Ende Juli wird über die Ringer-Bundesliga abgestimmt

Ringen  Noch immer ist unklar, ob die Ringer-Bundesliga in dieser Saison stattfindet. Red-Devils-Chef Jens Petzold sieht noch viele Fragezeichen.

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Jens Petzold

Foto: Alexander Bertok

Jens Petzold erwartet Post. Der Abteilungsleiter des Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn bekommt einen Fragebogen zugeschickt. Absender ist der Deutsche Ringer-Bund (DRB). Mit dem Papier hat der Bundesligist die Möglichkeit, seine Sicht der Dinge samt Lösungen zu nennen, die durch die Corona-Pandemie entstandenen sind. Primär geht es um eine Frage: Gibt es in 2020 eine Bundesliga-Saison? Und wenn ja, in welcher Form und mit wie vielen Vereinen?

Darüber, aber auch über zahlreiche andere Themen haben Jens Petzold und die anderen Erstliga-Vereinsverantwortlichen in einer Web-Konferenz mit DRB-Präsident Manfred Werner gesprochen. Ein Ergebnis: Bis zum 31. Juli muss eine Entscheidung her, ob es eine Saison gibt - oder nicht. Im Moment schwirren viele Fragen durch die Köpfe, Antworten hingegen hat kaum jemand. Daher ist die Meldefrist abermals verlängert worden. Nun bleibt bis Mitte Juli Zeit.

Komplexe Problematik bei Kontaktsportart

Die Problematik ist komplex, denn Ringen ist eine Kontaktsportart und damit besonders sensibel in Verbindung mit Corona und einem Pflicht-Hygienekonzept. "Daher werden wir uns Stück für Stück herantasten", sagt Jens Petzold.

Auch er grübelt, was für seine Abteilung die K.o.-Kriterien auf dem Weg zu einem Ja zur Bundesliga sind. Die Finanzen sind dabei nur ein Puzzleteil, allerdings ein tragendes. Dass nun persönliche Gespräche mit potenziellen Geldgebern wieder möglich sind, wertet Jens Petzold positiv. Andere Punkte sind die Zuschauer, die Anzahl der Kämpfe oder eine Runde in Turnierform - analog zum derzeit laufenden Basketball-Finalturnier.

Was passiert mit den Ausländern?

Ende Juli wird über die Ringer-Bundesliga abgestimmt

Ringen mit Zuschauern, wie hier im Dezember 2019 ein Kampf der Red Devils in der Römerhalle, ist durch die Corona-Pandemie derzeit undenkbar.

Foto: Andreas Veigel

Jens Petzold sieht das Gesamtpaket, denn dieses sei "ein Konstrukt aus vielen Fragezeichen". Es reicht von der Haftung, wenn sich ein Sportler infizieren sollte, über die Bereitschaft der Ringer, ihre Gagen zu reduzieren bis hin zu internationalen Reisebeschränkungen, die mit darüber entscheiden, ob ausländische Athleten auf die Matte gehen dürfen und können.

Die Stimmung innerhalb der Liga ist unverändert gespalten, die eine Hälfte hat das klare Ziel, die Saison durchzuziehen, die andere plädiert für einen Verzicht. Die Entscheidung darüber fällt spätestens zum 31. Juli. Die Zeit drängt, es gilt mit Blick auf den Weltverband UWW die internationalen Termine nicht zu blockieren. Derzeit sind für Dezember die Weltmeisterschaften vorgesehen. Nicht nur für Frank Stäbler, den Red-Devil-Star der vergangenen drei Jahre, ist die WM nach dem Wegfall der Olympischen Spiele in Tokio im August derzeit das große (Motivations)-Ziel. Wenn es eine Bundesliga-Saison geben wird, muss bis zum 15. August die Terminplanung stehen.

Gemeinschaftliche Entscheidung

Und wie geht es mit den Red Devils weiter? "Ob wir teilnehmen, das wird gemeinschaftlich entschieden", sagt Jens Petzold, "vielleicht wird uns die Entscheidung aber auch abgenommen." Sicher ist jedoch eines: Meldet sich ein Verein für die Saison 2020 ab, wird dies nicht sanktioniert. Im Klartext: Es droht kein Abstieg oder gar eine Zwangs-Degradierung in eine untere Liga. Vertagt um ein Jahr wird auch die geplante Einführung der 2. Bundesliga.

Während Wettkämpfe noch in der Ferne liegen, läuft immerhin der Trainingsbetrieb in der Römerhalle wieder an. Nachdem die Stadt Heilbronn das Hygienekonzept frei gegeben hat, treffen sich Jugend wie Aktive zeitversetzt wieder in Kleingruppen - auf Abstand. Kraft, Ausdauer und Koordination stehen im Vordergrund, spezifisch wird es nur im Duell mit der Ringerpuppe. Diese wird ständig desinfiziert. Jens Petzold sagt: "Der Start ist wichtig, wir wollen den Jungs und Mädels zeigen, dass wir noch leben."


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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