ein extrem heimatverbundener Typ. Er sagt: "Oft habe ich anderswo mehr Geld geboten bekommen, aber ich habe keine Lust für einen Kampf fünf Stunden im Auto zu sitzen." Ein positiver Nebeneffekt des Wechsels: Stäbler startet nun wieder für den gleichen Verein wie sein ständiger Trainingspartner und guter Freund Abdolmohammad Papi, den er nach dessen Flucht aus dem Iran in einem zähen Ringen mit der Politik nach Musberg geholt hat.

Der internationale Topmann hat ebenfalls schon das Trikot der Red Devils getragen. Besteht für die Ringerfans im Unterland noch die Hoffnung, dass Frank Stäbler in seiner letzten Saison wieder zurückkommt? Der Profi lächelt und sagt: "Ich habe mich bei den Red Devils unfassbar wohlgefühlt. Die Türe ist niemals verschlossen. Sag niemals nie."


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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